The Belko Experiment (Filmkritik)

Mike (John Gallagher Jr.) und seine Freundin Leandra (Adria Arjona) arbeiten gemeinsam bei einer Firma namens Belko Industries. Ihr Standort ist in einem abgelegenen Teil von Bogota, in Kolumbien. Eines Tages wirken die Sicherheitsvorkehrungen plötzlich strenger als sonst, die Ausweise der Mitarbeiter werden gründlich überprüft und alle Einheimischen, bekommen an diesem Tag frei.

Im Gebäude befinden sich schließlich 80 Mitarbeiter, die normal ihren Arbeitsalltag verfolgen wollen. Bis jedoch ohne Vorwarnung das Gebäude hermetisch verriegelt wird und eine Stimme durch die Lautsprecheranlage verkündet, dass jeder dazu aufgerufen ist, seine Kollegen zu töten, sonst werde es Konsequenzen geben. Was zunächst wie ein schlechter Scherz wirkt wird schnell ernst, als bei vier Mitarbeitern, plötzlich die Köpfe explodieren…

Laut Interview hatte Regisseur James Gunn (Slither) eines Nachts einen Traum, in dem Menschen in ein Bürogebäude mit Metallwänden eingesperrt werden und ihnen eine Stimme aufträgt, sich gegenseitig zu töten. Darum schrieb er noch vor seiner Regiearbeit Super im Jahr 2010 ein Drehbuch dazu, aus privaten Gründen zog er sich jedoch schließlich aus dem Projekt wieder zurück. Als durch die Guardians of the Galaxy Filme sein Name immer bekannter wurde, war es dann das Studio dass Gunn anrief und ihn fragte, ob man nun doch den Film realisieren sollte.

Gunn selbst ist hier dann neben dem Drehbuch auch als Produzent tätig, die Regie führt jedoch Greg McLean (Rogue). Der wiederum ist bekannt für die beiden Wolf Creek Filme, die ich ja stellenweise durchaus Menschen verachtend finde und den Killer beinahe zum Helden stilisiert. Das ist hier zwar nicht der Fall, aber wenn ein Typ gerade drei Kollegen mit einem Beil auf einem WC erschlägt und dann die Kamera auf das Schild an der Tür zoomt mit der Aufschrift „Wir halten unsere Toiletten sauber“, dann ist das doch sehr zynisch und auch nicht wirklich geistreich.

Aber zurück zum eigenen Thema und das ist für mich wieder mal, die Bestie Mensch zu zeigen. Wie weit muss ich jemanden ans Limit bringen, bevor er ausflippt? Wie logisch ist es, alte Leute oder die mit erwachsenen Kindern zuerst zu töten und was ist die menschliche Entscheidung? Exekutiere ich mein Umfeld, weil genau meine Familie mich am Dringendsten braucht? Brauche ich Ablenkung in Form von Musik dazu oder drücke ich einfach emotionslos ab? Wann wird aus dem gemeinsam überleben ein gegeneinander überleben?

Natürlich kennt man diese Dynamik aus diversen Filmen und es gibt auch keine echten Überraschungen – nicht mal das Ende, den Pseudo-Twist sieht man schon aus der Ferne – aber bei einigen Szenen kann dann durchaus auch Gänsehaut entstehen oder der Magen verkrampft sich auf unangenehme Art und Weise. Die Inszenierung an sich ist sehr fesselnd, die Gewalt unmittelbar und roh und die Darsteller verkörpern perfekt ihre oft mehrdimensionalen Charaktere, die von ihren Emotionen geleitet werden und ständig mit den Auswirkungen ihrer Entscheidungen überfordert sind.

John Gallagher Jr. (10 Cloverfield Lane) als Mike ist sozusagen das Licht in all dieser Dunkelheit. Für ihn ist es nie eine Option andere Menschen zu töten, auch wenn von der Logik her dann zumindest für kurze Zeit mehr Leute länger am Leben bleiben würden. Er ist grundsympathisch, trifft logische Entscheidungen und verzweifelt immer mehr daran, dass nichts davon zu klappen scheint. Tony Goldwyn (Scandal) als Barry ist da so ziemlich das eiskalte Gegenteil und auch wenn man teilweise seine Beweggründe verstehen kann, ist es einfach falsch was er tut.

John C. McGinley (Alex Cross) als Wendell ist herrlich verabscheuungswürdig, egal ob er nun zum sichtlich freudig zur Sache kommenden Killer mutiert oder Leandra belästigt. Die wird von Adria Arjona (Emerald City) gespielt und ist stark, schön und einfach ehrlich und eine der spannendsten Figuren hier, da sie zunächst nicht klar der einen oder anderen Seite angehört. Die Gunn-Lieblinge Michael Rooker, Gregg Henry und auch sein Bruder Sean Gunn dürfen in Nebenrollen natürlich auch nicht fehlen.

Was bleibt ist ein gut gemachter und spitze gespielter Thriller, der zwar keine Überraschungen liefert, aber doch auch wieder mal sehr gut zeigt, wie schnell wir Menschen zu schlimmen Dingen fähig sind und wie gut wir darin sind, sie vor unserem Gewissen zu rechtfertigen. Spannend und unangenehm, aber auch stellenweise lähmend und nicht ganz ohne Schnitzer, die mir von der Stimmung nicht ganz dazu gepasst haben. Was wäre wohl für ein Produkt entstanden, hätte Gunn selbst Regie geführt? Hätte mir vielleicht noch besser gefallen, aber wir werden es nie erfahren.

„The Belko Experiment“ bekommt von mir 7/10 den Selbsterhaltungstrieb über alles andere stellende Empfehlungspunkte.


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