10 Cloverfield Lane (Filmkritik)

Michelle (Mary Elisabeth Winstead) verlässt ihren Mann Ben und haut in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ab. Als ihr Auto von der Fahrbahn gerät, wacht sie in einem Kellerabteil auf. Rasch stellt sie fest, dass Howard (John Goodman) sie aus dem Wrack geborgen und in seinen Bunker gebracht hat aus dem sie nicht hinausdarf, denn – wie Howard behauptet – ist draußen die Welt zerstört. Es gab scheinbar einen Angriff, ob nuklear oder chemisch ist nicht sicher.

Mit im Bunker ist noch Emmet (John Gallagher Jr.), der sich gegen Howards Willen seinen Weg in den Bunker gebahnt hat. Da Michelle an die Wand gekettet ist und Howard ein striktes Regime führt, ist nicht klar, ob er ein Spinner ist oder die Welt da draußen wirklich zu Ende ging …

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Ja, da haben wir mal eine interessante Ausgangslage. „10 Cloverfield Lane“ wurde überraschend angekündigt und sorgte dafür, dass viele Leute verblüfft in die Röhre guckten, denn der Titel des Films spielt natürlich auf den Überraschungshit „Cloverfield“ an und wurde von J.J. Abrams, der ihn produziert hat, als „Blutsverwandter“ des eben erwähnten Monsterfilms bezeichnet.

Was heißt das jetzt? Ist „10 Cloverfield Lane“ ein Monsterfilm? Ja. Definitiv. Das Monster ist allerdings nicht das Biest aus dem Vorgänger sondern hat menschliche Gestalt. Die Frage ist eben, ob es sich dabei um Howard, Michelle oder Emmet handelt. Wobei relativ rasch klar ist, dass Michelle die Heldin ist und mit Howard etwas nicht zu stimmen scheint.

Kenner des Vorgängers wissen ja, dass die Monsterattacke tatsächlich stattfand und als Howard davon erzählt, dass die Welt da oben völlig zerstört und gefährlich ist, kann das Michelle natürlich nicht glauben – auch wenn wir Zuseher wissen: Er hat recht. Macht das Howard zu einem Retter? Oder bedeutet dies nur, die Mauern des Gefängnisses sind weniger aus Stein sondern mehr aus der Luft, die dort draußen ungefiltert tödlich ist?

Zwei Drittel des Films lang werden wir mit der Antwort hingehalten und die Story ist tatsächlich nur auf den Bunker beschränkt (das Drehbuch wurde mit dem Titel „The Cellar“ herumgereicht und erst als Abrams es entdeckte wurde es zu „10 Cloverfield Lane“ umgearbeitet) und erst die letzten 20 Minuten zeigen, was dort oben los ist und vor allem – ob da oben überhaupt etwas los ist.

Nachdem ich kein Riesenfan von „Cloverfield“ bin, muss ich gestehen, diesen Teil hier um einiges besser gefunden zu haben. Klar, man kann – wenn man will – dem Film ankreiden, dass der Name nur um der Publicity willen gewählt wurde, aber das ändert nichts daran, dass Regisseur Dan Trachtenberg es schafft einen kompakten und spannenden Film zu inszenieren, dessen kammerspielartige Beklemmung sich erst gegen Ende öffnet und das ganze Drama zeigt.

Entgegen meiner Erwartung passen die letzten 20 Minuten des Films sehr gut zum Rest und verbinden – wenn man zwei und zwei zusammenzählt, sowie die vielen Anspielungen auf den ersten Teil entdeckt – sie sehr gut, auch wenn die Story keinerlei Vorkenntnisse benötigt. Allerdings könnten sich Menschen, die den ersten Teil nicht kennen am Ende etwas vor den Kopf gestoßen fühlen, da es nur dann stimmig erscheint, wenn „Cloverfield“ bekannt ist. Alle anderen könnten sich ziemlich darüber aufregen ein psychisches Kammerspiel so enden zu lassen. Ich fand es absolut passend und finde die Idee ziemlich toll.

Mary Elisabeth Winstead („Live Free Or Die Hard„, „Scott Pilgrim vs The World„, „The Thing (2011)„, „Abraham Lincoln: Vampire Hunter„, „A Good Day To Die Hard„) gibt eine großartige Michelle, die ihren Kampfgeist entdeckt und eben nicht – wie zu Beginn des Films – einfach abhaut (wie auch?), sondern sich einmal in ihrem Leben etwas stellen muss. John Goodman („ParaNorman„, „Monster University„) als Howard ist immer irgendwo in der Mitte zwischen bedrohlich, fürsorglich, menschlich, mitleidswürdig und gruselig. Vor allem an ihm und dem klugen Drehbuch liegt es, dass die Frage „Ist er jetzt irre oder nicht?“ bzw „Kann man ihm nun trauen oder nicht?“ immer wieder gedreht wird, bis am Ende klar ist, wie die Sachlage steht.

„10 Cloverfield Lane“ wird nicht alle ansprechen. Fans des ersten Teils könnten eine falsche Erwartung an die ersten zwei Drittel des Films haben und jene, die ein Psychokammerspiel erwarten werden wohl mit dem letzten Drittel/Ende nicht viel anfangen können. Alle, die für beides offen sind – wie ich – werden jedoch spannende Unterhaltung finden.

„10 Cloverfield Lane“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, sich den Monstern in vielen Formen stellende, Punkte.

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