Scott Pilgrim vs the World (Filmkritik)

Scott Pilgrim (Michael Cera) ist 22 Jahre alt. Nachdem ihm seine Exfreundin vor einigen Jahren das Herz gebrochen hat, hat er sich völlig zurückgezogen und allen spannenden Dingen im Leben den Rücken zugewendet. Einzig sein Mitwirken in der Indie-Rockband „Sex-Bob-Omb“ und seine asexuelle Beziehung zur 16 jährigen Schülerin Knives Chau (Ellen Wong), reißen ihn manchmal aus der Lethargie seines langweiligen Daseins.

Scotts Leben ändert sich jedoch schlagartig, als ihm die unglaublich anziehend wirkende, vor Selbstbewusstsein strotzende Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead) über den Weg läuft. Um sie zu erobern reicht es nämlich nicht ein paar liebe Worte und nette Geschenke zu finden. Nein, um mit Ramona zusammen zu kommen, muss er zuerst ihre sieben bösen Exfreunde besiegen. Die Kämpfe um Ramonas Herz haben begonnen und die einzige Regel ist wieder mal, dass es keine Regel gibt.

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Scott Pilgrim vs the World basiert auf der gleichnamigen, sechsteiligen kanadischen Graphic Novel Serie von Zeichner Bryan Lee O’Malley. Verantwortlich für die Verfilmung war der englische Regisseur Edgar Wright, der vor allem durch seine Zombie- und Actionparodien „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ – mit Simon Pegg und Nick Frost in den Hauptrollen – bekannt wurde.

So, was ist nun eigentlich so besonders an Scott Pilgrim? Ich hab ja einige Wochen gebraucht um mich endlich zu einer Kritik aufzuraffen da ich einfach nicht wusste, wie bzw. was ich hier denn wirklich schreiben sollte. Nun, erstens einmal ist dies ein Film, den man so noch nie gesehen hat. Das alleine ist ja heutzutage schon echt etwas Besonderes. Zweitens funktioniert der Film perfekt auf mehreren Ebenen. Als reinen Over the Top Spassfilm mit überbordender Kreativität, mitreißender Dynamik und tollen Effekten kann man Scott – vorausgesetzt man ist als Zuseher nicht auf puren Realismus fixiert – ohne jede Reue 100 prozentig genießen.

Auf einer ernsteren Ebene sieht sich Scott aber auch als eine Art Abgesang an eine Jugend, die von Game Boy und Playstation erzogen wurde und im Manga liebenden Umfeld gelernt hat, sich mit Fremdreizen überfluten zu lassen und verlernt hat, mit den eigenen Emotionen umgehen zu können. Als unsicherer, ratlos in die Zukunft blickender Twen ist Scott somit die perfekte Identifikationsfigur, die wie wir alle ja eigentlich nur nach Liebe und Harmonie sucht, dabei aber ständig eine auf den Deckel bekommt. Als totaler Antiheld, der außer einer coolen Band nichts zu bieten hat, muss Scott daher nie um die Sympathie seiner Zuschauer fürchten, selbst in Szenen wor er negativ auffällt, bleibt sein Handeln immer nachvollziehbar.

Ihr kennt ja sicher dieses Gefühl in einer peinlichen Situation am Liebsten im Boden versinken zu wollen oder sich unsichtbar machen zu können? Nun, in diesem Film fühlt es sich so an, als würden genau diese emotionalen Metapher direkt aus dem Gehirn (in diesem Fall aus Scotts Kopf natürlich) gesaugt und ungefiltert auf die Leinwand projiziert. Das ergibt eine Reihe von visuell beeindruckenden Sequenzen und den damit verbundenen Effekten und Szenenübergängen. Psychische Kräfte durch einen veganischen Lebensstil und Gegner, die nach ihrer Niederlage zerplatzen und Münzen hinterlassen, sind in dieser fantastischen Welt übrigens genauso zu Hause.

Die Schauspieler sind bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt, neben Michael Cera machen dabei vor allem auch zahlreiche Nebenrollen unter anderem Gastauftritte von Chris Evans (Fantastic Four) und Brandon Routh (Superman Returns) ziemlich Spass, bei denen beide ihr eigenes Image als Actionstars bzw. Darsteller, die bereits Superhelden gespielt haben, herrlich parodieren. Musikalisch wird man angefangen von der altmodischen Computerversion des Universal Themas bis hin zu den von Beck geschriebenen Hits von „Sex-Bob-Omb“ sofort in den Film hineingezogen und erst nach dem Schlussspann wieder ausgespuckt.

Für mich also ein rundum gelungener Film,der sicherlich auf meiner Liste der besten Filme dieses Jahres landen wird. Hoffe, ich konnte einigermaßen verständlich rüberbringen, wieso Scott Pilgrim so toll ist, wie er eben ist. Achja, den Film unbedingt im englischen Original anschauen wenn man der Sprache mächtig ist, da die deutsche Synchro ziemlich kindisch daherkommt und einiges an Wortwitz verloren geht. Danke nochmal an Edgar Wright für diesen quietschbunten, den Zuschauer visuell und emotional auf eine Achterbahn mitnehmenden, filmischen Rausch.

Scott Pilgrim vs the World bekommt 9/10 allen Ex das Licht ausblasende Empfehlungspunkte.

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