Die nackte Kanone aka The Naked Gun (2025 Filmkritik)

Frank Drebin Jr. (Liam Neeson) ist ein Cop der alten Schule. Verbrecher gehören bestraft und die Regeln gelten im Grunde genommen für andere. Eines Tages sitzt Beth Davenport (Pamela Anderson) bei ihm im Büro, weil ein Fall, der von der Polizei als Selbstmord deklariert wurde, ihr keine Ruhe lässt – es ist nämlich ihr Bruder und sie ist sich sicher: Er wurde ermordet.

Gegen seinen Willen wir Frank also in einen Kriminalfall hineingezogenm, der weit größere Ausmaße annimmt, als er gedacht hat, denn er Unternehmer Richard Cane (Danny Huston) hat etwas erfunden, was Menschen auf Knopfdruck zu mordenden Bestien machen kann. Und er hat vor, das Ding in Kürze zu benutzen.

Aber Frank ist ihm auf der Spur …

Ein Remake bzw. ein Neuanfang der „Nackten Kanone“. Das muss man sich mal trauen und in meinen Augen sollte man sich sehr, sehr sicher sein, dass man mit den alten drei Filmen zumindest mithalten kann. Die ersten Trailer waren okay, aber haben mich nicht umgehauen. Und jetzt, wo ich den ganzen Film kenne, weiß ich: Ja, das gilt für den ganzen Film. Mit dem Bonus von ein paar Fremdschäm-Momenten sondergleichen.

Regisseur und (Mit)Drehbuchautor Akiva Schaffer kannte ich in erster Linie als Teil der „Musikgruppe“ The Lonely Island, wo er gemeinsam mit Andy Samberg („Popstar: Never stop never stopping„) und Jorma Taccone eben Musik macht. Völlig irre Texte inklusive. Und ganz viele Sexwitze. Aber wenn die Jungs ins Schwarze treffen, dann richtig. Ich denke da nur an „I Threw It On The Ground“ oder an „Jack Sparrow“. Großes Kino.

Dennoch: Die nackte Kanone? Hm. Naja. Ich sage mal so: Die Ansätze sind da, aber weder die Regie noch das Drehbuch, noch nicht mal Liam Neeson schaffen es, wirklich an den Humor und das anarische Gefühl der Original-Trilogie (von der Serie „Police Squad“ will ich noch nicht mal anfangen) anzuknüpfen. Es gibt ein paar Stellen an denen ich wirklich von Herzen laut lachen musste, aber die meisten Witze haben mir maximal ein Schmunzeln entlockt und es gibt mindestens genauso viele Fehlschläge wie Treffer.

Vor allem fehlen mir die ikonischen Momente, derer es in den Urpsrungsfilmen so viele gibt, Momente oder Aktionen, die wirklich hängenbleiben im Kopf und die man sich beim Beisammensitzen mit Freunden dann gegenseitig an den Kopf wirft und allein bei der Erinnerung schon lachen muss. Und ja, Liam Neeson ist kein Leslie Nielson. Das ist nun einmal so. Er gibt sein Bestes und streckenweise ist er die perfekte Besetzung für Frank Drebin Jr. Und hin und wieder wirkt er fehlplatziert.

Pamela Anderson als toughe Lady ist ebenfalls in Ordnung und spielt meines Erachtens auch besser als in ihren so genannten „ernsten Rollen“. Danny Huston ist super, wie eh und je, hat aber zu wenig zu tun und ist als Gegenspieler halt auch einfach zu einhundert Prozent austauschbar. Da hilft es auch nichts, wenn der Plot bzw. die Story ebenfalls geklaut ist – nämlich von „Kingsman„. Und dort funktioniert der gesamte Wahnsinn einfach um ein Vielfaches besser. Das hätte man besser vermeiden sollen. Wenn jemand einen Knopf drückt und Leute animalisch werden und durchdrehen, dann habe ich automatisch den Vergleich mit der Szene in der Kirche (ja, „Kingsman“) vor mir. Und wer bitteschön, will denn da mithalten können? Eben.

Dazu kommt, das manche Witze einfach zu langsam aufgebaut sind und das Timing nicht passt – ob das nun am Schauspiel oder am Schnitt liegt variiert je nach Witz und Szene. Aber in Summe – leider funktioniert es zu oft nicht. Auch die Absurdität der Szenen kommt irgendwie nicht so richtig rüber. Da wird zum Beispiel die Vorgesetzt von Frank (Chief Davis, gespielt von CCH Pounder) mitten in der Nacht geweckt und meint dann „Bringt mir sofort Drebbin hierher!“. Schnitt – Drebbin steht in ihrem Schlafzimmer und sie schimpft ihn. Absurd, ja. Aber es funktioniert nicht, weil der Wahnsinn so „nebenbei passiert“ und vor allem – es ist zu wenig(!) Wahnsinn. In der Szene zum Beispiel hätte es gebraucht, dass jemand Frank festnimmt, ins Polizeiquartier bringt, durch enge Gänge schleust, dann eine Tür im Polizeirevier öffnet und auf einmal stehen sie im Schlafzimmer vom Chief. Die Szenen sind da – der Aufbau passt nicht.

Und gegen Ende taucht dann eine Eule auf, die sich als Frank Drebin Sr. herausstellt – das war hochnotpeinlich in Summe. Und es gibt noch ein paar andere Szenen, die ich mehr peinlich als witzig fand, aber gut – das ist immer Geschmacksache. Ein paar Momente gibt es, die sich wie „früher“ anfühlen, aber bei weitem nicht genügend. Und ja, ich fand den Running Gag mit dem Kaffee toll – aber auch da: Die Pointe sitzt eher selten.

Dann gibt es noch eine Szene mit Bodycam – die war einfach viel zu lange und der Witz hat auch nicht so besonders funktioniert. Zumal der Täter sich dann ergeben hat, weil er wirklich gefilmt wurde. Hier wäre es zB viel besser gewesen, dass er aufgegeben hätte, weil er die Bodycam-Aufnahmen von Frank nicht mehr ertragen. Man hat sich also einfach viel zu wenig getraut.

In Summe okay, aber für mich kein wirklicher „Naked Gun“-Film. Schade eigentlich. Die Ansätze wären ja da gewesen.

„The Naked Gun“ bekommt von mir 6 von 10 möglichen, zur Einmalsichtung taugende, aber sicher nie Kult werdende, Punkte.#


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