Bones (Maddie Ziegler) und vier weitere Ballerinas aus Amerika werden zu einem Tanzwettbewerb nach Budapest eingeladen. Mitten in den ungarischen Wäldern, hat ihr Bus Probleme und sie und ihre Trainerin entscheiden sich nicht auf die Reparatur zu warten, sondern in der Nähe nach einem Telefon zu suchen um Hilfe zu holen, da keines der Handys hier ein Netz hat.
Sie landen schließlich in der Bar von Devora (Uma Thurman), die verspricht ihnen eine Mitfahrgelegenheit zu rufen. Nach einem kurzen Handgemenge, liegt ihre Trainerin jedoch plötzlich tot am Boden und die fünf jungen Damen sind Zeuginnen, die Devora so überhaupt nicht brauchen kann…

„End the wokeness and the fun begins“. Ja, es ist mir schon klar, dass der neue Film von Regisseurin Vicky Jewson (Close) wie ein feministisch feuchter Traum klingt aber wisst ihr was, in Pretty Lethal kämpfen fünf junge Ballerinas gegen einen Haufen böser Männer und das ist nicht woke, sondern einfach nur ein Riesenspaß. Das liegt neben all den vorhandenen Übertreibungen vor allem auch an der Botschaft, die nicht „the message“ ist, die einige YouTuber berechtigter Weise hervor heben.
Auch auf Grund der Protagonistinnen aber besonders vom Grad der gezeigten Gewalt, könnte man diesen seit Ende März bei AmazonPrime erhältlichen Film dabei durchaus als kleine Schwester von From the World of John Wick: Ballerina bezeichnen. Man bekommt hier eben Dance-Fu statt Gun-Fu. Neben dem Zusammenhalt in der Gruppe – gemeinsam sind wir stärker und so – wird dabei auch gewürdigt was es bedeutet, eine Ballerina zu sein.
In meinem Job arbeitet auch eine Kollegin, die nebenbei noch Ballet-Lehrerin ist und wow ist die einerseits herzlich und hat ein fröhliches Gemüt und andererseits ist sie unglaublich diszipliniert. Das spürt man hier auch, die Arbeit dahinter, das Training bestimmt dein Leben, die Schmerzen, die Ehre vor Leuten auftreten zu dürfen. Das alles gipfelt in einer völlig überdrehten Szene, bei der Bones gefoltert wird.
Aber genug vom ernsten Hintergrund, denn dies ist ein überdrehter Partyfilm, der die Laune des geneigten Zuschauers, ordentlich nach oben zieht. Wei die jungen Damen in ihrem Umfeld alles nutzen, mit dem sie die Männer abstechen können, hat man das in dieser Form, eigentlich noch nie gesehen. Das sind keine Kämpferinnen, aber sie können sich schnell bewegen, tanzen und sie wollen überleben.
Der Realitätsanspruch ist nicht vorhanden und dennoch muss man hervorheben, dass hier keine zarte Dame einen zwei Meter Typen durch die Gegend wirft, das wäre dann nämlich auf eine sehr Spaß bremsende Art unrealistisch. Die Mädchen punkten mit Geschwindigkeit und diesem leichten Irrsinn in den Augen und dabei geht nie der spielerische Zugang verloren.
Der gesamte Cast gibt dabei alles, von den fünf Heldinnen glänzt die 23 jährige Maddie Ziegler (My Old Ass) als Bones am Hellsten, sie tanzt seit sie zwei Jahre alt ist und ich kenne sie bisher nur aus Musikvideos von SIA, wobei sie damals noch ein Kind war. Sie ist richtig cool, bad ass und ja, auch gaga im Kopf, so soll das sein. Auch Uma Thurman hat sich hier nach The Old Guard 2 wieder etwas rehabilitiert, ihre Gangsterboss-Lady verbindet eine einschüchterne Aura mit der Tragik von gescheiterten Träumen.
Das ergibt in Summe genau so ein Erlebnis, das ich als puren Partyfilm bezeichnen würde mit verrückten Situationen, extrovertierten Hauptfiguren und einer Tanz-Kampf-Choreographie, die frisch wirkt und nie so übertrieben aussieht, dass sie an Coolness einbüßen würde. Den Rest liefert die bissige Dynamik unter den Ballerinas, die sich freilich erst im Laufe der Handlung zusammen raufen zu einem Team.
„Pretty Lethal“ bekommt von mir 8/10 die lebensbedrohlichen Sorgen einfach wegtanzende Empfehlungspunkte.



