Mockbuster (Filmkritik)

Anthony Frith hat ein Problem: Er wollte immer schon Filmregisseur werden, ist aber in seinem Job gefangen. Ja, er macht Filme, aber es sind Produktfilme und Werbevideos. Der letzte Auftrag kam von seinen eigenen Eltern. Jetzt wird er selbst Vater und irgendwie hat er das Gefühl, dass er seinen Traum jetzt angehen oder für immer vergessen muss.

Also tut er, was man so tut: Er bewirbt sich überall, bekommt laufend Absagen und wagt dann einen interessanten Schritt: Er schreibt „The Asylum“ an und fragt, ob er einen Film drehen darf. Und die sagen „Ja“.

Also macht sich Anthony von Australien auf zu „The Asylum“, bekommt einen Crashkurs, wie dort das Filme drehen läuft und wirklich spannend wird es, als er die Bedingungen hört: Er braucht ein Team vor Ort in Australien, das Drehbuch kommt von „The Asylum“ und das Budget bestimmen ebenfalls sie.

Außerdem wäre der Dreh in knapp drei Monaten und der geplante Drehzeitraum? Sechs Tage …

Dieser Film ist quasi für mich gemacht. Und Hut ab vor Anthony Frith, soweit mitgedacht zu haben, dass er gleich mitsamt dem Dreh des Aslyum-Films eine Dokumentation mitdreht. Das hat sich sicher ausgezahlt.

Im Kern ist es genauso, wie wir alle es immer vermutet haben: Kein Geld. Kein Budget. Keine Zeit. Und jetzt mach mal. Anthony bekommt quasi eine Woche vor dem Drehbeginn das Drehbuch. Sein interessierter Produzent winkt lachend ab, als er das Drehbuch und das Budget erfährt und fünf Tage vor Drehbeginn hat er noch nicht einmal Schauspieler:innen.

Ein kleiner Wahnsinn.

Wirklich cool sind auch die Einblicke in die Welt von Asylum selbst. Das waren für mich sogar die besten Momente – die Interviews mit den Verantwortlichen dahinter. Vor allem Paul Bales ist ein Hammer, der die ganze Zeit über Ansagen rauswirft, die zeigen, dass er absout weiß, was sie machen, wie sie es machen und warum sie es machen.

Egal, ob er die eigenen Film als „shitty movies“ bezeichnet, die Zuseher:innen als „very special crowd“ oder die Filmemacher, die sich bei ihnen bewerben als geisteskrank. „Why do we let you make a movie? Well, for one – we get a movie out of it for almost nothing and you are clearly mentally unstable.“ Großartig. Der ist die ganze Zeit über ein Hammer. „I am a sell-out-whore. I know.“

All die Einblicke hinter die Kulissen von „The Asylum“ sind viel spannender als der Dreh an sich, wie ich gestehen muss, denn der läuft genauso, wie man sich das vorstellt ab. Sechs Tage Zeit – da sind Spannungen vorprogrammiert und offen gesprochen, war das der für mich langweiligere Teil. Was ich spannend fand: Alle Kostüme mussten von „The Asylum“ genehmigt werden und das machen sie nicht ein paar Tage vor Drehstart (der ohnehin ja nur sechs Tage Drehzeit einkalkuliert hat), sondern am ersten Drehtag. Und dann brauchen die Stunden(!) um alles zu genehmigen. Dass da die Nerven bei allen blank liegen ist auch klar.

Auch als Anthony feststellt, dass es schwierig wird mit dem Budget eine Crew aufzutreiben und ihm Brendan – der Produzent auf Seiten von „The Asylum“ geschickt wird -, wird – da geht dann die Post ab. Und spätestens, als man dann sieht, wie doch alle Durchbeißen und Spaß bei der Sache haben und auch Anthony endlich – am letzten Drehtag – versteht, was er hier eigentlich macht und er die ganze Zeit über viel mehr Spaß hätte haben sollen – da ist man dann schon live dabei.

Großartig auch der Special-Effects-Meister, der Anthony sehr klar zu verstehen gibt, dass das VFX-Team genau drei Wochen Zeit hat, um die VFX zu produzieren, er sich also bemühen soll keinen Mist abzuliefern. Dann der Dreh. Dann die Nachbesprechung, weil es ein paar Probleme beim Schnitt gibt – zB laufen alle in Richtung X vor dem Dino davon, der eigentlich laut voriger Einstellung in Richtung X steht. Also laufen sie ihm alle in die Arme. Oder der Bildausschnitt ist so gewählt, dass wenn der VFX-Mann den Dino da einbaut, wo er hinsollte und zwar in der Größe, wie er aussehen sollte, dann würde man nur seine Zehen und, nun, „Balls“, sehen.

Großes Kino, diese Dialoge.

Was bleibt: Ja, „The Asylum“-Filme laufen beim Dreh genauso, wie man es sich dachte ab. Ganz genau so.

Und irgendwie hab ich Lust bekommen mir „The Land That Time Forgot“ anzusehen … ja, das ist der Film im Film, den Anthony mit seiner Crew dreht.

Kudos an Michael Paré, der wie ein sympathischer Profi wirkt und auch Eric Roberts, der aus seiner Sicht absolut klarstellt, dass es keinen Unterschied gibt zwischen einem Dreh wie „The Dark Knight“ oder „Sharknado“. Du gehst hin und machst deinen Job – nämlich Schauspiel. Sicher – im ersten Fall gehst du auf ein Set und steht ins Gotham City – das ist … wow. Im zweiten stehst du bei irgendwem im Garten, aber das Schauspiel – das bleibt gleich.

Kommt richtig sympathisch rüber, der gute Mann.

Ich fand es auch toll, wie viele Leute Anthony anfragt, um mit ihnen über seinen Dreh zu reden und die das auch machen. So sitzt er (als Beispiel) mit den Machern von „Talk To Me“ und „Bring Her Back“ beisammen. Als Anthony ihnen den Drehzeitplan und das Budget nennt kriegen beide einen Lachkrampf und lassen sich zur Aussage hinreißen, dass man dafür gerade mal ein halbwegs gutes YouTube-Video hinbekommen würde.

Alles in allem eine charmante Doku über die Enstehung eines Films von einer Filmschmiede, die wohl mehr berüchtigt als berühmt ist (und ja auch auf diesem Blog öfter mal erwähnt wird).

„Mockbuster“ bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen, interessante Einblicke bietende, Punkte.


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