Louis Theroux hat schon ein paar spannende Dokumentationen gemacht, keine Frage. Da ging es um Nazis, Boybands, Girlbands und allerlei anderes Zeug.
Dieses Mal hängt er sich in die Welt der Influencer und verbringt Zeit mit drei sehr berühmten Männern, die mit Frauenhass und Männlichkeitsklischees großes Geld machen. Und – leicht widersprüchlich – zB OnlyFans-Girls promoten, während sie gleichzeitig behaupten, diese Art des sich verkaufens würden sie widerlich finden.
Die Frage: Wie sind die Typen wirklich und glauben die den ganzen Mist, den sie erzählen?
Louis geht der Frage auf den Grund …

Louis Theroux hat schon einige Dokumentationen produziert und als Moderator bzw. als derjenige, der im Bild die unangenehmen Fragen stellt, geleitet und geführt. Also quasi was Michael Moore machte, nur mit weniger Populismus.
In diesem Fall hat er sich drei Influencer geschnappt, um mit Ihnen Zeit zu verbringen. Da wäre mal HS, das muskelbepackte Mama-Bubi, der denkt, er hätte dicke Eier und wisse wie das Leben läuft, weil er x Follower auf Insta hat und viel Kohle – dank Product-Placement. Und so weiter.
Dann gibt es noch Myrone (oder so ähnlich geschrieben), der absolut viele – natürlich männliche – Follower hat. Der Hauptgrund dürfte seine absolut wilden Aussagen über die Beziehung zwischen Männern und Frauen sein. Also, ich sag mal so: Wenn jemand eine strikte Hierachie und Gewalt in Beziehungen propagiert, dann erreicht er halt ein wenig gewisses Publikum. Spannend vor allem: Der Typ hat ne Freundin. Die richtig, richtig nett wirkt.
Und natürlich noch Sneako – der ein Maga-Mann ist und schrägerweise irgendwann dann zum Islam konvertiert. Wie das zusammenpasst? Was weiß denn ich. Und da gibt tes dann noch jemand. Niemand besonderes, aber mir fällt der Name nicht ein und er ist mir zu unsympathisch, um ihn zu googeln.
Wie dem auch sei – der Blick auf diese Personen ist amüsant, schmerzhaft, abstoßend und faszinierend zugleich. Was man vor allem sieht: Das sind alles noch kleine Kinder im Kopf, die nie erwachsen geworden sind und einer Fantasie nachlaufen, die es nicht gibt. Und sie verkaufen diese Fantasie auf Social Media an viel zu junge Leute, die diesen Mist glauben.
Der zweite Punkt: Da gibt es genug junge und – offen gesprochen – sehr hübsche Frauen, die ebenfalls den leichten Weg gehen wollen und mit ihrem Aussehen Geld machen möchten, während sie gleichzeitig den Eindruck erwecken möchten, alles sei easy. Das wird ein ganz anderes, schräges Erwachen werden eines Tages, aber um die geht es hier nicht.
Der dritte Punkt: Es ist absolut klar, dass die Typen das Leben von dem sie reden (mit einer! Ausnahme) nicht leben. Die sind einfach 100% im Social Media-Modus. Und spannend: Sie alle sind ohne Vaterfiguren aufgewachsen. Sie lieben ihre Mütter, sagen sie lieben Frauen und zwar in dem Sinn, dass sie (die Männer) Feministen sind und besser als die Frauen wissen würden, was für die Frauen gut sei. Großartige Logik. Das Problem des Feminismus (oder seinem Ruf) in einem Satz zusammengefasst. Hammer.
Ich finde die Fragen, die Louis immer wieder stellt absolut nachvollziehbar und gut. Wirklich gut. Zum Beispiel interviewt er auch Angie, die Freundin von Myrone und die wirkt richtig nett. Und neben ihr bzw. in ihrer Anwesenheit – da wirkt der Typ auch nett. Man merkt, sie ist ihm wichtig, er spricht mit ihr ab, wie weit er gehen darf, was er sagen darf und sie bestätigt auch, dass alles nur Show ist und er zuhause ganz anders.
Dumm nur, dass er kurz nach dem Interview die Beziehung beendet. Scheinbar war das Feedback seiner Fans zu diesem Interview, dass er ein Weichei sei und zu freundlich zu seiner Freundin. Lasst das mal sickern. Und seine Reaktion: Beziehungsende. Mhm. Was für ein Vorbild.
Und am schlimmsten ist HS: Wenn der Typ nicht die Scheinheiligkeit in Person ist, dann weiß ich auch nicht. Die Szene, die wirklich offenbart, wie er ist, kommt gegen Ende des Films – als er Louis in Anwesenheit seiner Mutter trifft und das gesamte Ding live streamt, ohne Louis etwas davon zu sagen. Und diese Inszenierung für die Kamera – Hallelujah ist das peinlich.
Und dann die Aussage in die Kamera „you see him filming – it’s gonna show up in his documentary edited. We don’t edit. all the truth all the while.“ Tags darauf erscheien snippets (also edits) aus dem stream auf Social Media. Mhm. Leicht scheinheilig.
Wie dem auch sei – alles spannend anzusehen. Aber die Frage ist: Was ist schlimmer? Jemand, der diesen Mist wirklich glaubt oder jemand, der ihn nicht glaubt und ihn nur vor der Kamera verzapft, um Geld zu machen?
Schwere Frage. Die Konsequenzen für Fans und Follower dieser Dogmen – und noch schlimmer: Für alle Frauen, die diesen Typen über den Wegen laufen, sehen wir ja jeden Tag. Wie viele Frauenmorde in allein in Österreich in diesem Jahr? Und in Deutschland? Und den USA?
2026. Und immer noch dieser Mist.
„Louis Theroux: Inside The Manosphere“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, man hätte sicher noch tiefer gehen könnende, Punkte.

