Backrooms (Filmkritik)

Clark (Chiwetel Ejiofor) lebt seit ihn seine Exfrau aus dem Haus geworfen hat, nur mehr für die Arbeit. Am Abend genehmigt er sich dabei den einen oder anderen Drink. Aber er arbeitet auch daran, sein Leben zu ändern.

Zumindest versucht er seine Probleme mir Therapeutin Mary (Renate Reinsve) aufzuarbeiten. Als er eines nachts wieder mal in seinem Geschäft schläft und es zu wiederholten Stromsschwankungen kommt, entdeckt er im Untergeschoss einen Durchgang in der Wand, der in einen seltsamen gelben Raum führt…

The Backrooms entstanden im Jahr 2019 in einem 4chan-Thread (ein soziales Netzwerk) und werden in seinem Ursprung als „Creepypasta“ bezeichnet, was eine allgemeiner Begriff für im Internet verbreitete Inhalte mit Horror-Themen ist. YouTuber
Kane Parsons hat daraus zwischen 2022 und 2025 eine Webserie gemacht, die es bisher auf 24 Folgen gebracht hat (und es soll weiter gehen).

Nach dem Erfolg im Netz wurde der erst zwanzig jährige Kalifornier von zahlreichen Studios angesprochen, eine Film-Version der Handlung fürs Kino zu inszenieren. 2026 kam die Sache dann ins Kino und es wurde ein richtiges Hollywood-Märchen daraus, denn der Film hat bei Kosten von 10 Millionen Dollar bisher 360 wieder eingespielt und ist der bisher erfolgreichste Film überhaupt für Studio A24.

Komplexer als in seinem Ursprung sind die Räume hier eine physische Manifestation des kollektiven Unterbewusstseins und von ungelösten, psychologischen Trauma. Für eintretende Menschen sind sie ein psychischer Spiegel, der absorbiert, Erinnerungen falsch abspeichert und emotionalen Ballast in einer Endlosschleife präsentiert.

Klingt gar nicht mal so leicht als Thema für einen jungen Mann, aber Angehörige der Gen Z Altersklasse, schauen eben auch gerne hinter die Kulissen. Kennt man diese Hintergründe, überrascht die ruhigere Erzähl-Geschwindigkeit dann nicht wirklich. Die Anspannung ist von Beginn an immer da, der Sog der Räume zieht dich als Zuschauer nach unten und das Gefühl ausbrechen zu wollen, wird immer stärker.

Auch Hauptfigur Clark scheint einen Ausweg zu suchen, aber er bewegt sich nur endlos in seiner „Emotional Comfort“ Zone, als echte Lösungen/Änderungen im echten Leben zu suchen. Auch die zweite Protagonistin Mary hängt in ihrem Trauma fest, aber während es für sie noch Hoffnung zu geben scheint, wirkt er doch einigermaßen verloren.

Vom technischen her ist das Sounddesign in Kombination mit den Farbtönen, den Kamerafahrten und Einstellungen und dem Aussehen der Möbel und Kreaturen in den Räumen so gestaltet, dass man irgendwie eine abstossende Faszination dafür empfindet. Man will doch auch weg laufen und dennoch gleichzeitig auch wieder hinsehen. Typisch schizophren, wie wir Menschlein eben sind.

Chiwetel Ejiofor darf hier nach zuletzt mehreren unwichtigen Nebenrollen (in Infinite oder The Old Guard 2) endlich wieder zeigen, was er kann. Seinen Clark kann man zwar verstehen, jedoch wird er mit zunehmender Manie immer unsympathischer. Renate Reinsve (A Different Man) als Mary ist ebenso stark als nach außen hin kontrollierte Dame, in deren Inneren, Vergangenes immer wieder an die Oberfläche kommt.

Die Mythologie und Überlegungen dahinter sind spannend und als eine Erinnerung daran, den Mut zu fassen aus ungesunden Spiralen im eigenen Leben ausbrechen zu wollen, kann ich das Erlebnis nur loben. Die Räume sind dabei nicht nur Gimmick sondern der Kern und darauf stützt sich der ganze Film. Gut und vor allem gut gemacht ist das, keine Frage, aber der große Hit abgesehen vom finanziellen, ist es in seiner Gesamtheit für mich nicht geworden. Trotz Hoffnung, ist die Grundstimmung dann doch zu depressiv.

„Backrooms“ bekommt von mir 7/10 den Blick weg vom Problem, hin zu einer möglichen Lösung richtende Empfehlungspunkte.


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