Infinite (Filmkritik)

Seit seiner frühen Kindheit, hat Evan (Mark Wahlberg) Probleme. Zum Beispiel kann er Dinge tun, ohne sie zuvor erlernt zu haben oder hat Erinnerungen an Orte, die er niemals besucht hat. Er bekam die Diagnose Schizophrenie verpasst und lebt sein erwachsenes Leben nun als Außenseiter, der mittels Drogenkonsum seinen Geist „beruhigt“. Als er nach einem Zwischenfall auf einer Polizeistation landet, steht ihm ein mysteriöser Mann gegenüber.

Bathurst (Chiwetel Ejiofor) scheint Evan zu kennen und er will Evan´s Gedächtnis mittels Waffengewalt auf die Sprünge helfen. In letzter Sekunde taucht Mora (Sophie Cookson) auf und ihr gelingt gemeinsam mit Evan die Flucht. Mora erklärt ihm gleich darauf etwas unglaubliches, denn sie offeriert ihm, dass es unter den normalen Menschen sogenannte Infinites gibt, die nach ihrem Tod immer wieder in einem neuen Körper wieder geboren werden.

Bereits im August 2020 sollte diese Verfilmung des 2009 erschienenen Romanes „The Reincarnationist“ von Autor D. Eric Maikranz ins Kino kommen, doch wegen der Covid 19 Pandemie, wurde der Start verschoben. Schließlich hat man sich entschieden, die Erstveröffentlichung in Amerika auf den eigenen Streaming-Dienst Paramount+, auf 10 Juni 2021 zu verlegen (und bei uns einen verspäteten Kinotermin zu wählen). So hat sich Regisseur Antoine Fuqua (The Equalizer, Shooter, Southpaw, Die Glorreichen Sieben) sicherlich etwas an Schande erspart, denn dies ist schon klar einer der schwächsten Filme seiner Karriere.

Nicht dass „Infinite“ dabei nicht auf eine „Hirn ausschalten“ Art unterhaltsam wäre, aber wow ist das von den prägenden Ideen hier alles weit von einer Weiterführung oder gar Homage entfernt, denn dies ist einfach nur ein recyceln und neu zusammenwürfeln von bekannten Vorbildern und das auch noch ohne den Anspruch auf Subtilität. Ganz abgesehen davon, dass hier nebenbei einiges an dem heutzutage so beliebten „world building“ betrieben wird, denn nichts darf nur mehr für sich alleine stehen, überall soll man potentiell ein Franchise daraus machen können.

Das Spiel mit den Realitäten/Identitäten von Inception, der Action-Stil von Matrix, die Spezialagent mit Gedächtnisverlust Dynamik eines Jason Bourne und schließlich (um auch von aktuelleren Filmen zu klauen) die „unsterbliche“ Gruppe von Menschen, die sich seit Jahrhunderten kennen von The Old Guard. Das sind übrigens nur die stärksten Vorbilder, man könnte noch einige mehr nennen. Das wurde dann schnell zusammen geschustert und die Regieanweisung „schaut dass immer was los ist, damit die Zuschauer bloß nicht zum Nachdenken kommen“, hat man eigentlich ständig im Ohr.

Eher Probleme hatte ich hier dann aber mit Mark Wahlberg (Spenser Condfidential), den ich sonst gerne sehe. Sein Gesicht war selten so ausdruckslos und außer dass er entweder zynisch oder wütend ist und so unangestrengt versucht cool zu sein, dass es schon wieder anstrengend ist, wirkt er wie die leere Hülle eines Prototypes eines blassen Helden. Das fällt dann gleich noch mehr auf, wenn man (wenn auch nur für ein paar Minuten) zu Beginn seinen letzten Körper sieht.

Da spielt seinen Charakter Dylan O’Brien (Love and Monsters) und der ist mitreissend und hinterlässt in der kurzen Zeit einen viel lebendigeren Eindruck als es Wahlberg den gesamten Film über tut. Auch Chiwetel Ejiofor (Dr. Strange) ist Könner seines Fachs, doch sein Bösewicht entspricht für mich zu sehr einem überheblichen Klischee, so dass er mir eher auf die Nerven ging. Dafür gibt es als Highlight endlich wieder mal Sophie Cookson (The Kingsman) zu sehen, die als Mora einfach nur elegant, stark und cool wirkt und ihre Rolle sichtlich zelebriert.

Und die Story? Eigentlich versuchen sie zwei Drittel des Filmes das Gedächtnis des Helden anzukurbeln, damit dieser sich an etwas Bestimmtes erinnert. Ja, es geht natürlich um das Ende der Welt, dass übrigens die bösen Infinites herbeiführen möchten, da sie das „immer wieder geboren werden“, als riesige Belastung erleben und endlich wollen, dass es aufhört. Die Guten wollen ihre „Gabe“ hingegen nutzen, um normalen Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen.

Die Action-Momente sind oft stark und wuchtig, wie etwa die Autoverfolgungsjagd quer durch die Polizeistation, gegen Ende kommt dann aber etwas zu viel CGI zum Einsatz und die Szenen im und außerhalb des Flugzeuges, sind pure Fantasy. Aber gut, das passt schon ins Gesamtbild, dennoch finde ich ein paar Momente übertrieben. Die Locations – vor allem der geheime Stützpunkt der Guten – sind vom Design dafür wunderschön und enthalten einige, liebevolle Details.

Insgesamt daher ein etwas kruder Mix, der „Nicht nachdenken“ einfordert und bei dem man den Diebstahl von Ideen, offensichtlich wohlwollend als Anspielung erkennen soll/sollte. Der Held ist blass, die Nebenfiguren viel interessanter, dafür rockt die Action großteils und die Settings beeindrucken. Ich finde die Idee, dass bei einer Franchise in jedem Film andere Schauspieler die selben Figuren spielen zwar reizvoll, doch dieser Film schafft es nicht Neugierde zu wecken, um wieder in diese Welt eintauchen zu wollen.

„Infinite“ bekommt von mir 6/10 mit schönen Schauwerten den unendlich beliebigen Kern versteckende Empfehlungspunkte.


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