The Old Guard (2020 Filmkritik)

Andy (Charlize Theron) ist die Anführerin eines ganz speziellen, vierköpfigen Teams. Was das Besondere an ihnen ist? Nun sie sind bereits hunderte von Jahren alt und können nicht sterben, zumindest bis irgendwann zu einem unbestimmten Zeitpunkt, ihre Wunden aufhören zu heilen. Gerade hätten sie eine Rettungsmission gestartet, doch sie wurden von ihrem Auftraggeber Copley (Chiwetel Ejiofor) verraten.

Die vier kommen davon, doch nun kennt Copley ihr Geheimnis und sie müssen unbedingt verhindern, dass er sein Wissen weiter gibt. Auf der Suche nach ihm, haben Andy und ihre Freunde plötzlich Visionen. Soldatin Nile (KiKi Layne) ist gerade zum ersten Mal gestorben, somit ist erstmals seit 200 Jahren, eine neue Unsterbliche auf ihrem Radar aufgetaucht…

Dank Covid 19 und dem damit verbundenen Lockdown der Kinos, ist dieser von Greg Rucka geschriebene und auf seinem gleichnamigen Graphic Novel basierende Action-Fantasy, eine der wenigen Sommerblockbuster (wenn nicht der einzige), den wir dieses Jahr bekommen werden. Unter der Regie von Gina Prince-Bythewood (Beyond the Lights) hat Netflix nach ihrem Hit „Extraction„, was Action betrifft somit erneut die Nase vorne.

Als Ausgangssituation bzw. als sich über tausende von Jahren erstreckende Hintergrundgeschichte, bekommt man eine Story mit gewisser „Highlander„-Mechanik präsentiert. Unsterbliche, die sich unweigerlich finden und durchaus auch gegeneinander kämpfen. Da kommt es dann auch schon zum Bruch mit dem Vorbild, denn hier verbünden sich diese außergewöhnlichen Kämpfer, um Gutes zu tun.

Nehmen wir nun mal an, man könnte diese Menschen untersuchen und aus ihren Zellen Stoffe entwickeln, die Krankheiten heilen könnten oder das Altern um Jahrzehnte verzögern. Kann man da nicht auf die Rechte dieser paar Leute pfeifen und sie als Versuchskaninchen missbrauchen? Immerhin profitieren davon ja „alle“ Menschen und Geld verdient man so obendrein auch noch genug.

Es ist eben immer das Gleiche mit uns Menschen und wir reagieren immer auf eine ähnliche Art und Weise. Das ist im echten Leben so und auch wenn man in der Filmwelt wohl andere Möglichkeiten hätte, greift man nur allzu oft auf dieses typisch menschliche Verhalten zurück. Dieser kleine geistige Ausflug von mir soll im Grunde nur bedeuten, dass hier eine bekannte Geschichte erzählt wird und zwar die Jagd nach dem Andersartigen unter dem Deckmantel, etwas Gutes erreichen zu wollen.

Die Inszenierung ähnelt dabei eher einem Videospiel. Kämpfen, abgeschossen werden und sterben, ein neues Leben verwenden und weiter gehts. Dabei ist dies kein Abenteuer geworden, dass groß auf einen plakativen Spaßfaktor setzt. Das lange Leben, der Verlust aller geliebter Menschen und die Tatsache, dass es trotz all ihrer Aktionen mit der Welt langsam aber sicher bergab geht, das setzt den Protagonisten sichtlich zu.

Das gibt dem Ganzen die nötige Tiefe, damit man die wirklich effektiv gestalteten Action-Szenen, auch richtig genießen kann. Zumal diese auch niemals eintönig werden und vor allem wenn das Team gemeinsam auftritt, hat die Choreographie bei mir das eine oder andere mal, ein breites Grinsen ausgelöst. Charlize Theron ist hier auch als Produzentin beteiligt gewesen und zementiert nach Mad Max und Atomic Blonde nun erneut ihren Status als Genre-Größe.

Vor allem ihr über die Jahre aufgebauter Schmerz und dass sie einfach genug hat und nicht immer die Motivation findet, weiter machen zu wollen, das bringt sie sehr eindringlich herüber. Als Gegenpol dazu funktioniert die ebenso stark spielende KiKi Layne (Native Son) als junge Nile, die gerade am Anfang ihrer Zeit als Unsterbliche steht und neben der Tatsache dass sie noch sehr viel lernen muss, Andy im Gegenzug einen gewissen Sinn zurück geben kann.

Somit ist die Story bekannt (oder dünn, wie ihr wollt), die Action ist von Menschen inszeniert worden, die das richtige Auge dafür haben und die Schauspieler fangen sowohl den Ernst als auch den Humor ihrer Figuren gekonnt ein. Natürlich ist das Alles als Franchise angelegt und das Ende zeigt auch ganz klar, was genau kommen wird. Das stört jedoch wenig, immerhin fühlt sich diese alte Garde im Gegensatz zu ihrem Namen, doch frisch genug und anders als z.b. das Marvel-Universum an, so dass man gerne mehr davon sehen möchte.

„The Old Guard“ bekommt von mir 8/10 den Umgang mit den eigenen Kräften, den Menschen nicht entreißen könnende Empfehlungspunkte.


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