The Invisible Man – Der Unsichtbare (2020 Filmkritik)

Cecilia (Elisabeth Moss) hat es endlich geschafft, sie ist aus der gewalttätigen Beziehung mit dem reichen, mit neuartigen Optiken sein Geld verdienenden Geschäftsmann Adrian (Oliver Jackson-Cohen) geflüchtet. Sie lebt derzeit bei ihrem Kindheitsfreund James (Aldis Hodge) und seiner Tochter, fühlt sich aber dennoch ständig beobachtet.

Als sie vom Selbstmord von Adrian erfährt und sie einige Millionen Dollar von ihm erbt, bessert sich ihr psychischer Zustand langsam. Plötzlich häufen sich jedoch seltsame Ereignisse und Cecilia ist sich sicher, dass Adrian noch lebt und es nicht nur geschafft hat seinen Tod vorzutäuschen, sondern auch einen Weg gefunden hat, unsichtbar zu werden…

Eine Neuauflage des Unsichtbaren sollte es bereits ein paar Jahre früher geben (damals mit Johnny Depp in der Hauptrolle), im Zuge des „shared cinematic universe“ der Universal Pictures. Als dann 2017 der von Kritikern wenig geschätzte The Mummy auch finanziell hinter den Erwartungen blieb, wurden diese Pläne jedoch sofort wieder auf Eis gelegt und man schwenkte um auf individuelle Erzählungen.

Der Kopf hinter dieser Neuinterpretation ist Leigh Whannell (Insidious 3, Upgrade), der neben Regie auch die Story und das Drehbuch geliefert hat. Und der Erfolg? Nun, bevor wegen Corona sämtliche Kinos pausieren mussten, hat der Film bei Kosten von sieben Millionen, bereits 123 Millionen Dollar eingespielt. Es hat also funktioniert, doch welchen Zugang hat Whannell hier gewählt und warum ist das Ergebnis stimmig?

Für mich ist es eindeutig, die Angst geht hier von der menschlichen Ebene aus, nicht von der übernatürlichen. Der Mann, der bestimmt was sie ißt, welche Kleidung sie trägt, was sie sagen soll, sein Schatten verfolgt sie auch dann noch, wenn sie sich in „Sicherheit“ befindet. Es ist zwar klar, dass das ein anderer Film wäre, aber eine Zeit lang kann man den Unsichtbaren auch als eine Manifestation ihrer Ängste in ihrem Geist sehen (ja, ihr Witzbolde, auch ohne ihn wirklich zu sehen).

Auch wenn dann die Angriffe starten finde ich es unangenehmer wer da jetzt sich im selben Raum befindet und nicht die Tatsache, dass er unsichtbar ist. Einfach weil der Kerl ein unglaublicher Egomane, ein Soziopath ohne Empathie ist. Es gibt ja Kritiker die werfen Whannell vor, dass er nur auf schnelle Schocks aus war und nicht an den Opfern von Missbrauch interessiert war, doch das stimmt für mich so nicht.

Ja, die Lösung die er liefert sollte man/kann man so nicht nachmachen. Dennoch, was die Auswirkungen von vor allem psychischer Gewalt in einer Beziehung sein können, das spürt man hier durchgehend, ohne jemals die Taten selbst gesehen zu haben. Das macht für mich durchaus aufmerksam auf Opfer von häuslicher Gewalt, was man von einem Horrorfilm auch nicht unbedingt erwartet.

Rein von der Unterhaltungsebene lässt sich der Film nach dem unheimlichen Start Zeit, langsam wächst das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Ein paar gut platzierte Schockmomente später, folgen einige optisch einfallsreiche Action-Sequenzen und auch die Effekte passen durchgehend, trotz des geringen Budgets. Das alles muss man aber natürlich auch greifbar machen, denn Optik und Atmosphäre sind wichtig, brauchen aber einen Anker.

Den liefert Elisabeth Moss (The Handmaid`s Tale), die oft nur mit ihrem Gesicht Empfindungen ausdrückt und man sich als Zuschauer immer auskennt (sozusagen ein Gegenpol zu einer Performance mit nur einem Gesichtsausdruck). Man leidet mit ihr und wünscht sich, dass sie ihre Angst überwindet und den Spieß irgendwie umdrehen kann. Der Cast rund um sie spielt ebenfalls stark, doch sie ist klar die überragende Figur.

Insgesamt also ein streckenweise erstaunlich entschleunigtes Erlebnis, mit einer knisternden Stimmung, einem sehr in der Realität verankerten „Grund-Schrecken“ und einer alles gebenden Hauptdarstellerin. Bei all dem Lob ist der Funke für ein richtig tolles Erlebnis für mich dann doch nicht ganz rüber gesprungen, dafür fehlen die Highlights und es bleibt irgendwie eine (unsichtbare) Distanz zwischen Hauptfigur und dem Zuschauer.

„The Invisible Man“ bekommt von mir 7/10 das Unsichtbare sichtbar machende Empfehlungspunkte.


One thought on “The Invisible Man – Der Unsichtbare (2020 Filmkritik)

  1. The invisible man left me wondering, could Adrian actually be innocent? Also,how does that suit make one invisible? Unlike the invisibility cloak from Harry potter, this suit kinda sorta looks like it can actually be made in real life

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