Insidious: Chapter 3 (Filmkritik)

Der Tod ihrer Mutter ist bereits über ein Jahr her, doch Quinn (Stefanie Scott) hat nie richtig abschliessen oder loslassen können. Nach einigen gescheiterten Versuchen mit ihr (bzw. ihrem Geist) Kontakt auf zu nehmen, wendet Quinn sich an die Spezialistin Elise (Lin Shaye), die ihr von einer Freundin empfohlen wurde. Elise erkennt die Gefahr in der sich Quinn befindet und warnt sie davor, dass bei einem Ruf in die Welt der Toten hinein, alle zuhören können und so auch andere, viel gefährlichere Wesen darauf reagieren könnten.

Da Elise sich jedoch aus ihrem Arbeitsbereich zurück gezogen hat, ist Quinn auf sich alleine gestellt. Als sich die seltsamen Ereignisse schließlich häufen, findet die junge Dame sich mit beiden Beinen eingegipst und mit Halskrause versehen, mehr oder weniger hilflos auf die Unterstützung anderer angewiesen, an ihr Bett gefesselt, wieder. Quinn wird verfolgt und zwar von einem Geister-Wesen, dass sie in die Welt der Toten hineinziehen möchte und wenn Elise ihr nicht doch hilft, dann ist ihr frühzeitiges Ende, wohl unausweichlich.

Insidious Chapter 3

Nach Insidious und Insidious: Chapter 2, die beide kostengünstig und ziemlich erfolgreich waren, war es ziemlich logisch, dass ein dritter Teil folgen würde. Da Drehbuchautor Leigh Whannell nicht ohne seine Lieblingsfigur Elise weiter machen wollte (kein Spoiler für Kenner: sie ist im ersten Film verstorben und im zweiten als Geist dabei), entschied er sich für ein Story, die ein paar Jahre vor dem Original spielt. James Wan (Fast & Furious 7) gab den Regiestuhl diese Mal ab, was Whannell ermöglichte, neben dem erneuten Verfassen des Drehbuches, hiermit sein Regiedebüt zu feiern.

Was dabei entstanden ist, hat mich durchaus positiv überrascht, denn dieses Prequel funktioniert vor allem wegen den gut geschriebenen Figuren und wie sie porträtiert werden. Hier gibt es zwar alltägliches, deswegen aber keineswegs weniger weitreichendes Drama und zwei sich an sehr unterschiedlichen Orten/Zeitpunkten in ihren Leben befindenden Damen, stehen im Mittelpunkt. Doch eigentlich haben beide auch wieder das selbe Problem, denn vor dem Verlust geliebter Menschen, ist kein Alter sicher und wie man damit umgeht, dafür gibt es keine Patentlösung.

Warum ich das so ausführlich betone? Da genau diese Figurenzeichnung für mich der Grund ist, dass dies mein Lieblingsteil aus der Insidious-Reihe ist. Es geht nicht um die mehrmalig eingesetzten „Jump-Scare“ Szenen oder die unheimlichen Geister, nein, es geht um die betroffenen Menschen. Elise ist gerade an einem Punkt in ihrem Leben, wo sie sich nach einem persönlichen Verlust verkriecht und ihre Arbeit mit Geistern hinter sich gelassen hat. Es braucht einige Zeit bis sie den Mut und die Kraft wieder findet, sich erneut den dunklen Mächten entgegen zu stellen.

Bereits in der ersten Szene trifft sie auf Quinn, die intelligent, neugierig und lebensfroh ist, doch schrecklich unter dem krankheitsbedingten Verlust ihrer Mutter leidet. Man spürt förmlich die Energie, die von ihr ausgeht und leidet dabei mit, wie ihr der parasitäre Geist, langsam aber sicher die Kraft aussaugt. Da Elise ihr zunächst nicht helfen kann, gibt es ein Wiedersehen mit ihren zukünftigen, ziemlich tollpatschigen Gehilfen Specs und Tucker und auch der im zweiten Teil auftauchende Carl, ist für einen wichtigen Kurzauftritt mit dabei.

Bei Lin Shaye (The Signal) bin ich mir schön langsam sicher, dass sie Elise ist und nicht nur spielt. Sie ist ja im Grunde eine ältere Dame, die körperlich leicht zu schlagen ist, doch mit ihrem Wissen und ihrem starken Willen, kann sie es mit so gut wie jedem Geisterwesen aufnehmen. Man erfährt hier auch noch ein paar Details mehr aus ihrer Vergangenheit und sie darf mehr von ihrer verletzlichen Seite zeigen. Da der Film ja bei 10 Millionen Dollar Kosten, 110 Millionen wieder eingespielt hat, gibt es bereits Gerüchte, sollte es einen weiteren Teil geben, dieser wieder vor Part eins spielen würde und somit wieder Shaye die Hauptrolle hätte.

Die zweite starke Dame im Bunde ist die junge Stefanie Scott (Jem and the Holograms). Es hätte mich nicht gewundert, wenn ihre Rolle nervig oder besserwisserisch auf mich gewirkt hätte, doch Scott schafft es, so ziemlich die gegenteilige Reaktion bei mir zu erzeugen. Das Flüchten wollen aus ihrer derzeitigen Situation, das aus dem Schmerz heraus resultierende Wegstossen von Menschen die sie lieben, die Stärke zu finden, nach Rückschlägen weitermachen zu können. Das alles vermittelt sie auf eine natürliche, ungekünstelte Art und so hat sie die Sympathiepunkte, klar auf ihrer Seite.

Insgesamt daher ein dritter Teil, der sicherlich mit dem Vorwissen der ersten beiden Teile einiges an Mehrwert und emotionaler Verbundenheit liefert (ja, es sind gleich mehrere Anspielungen drinnen), doch auch alleine bestehen kann. Die unsubtilen Schockmomente sind gekonnt gemacht und die Geister – vor allem der Mann, der nicht atmen kann – gruselig und abstossend und die Szene mit der Gipsentfernung, tut beim Zusehen richtig weh. Wirklich überzeugend ist dann der von Whannell ersonnene menschliche Part, der von Scott und Shaye, auf sehr ansprechende Art und Weise, gespielt wird.

„Insidious: Chapter 3“ bekommt von mir 7,5/10 die Kraft zum Abschluss und anschliessenden Neustart findende Empfehlungspunkte.

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