Der letzte Exorzismus: The Next Chapter – The Last Exorcism Part 2 (Filmkritik)

Nell lebt. Beim Herumtreiben in einem fremden Haus wird sie entdeckt und in eine Art Waisenhaus gesteckt. Dort wird sie von Frank Merle betreut, der sich ihrer annimmt und langsam glaubt sie auch selbst daran, dass all das, was in „Teil 1“ passierte, nur schlimme Träume waren. Sie findet einen Job in einem Hotel und auch neue Freunde. Außerdem verliebt sie sich in ihren Arbeitskollgen Chris.

Aber ihre Träume sind immer noch seltsam … und es bahnen sich auch Halluzinationen in ihren Tagesablauf. Immer öfter denkt sie, von Leuten verfolgt zu werden. Dann nimmt Miss Cecile zu ihr Kontakt auf, die einem alten Orden angehört, der die Apocalypse verhindern will und der Schlüssel zu allem scheint Nell zu sein …

The Last Exorcism Part 2 Film

Dann gibt es plötzlich einen zweiten Teil. Wie zu erwarten: wenn etwas Erfolg hat, dann wird es weitergeführt. Keine Frage. Allerdings ist es schwer, an einen Film anzuknüpfen, der eigentlich keine großartige Möglichkeit bietet ihn fortzuführen. Was also wird getan? Ein paar lose Enden (die für mich gar nicht lose waren) aufgeschnappt und daraus einen zweiten Teil gemacht. Nur, dass dieses Mal vom Storyteam des Originals niemand mehr dabei ist. Die werden schon gewusst haben warum sie sich fernhalten.

Das Drehbuch stammt dieses Mal von Damien Chazelle (sein erstes „richtiges“ Drehbuch) und Ed Gass-Donnelly, der auch gleich Regie geführt hat, was er meistens tut (zB: „Small Town Murder Songs“). Die Besetzung kehrt teilweise retour – so darf Ashley Bell wieder Nell spielen und Louis Herthum kehrt als Nells Vater zurück. Der Rest ist neu und zum größten Teil unbekannt. Auch die Machart des Films wurde völlig umgekrempelt – der Doku-Stil ist weg, dafür wird jetzt „richtig“ gefilmt. Es ist also ein „völlig normal“ gedrehter Film (was ist das Gegenteil eines Found-Footage-Films?). Das tut prinzipiell schon mal gut, weil man so einem direkten Vergleich mit dem ersten Teil aus dem Weg gehen kann und ein zweites Mal hätte die Sache so eh nicht funktioniert.

Das Gute an „Der letzte Exorzismus Teil 2: Der Anfang vom Ende“ ist, dass er hält was er Titel verspricht. Und das im doppelten Sinn.

Storymäßig wird die Geschichte aus Teil 1 in einen größeren Kontext gebettet – dieses Mal geht es um das Ende der Welt und einen zweiten Kult, der dies verhindern will. Also um „den Anfang vom Ende“, denn – Überraschung – Nell ist die Bringerin der Apokalypse, wenn sie sich nur dem Dämon hingibt. Ein Schelm, wer jetzt an „Das Omen“ denkt. Die erste (mehr oder weniger) Hälfte des Films ist auch wirklich noch gut, denn Ashley Bell spielt Nell wie gehabt extrem liebenswürdig – diesem Mädchen wünscht man einfach alles Gute und drückt ihr die Daumen ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Allerdings gucken wir hier einen Horrorfilm, also wissen wir wie unwahrscheinlich das ist.

Wirklich bergab geht es spätestens mit dem Auftritt von Miss Cecile – da werden Klischees abgegrast, dass es nur so staubt und die ganze Chose driftet ins Peinliche, Vorhersehbare und Dumme ab. Nicht, dass der Film vorher irgendwie besonders intelligent gewesen wäre, aber ab diesem Zeitpunkt ist es einfach aus. „Deus Ex Maschina“ sag ich nur. Wenn die Retter der Welt sich dann noch dazu dermaßen blöd anstellen, dann haben wir den Untergang vermutlich tatsächlich verdient.

Hier kommt der Titel des Films für mich ins Spiel: Wer ihn liest, der weiß, wie der Film endet. Spannung, ade. Andererseits – es war ja wohl ohnehin von Anfang an klar, was passieren wird. So richtig angestrengt haben sich die Autoren nämlich nicht. Das der Titel auch auf den Film als Film passt, ist reine Ironie. Denn der Auftakt mit Teil 1 war – für mich – frisch und überraschend. Dieser Teil hier ist für mich der Anfang vom Ende einer potentiellen Franchise. Es gibt zwar – erneut: Überraschung! – Raum für einen dritten Teil (oder auch mehrere Teile), aber ich denke nicht, dass die noch jemand sehen will.

Sehenswert alleine aufgrund von Ashley Bell, bleibt „Der letzte Exorzismus Teil 2: Der Anfang vom Ende“ für mich nicht nur klar hinter meinen Erwartungen zurück, sondern zeigt auch sehr klar, wie uninspiriert manche Leute an zweite Teile herangehen. Wer keine Ideen hat soll es einfach lassen. Ich hoffe, dass „the next chapter“ (wie er bei uns heißt) auch „the last chapter“ sein wird. Ich befürchte aber, dass da noch was kommen wird. Ich weiß außerdem auch nicht, warum ein deutscher Filmtitel einen englischen Untertitel bekommt. Was war an „das nächste Kapitel“ so unpassend, dass man das nicht nehmen konnte?

Total super übrigens: von den 63 Sekunden Trailer sind ungefähr 50 aus dem Finale des Films. Ja. So macht Marketing Spaß. Und ja. Das war jetzt Ironie.

„The Last Exorcism Part II: The Beginning Of The End“ bekommt von mir 4 von 10 möglichen, die Apokalypse bringende, Punkte.

Der letzte Exorzismus - The Next Chapter [Blu-ray]


von Ed Gass-Donnelly [STUDIOCANAL]
Preis: EUR 10,99

Der letzte Exorzismus: The Next Chapter


von Brendan Steacy [STUDIOCANAL]
Preis: EUR 5,00


3 Gedanken zu „Der letzte Exorzismus: The Next Chapter – The Last Exorcism Part 2 (Filmkritik)

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