Der Hobbit: Smaugs Einöde – The Hobbit: The Desolation of Smaug (Filmkritik)

Nach den ersten großen Gefahren sind der Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman), Gandalf der Graue (Ian McKellen) und die 13-köpfige Zwergentruppe rund um Anführer Thorin Eichenschild (Richard Armitage), nicht mehr weit von der ehemaligen Heimat der Zwerge, dem Berg Erebor, entfernt. Aber das größte Abenteuer ist nicht die Reise an sich, sondern was Bilbo und seine Begleiter im Innern der Festung Erebor erwartet. Dort ist nämlich der Drache Smaug (Benedict Cumberbatch) aus seinem Schlummer erwacht.

The Hobbit - The Desolation of Smaug

Gleich mal zu Beginn musste ich mich ärgern und das obwohl noch nicht einmal der Film begonnen hatte. Ein Blick auf die Kinokarte zeigte einen Preis von über 10 Euro, ein Preis, den ich wohl für keinen anderen Kinofilm zahlen würde, aber Peter Jackson hat mich so um den kleinen Finger gewickelt, dass ich das mit Zähne knirschen hin nehme und trotzdem ins Kino gehe.

Der 3D Aufschlag hat sich wirklich gelohnt, denn hier wurde sehr kreativ damit gearbeitet. Da regnete es, Bienen und Schmetterlinge flogen ins Gesicht, Goldmünzen rutschten ins Publikum und Pfeile zischten einem um die Ohren. Was ich nicht wirklich nachvollziehen kann, ist das Getue rund um HFR, das bereits bei „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ zum ersten Mal zum Einsatz kam. Ja, wunderschöne, gestochen scharfe Bilder, aber manchmal ist es gar kein Fehler nicht alles im Detail sehen zu können. So hätte ich z.B. lieber nicht genau gesehen, wie alt, faltig und gammelig Ian Mc Kellen als Gandalf im 2. Hobbit aussieht.

Was mir sehr stark auffiel, war die grafische Gewalt, die Peter Jackson hier zeigte. Da werden so einige Leute in Großaufnahme geköpft, wobei allerdings kein Blut fließt, denn das würde dann wohl doch zu weit gehen. Ich habe jetzt nicht grundsätzlich etwas gegen Gewalt, doch hier störte mich, dass einerseits gemetzelt wird, nur um im nächsten Augenblick eine Slapstickeinlage zu zeigen. Da fehlt die Balance und es wirkt als ob man sich nicht ganz sicher ist, für welche Zielgruppe der Hobbit denn nun wirklich ist.

Smaug war tadellos animiert, wenngleich man als Zuseher schon ziemlich lange auf ihn warten muss. Circa 1,5 Stunden muss man warten, bis der Feuerspucker seine Aufwartung macht. Benedict Cumberbatch (Star Trek Into Darkness) als Stimme von Smaug in der OV passt wie die Faust aufs Auge. Dem Briten würde ich allerdings auch zuhören, wenn er mir das Telefonbuch vorliest. Optisch fehlte mir allerdings das gewisse Etwas, denn Drachen wie Smaug habe ich schon unzählige mindestens genau so gut gemachte gesehen – sei es in „Dragonheart“, „Reign of Fire“ oder „Harry Potter and the Goblet of Fire“. Was mir persönlich sehr gut gefiel, war wie sich Smaugs Körper verändert, wenn er Feuer spuckt.

Wirklich gruselig und auch grauslich waren die riesigen Spinnen im Düsterwald, vor denen ich mich dank meiner Spinnenphobie so richtig ekelte. Die 8-beinigen Monster waren täuschend echt animiert und sahen sowohl optisch, als auch bei ihren Bewegungen sehr realistisch aus. Als die Tierchen dann aber anfingen zu reden, verloren sie einiges an Schrecken, was mir einerseits entgegen kam, aber andererseits wäre es für mich stimmiger gewesen, die „Tierchen“ einfach stumm zu lassen und nicht ins lächerliche zu ziehen.

Warum die Orcs hier aus dem Computer kommen mussten, wird mir wohl ein Rätsel bleiben. Die Orcs und Uruk-hai, an die ich mich aus den „Herr der Ringe“-Filmen erinnere, wurden von Schauspielern mit genial gemachten Masken dargestellt. Ob man Geld sparen kann, wenn man die Biester aus dem PC kommen lässt, kann ich nicht wirklich beurteilen, wohl aber das Endprodukt und das lässt meiner Meinung nach zu wünschen übrig.

Martin Freeman (The World´s End) als Bilbo ist wirklich die Verkörperung eines Hobbits. In sich gekehrt, wirkt er ständig, als ob er innerlich ein Selbstgespräch führt, etwas, dass durch seine Mimik unterstrichen wird. Durch subtile Gestik spielt er den schüchternen, ständig mit sich selbst hadernden Hobbit nahezu perfekt. In einer seiner besten Szenen sieht er zum ersten Mal Smaug, aber nur Teile von ihm. Als er dann durch diverse Gesten zu ermitteln versucht, wie groß der Drache nun insgesamt sein würde, war das einfach genial.

Die Zwerge, die Zwerge. Eigentlich sind alle bis auf den von Richard Armitage (Chris Ryans Strike Back) gespielten Thorin ohnehin nur Nebencharaktere, von denen man sich noch nicht einmal den passenden Namen zum Gesicht merken kann. Zwischen ihnen fehlt auch ein Stück weit die Dynamik, die die Gefährten in der „Herr der Ringe“-Trilogie zu einem so guten Team machte.

Orlando Bloom (Die drei Musketiere) spielt wieder den Elben Legolas (kommt in der Romanvorlage nicht vor), der gekonnt den Bogen führt und gemeinsam mit der Elbin Tauriel den Zwergen und Bilbo zur Seite steht. Evangeline Lilly (Real Steel) als Tauriel fügt sich nahtlos in die Geschichte ein und das obwohl Drehbuch-Co-Autorin Philippa Boyens die Figur komplett erfand, wohl als Ausgleich zu den ansonsten nur männlichen Hauptcharakteren. Aus demselben Grund baute Jackson in „Herr der Ringe“ auch die Figur der Arwen aus. Das Liebesdreieck – sofern man schmachtende und eifersüchtige Blicke Liebe nennen kann – zwischen Legolas, Tauriel und dem Zwerg Kili (Aidan Turner – der einzige hübsche Zwerg der ganzen Truppe) wirkt erzwungen und ich konnte nicht nachvollziehen, warum Tauriel nach nur einem Gespräch mit Kili für ihn ihr Volk verlässt.

Als dann plötzlich der Film aufhörte, stöhnte ich innerlich, denn „The Hobbit – The Desolation of Smaug“ ist kein in sich abgeschlossener Film, sondern endet mit einem großen Cliffhanger und es wird keiner der im Film angefangenen Handlungsstränge zufriedenstellend beendet. Da ist das eine Jahr Wartezeit bis zum nächsten und letzten Teil schon beinahe Folter.

Fazit: All das ist Kritik auf hohem Niveau und trotz alledem hat mir „The Hobbit – The Desolation of Smaug“ gut gefallen. Er ist trotz 161 Minuten Laufzeit kurzweilig, macht Spaß und als Fan von „Herr der Ringe“ wird man sich freuen, die eine oder andere, mal mehr mal weniger subtile Anspielung auf die Charaktere der HDR-Trilogie zu finden.

Dieser Film bekommt von mir 8/10 auf keinen Fall zwergenhaften Punkten.


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