Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (Filmkritik)

Bilbo Beutlin (Martin Freeman) ist durch und durch ein Hobbit. Das heißt, dass er gerne seine Ruhe hat und es schon mal genießt dabei ein Pfeifchen Tabak zu rauchen. Als der Zauberer Gandalf der Graue (Ian McKellen) mit 13 Zwergen in sein Haus einfällt, passt ihm das so gar nicht in den Kram. Doch sie kommen mit einem Anliegen: die Zwerge wollen Erebor, ihr Zuhause, von der Herrschaft des Drachen Smaug (Stimme: Benedict Cumberbatch) befreien und Gandalf bittet ausgerechnet Bilbo um Hilfe. So kommt es, dass der kleine Mann, die von dem legendären Krieger Thorin Eichenschild (Richard Armitage) angeführten Zwerge, auf ihrer gefährlichen Reise begleitet. Auf seiner Reise trifft er auf Gollum (Andy Serkis), dem er durch ein Rätsel den einen Ring abluchst, den Ring, den er 60 Jahre später seinem Neffen Frodo (Elijah Wood) vermachen wird…

The Hobbit Bilbo Sting

„Der Hobbit“ war für mich der mit Abstand am meisten erwartete Film des Jahres 2012 und Peter Jackson (Die Abenteuer von Tim und Struppi) hat mich nicht enttäuscht (zum Glück). Mit „Der Hobbit“ liefert er einen mehr als würdigen Nachfolger für die „Herr der Ringe“-Triologie, die in meinen Augen die wohl epischsten Filme sind, die in den vergangenen Jahren in den Kinos waren, ab.

Gedreht wurde in der innovativen HF-Rate (High Frame Rate), die anstatt der üblichen 24 Frames pro Sekunde, mit 48 Bildern pro Sekunde glänzt. In Kombination mit Real 3D, hat man tatsächlich das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Ehrlicherweise braucht es ein bisschen, bis sich das Auge an die ungewöhnlich scharfen Bilder gewöhnt, aber man hat keineswegs das Gefühl unscharfe Bilder zu sehen, wie vorab von Kritikern berichtet wurde. Mich stört, dass einige Farben schon ins quietschbunte abzugleiten drohen, vor allem die grünen Wiesen sind schon sehr farbverfremdet. Der Grundton des Filmes ist aufgrund des Ursprungsmaterials deutlich weniger düster als bei seinen Vorgängern, dadurch ist aber die Verwendung von Computereffekten um einiges deutlicher sichtbar, die zwar auf hohem Niveau sind, aber dennoch ins Auge fallen. Wo in“HDR“ die Orks durch die Verwendung von Prostethics sehr echt wirkten, entstanden sie hier am Computer, was mir persönlich fast negativ auffiel.

Natürlich fragt man sich nicht zu Unrecht, wie Jackson aus dem eher dünnen Kinderbuch von JRR Tolkien 3 Filme à fast 3 Stunden (Sitzfleisch ist wieder angesagt) machen will, doch da ich das Buch bis dato nicht gelesen habe, musste ich mich auf die Aussage meiner Kinobegleitung verlassen, dass Jackson das Buch stellenweise schon ziemlich ausgeschmückt hat, was mir aber vom Erzählfluss nicht negativ auffiel. Ursprünglich waren ja nur 2 Teile gedacht und im 3. Teil werden laut Peter Jacksons Aussage die Anhänge, die Tolkien schrieb um die Geschichte von Mittelerde weiter auszubauen, als Material verwendet und es wird auch nicht verwendetes Filmmaterial von „HDR“ recyclet. Man darf gespannt sein.

Peter Jackson wollte ursprünglich keineswegs Regie führen, weil er unter anderem den nicht ausbleibenden Vergleich mit „HDR“ scheute. Eine Reihe von Ereignissen führte dazu, dass die Dreharbeiten sich immer wieder verzögerten. Unter anderem klagte Jackson New Line Cinema wegen der Unterschlagung von Filmprofiten, woraufhin New Line Co-Gründer Robert Shaye gleich mal verkündete, dass Jackson nie wieder für New Line Regie führen würde. Nach einigen Flops des Studios überlegte es Shaye sich zum Glück noch einmal anders. Lange war die Rechtegrundlage zum Stoff von „Der Hobbit“ unklar und einige Zeit hieß es Guillermo del Toro (Hellboy 2) würde Regie führen, doch der verließ letztendlich wegen konstanter Verzögerungen der Dreharbeiten leicht entnervt das Projekt. Doch sein kreativer Input in das Drehbuch und die digitalen Effekte sind noch deutlich spürbar.

Die Story beginnt eher langsam und man trifft gleich mal alte Bekannte, während die Stimme des alten Bilbo Beutlin beginnt von seinem Leben zu erzählen. Er erzählt warum Frodo Beutlin bei ihm lebt und gelangt schließlich bei den Feierlichkeiten zu seinem einhundertundelften Geburtstag an, also direkt vor den Ereignissen des ersten Teils von „Der Herr der Ringe“. Die Story entwickelt sich langsam und so dauert es gute 10 Minuten, bis die Ereignisse aus dem Buch beginnen. Mir macht es nichts aus, wenn sich eine Geschichte langsam entwickelt und ich fühlte mich dadurch angenehm an „HDR“ erinnert. Einige Ähnlichkeiten gibt es im Stoff natürlich, wie etwa die Thematik des verloren geglaubten Herrschers und der Glaube, Hobbits wären auf Grund ihrer Größe grundsätzlich eine Last.

Ich freute mich über das Wiedersehen mit Elijah Wood (Tron: Uprising – hier als Frodo) und Ian Holm (Bilbo) und konnte mir mein Grinsen nicht verkneifen, als man Gandalf, der hier noch der Graue ist, zum ersten Mal sieht. Ich bin wirklich froh, dass sich Ian McKellen (X-Men) dazu entschieden hat, wieder Gandalf zu spielen, denn er hatte ja seine Bedenken diese Rolle wieder anzunehmen. Seine neue Synchronstimme wirkt am Anfang ein wenig ungewohnt, ebenso wie der Fakt, dass er wieder Grau anstatt Weiß ist, doch dies ändert nichts an der Tatsache, dass McKellen dazu geboren scheint den weisen, leicht manipulativen Zauberer zu spielen. Ian McKellen als Gandalf ist einfach genial. Als weiser Zauberer ist er der Einzige, der das Potential das in Bilbo schlummert erkennt und unerschütterlichen Glauben in das Unternehmen der ungewöhnlich zusammengewürfelten Truppe hat.

Martin Freeman (Sherlock) ist eindeutig eines der Highlights des Filmes und schafft es den Bequemlichkeit liebenden Hobbit mit eigentlich wenig Abenteuerlust, äußerst glaubwürdig darzustellen. Der liebenswerte Halbling wächst im Laufe des Filmes über sich hinaus und überrascht dabei alle seine Begleiter und sich selbst wohl am Meisten. Zu seinem eigenen Erstaunen wird er wegen seiner angeblichen Fähigkeiten, als Meisterdieb Teil des Unternehmens.

Natürlich darf auch Gollum nicht fehlen und ich muss sagen, dass sich Andy Serkis (Planet der Affen: Prevolution) wieder mal voll ins Zeug gehauen hat. Diesmal war noch deutlich mehr von Serkis in Gollums Gesicht zu erkennen und wenn er schizophrene Selbstgespräche mit sich selbst führt, wird dies auch durch entsprechend gute Kameraeinstellungen perfekt unterstützt. Als Serkis mit dem filmen seiner Szenen fertig war, stellte er sich hinter die Kamera und führte als 2nd Unit Director gleich noch Regie bei den Dreharbeiten des 2. Kamerateams.

Neuzugang Richard Armitage (Captain America) als Thorin Eichenschild hat nicht viel zu tun außer grimmig drein zu schauen, was bei Thorins Vergangenheit aber auch kein Wunder ist. Immerhin wurde der Prinz aus seiner Heimat vertrieben und musste mitansehen, wie sein Volk und sein Großvater, der König, dahin gemetzelt wurden. Die restlichen Zwerge, dargestellt von Peter Hambleton, John Callen, Ken Stott, Graham McTavish, James Nesbitt, William Kircher, Aidan Turner, Dean O’Gorman, Mark Hadlow, Jed Brophy, Adam Brown und Stephen Hunter, haben nicht wirklich genug Screentime, um sie letztlich beim Namen nennen zu können (die alle reichlich ähnlich klingen) und wirken hauptsächlich als Comic Relief.

Sylvester McCoy als Radagast der Braune, war äußerst skurril und wirkte mit seinem Schlitten, der von Kaninchen gezogen wurde, wie eine Mischung zwischen Weihnachtsmann und Osterhase.

Weiters mit von der Partie waren Cate Blanchett (Wer ist Hanna?) als Galadriel, Christopher Lee (Der letzte Tempelritter) als Saruman und Hugo Weaving (Cloud Atlas) als Elrond. Hier wird durch eine kurze Begebenheit etabliert, woher sich einige Charaktere in „HDR“ kennen und man schafft dadurch eine interessante Verknüpfung zu der Trilogie. Es erklärt auch, warum Gimli (John Rhys-Davies – Anaconda 4) Anfangs eine gewisse Abneigung gegenüber Legolas (Orlando Bloom – Pirates of the Caribbean) hegt, denn die Elben weigerten sich, den Zwergen in deren Zeit der Not zur Seite zu stehen.

Neuseeland als Drehort ist optisch natürlich wieder eine Wucht und kann aufgrund der optimalen Verwendung schon fast als Hauptdarsteller genannt werden.

Was mich persönlich stört, sind die Szenen, die unterirdisch bei den Goblins stattfanden. Der Goblin-Herrscher wirkte einfach nur lächerlich und erinnerte stark an Jabba the Hutt aus Star Wars. Als dann auch noch ein Helfer auftauchte, der mich an Meister Yoda erinnerte, war ich ein wenig enttäuscht. Mein Kollege Fireagent fühlte sich an den Trollmarkt aus „Hellboy II“ erinnert, worin seiner Meinung nach die Mitarbeit von Guillermo del Toro an Drehbuch und Design sehr gut zu erkennen war. Die darauf folgende Flucht ist zwar optisch ein Hochgenuss, wirkt aber so extrem unrealistisch, dass ich mich sogar ein wenig ärgerte.

Der Score von Howard Shore wirkte sehr organisch und teilweise wurden alt bekannte Themes von „HDR“ wieder verwendet.

Fazit: Ein Film, auf den es sich zu warten absolut gelohnt hat. Peter Jackson schafft es wieder Neuseeland zu Mittelerde werden zu lassen und so vergehen über 160 Minuten wie im Flug.

Dieser Film bekommt von mir 9/10 nicht unerwartete Punkte.


3 Gedanken zu „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (Filmkritik)

  1. Den 9 von 10 Bewertungspunkten schließe ich mich mit voller Zufriedenheit an! 🙂
    Im Großen und Ganzen, war ich weniger beeindruckt, als damals von Der Herr der Ringe, aber ist das ein Wunder?? Soetwas hatte man damals noch nie gesehen, und ich werde wohl auch nie vergessen wie ganz und gar hingerissen ich von diesem Meisterwerk der Filmgeschichte war! Natürlich geht man da schon mit ganz anderen Erwartungen ins Kino um sich den Hobbit anzusehen. Meine größte Sorge diesbezüglich war weniger, dass der Film durch neue (im Buch nicht vorhandene) Szenen ausgeschmückt wird, sondern dass essentielle Teile komplett geändert werden..

    Exkurs: Beipsiel aus HDR – Die Rückkehr des Königs: Auf der Treppe von Minas Morgul schickt Frodo Sam zurück. P. Jackson rechtfertigte diese Abweichung von Tolkiens Epos damit, dass es „für die Entwicklung der Geschichte“ wichtig gewesen sein soll. Dieser Meinung bin ich absolut nicht, denn damit hat er eines der schönsten und wichtigsten Themen der Handlung zerstört – die Freundschaft zwischen Frodo und Sam, die sich wie ein roter Faden bis zum Ende durchziehen sollte, und der nichts etwas anhaben kann, komme was da wolle!

    Trotz einiger Änderungen, die an dem Buch „Der Hobbit“ vorgenommen wurden, erregte keine davon übermäßigen Ärger als eifrige Leserin des literarischen Vermächtnisses von J. R. R. Tolkien. Ich freute mich eher darüber, dass Jackson Themen, die im Buch nur mit einem kurzen Satz erwähnt werden, etwas ausschmückte – so wie zum Beispiel die Steinriesen 🙂
    Das Radagast der Braune eine etwas großere Rolle zugedacht bekam, als die Bücher erwarten ließen,.. naja, darüber kann ich auch hinwegsehen 😉
    Auch Azog, hätte eigentlich in der Schlacht vor Moria sterben sollen.., denn der Ork, der die Zwerge und Bilbo im Buch verfolgt ist dessen Sohn Bolg. Aber gut, da hat man sich halte einen Charakter gespart 😉

    Über viele Kleinigkeiten, die Jackson untergebracht hat, habe ich mich gefreut! Die Sorge Bilbos ohne Taschentuch auf Reisen gegangen zu sein, das Abreißen seiner Messingknöpfe in Moria, die Lieder (die manche bestimmt nervig finden, aber es gehört nunmal dazu ^^),…

    Weniger gut waren pseudowitzige Bemerkungen von Orks, die im Begriff waren den Löffel abzugeben (das passt einfach nicht, nope!), dass special effects meiner Meinung nach weniger natürlich wirkten als in HDR (oben von zindarella angesprochen), dass die Koordination der Verfolgungsjagt vor der Ankunft in Bruchtal mich zu stark an den Sir Lancelot-Sketch aus Ritter der Kokosnuss erinnert hat.. (siehe: 0:40 – 1:20 -> http://www.youtube.com/watch?v=GJoM7V54T-c)

    In jedem Fall: der Drache, die Spinnen (Brut Ungolianth’s jaaaaaaa ^^), die ersten Eindrücke des Nekromanten und das Treffen des Weißen Rates wecken Lust auf mehr!! 🙂

    • eine epische geschichte, mehr humor als in hdr 1-3 gemeinsam – was will man mehr?

      was mich gestört hat war das man den drachen nicht einmal ganz gesehen hat (darauf habe ich die ganze zeit gewartet 😉 ) und das man bei der neuen optik teilweise doch relativ deutlich die spezialeffekte gesehen hat…

      trotzdem ein (fast) perfekter film der seine 9 punkte ehrlich verdient hat

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