Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten (Filmkritik)

Jack steht wieder einmal kein Boot zur Verfügung und als ihm bekannt wird, dass er wohl gerade eine Crew anwirbt, beschließt er die Sache einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Und siehe da, tatsächlich gibt jemand vor Jack zu sein. Es ist Angelica (Penelope Cruz), die versucht, die Quelle der ewigen Jugend für ihren Vater Captain Blackbeard (Ian McShane) zu finden. Denn der soll laut einer Prophezeiung bald das zeitliche segnen. Auch die englische und spanische Armada sind hinter der Quelle her. Wer wird sie wohl als Erstes finden?

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Aus einem Franchise einen scheinbar nie enden wollenden Geldregen erzeugen – das hat Disney wirklich drauf. Viele schüttelten den Kopf, als die Studiobosse bekannt gaben, dass geplant wurde, aus einer Vergnügungsparkattraktion einen Film zu machen. Doch der Erfolg gab den Machern recht. Mit 653 Millionen Dollar spülte der Cast rund um Johnny Depp genug Geld in die Kassen, um eine Fortsetzung zu „rechtfertigen“. Nicht nur ein Film, sondern gleich zwei Filme, bei denen auch die meisten Schauspieler aus dem ersten Teil wieder verpflichtet werden konnten, wurden am Stück gedreht. „Fluch der Karibik“ war für 5 Academy Awards nominiert. Leider beschlossen die Macher von Teil 2 und 3, dass größer, lauter und schriller wohl auch „besser“ zu bedeuten hat.

So bahnte sich meiner Meinung nach eine kleine Katastrophe an, denn durch den Drang es „besser“ zu machen, ging viel von der Leichtigkeit und dem Flair, der Teil 1 so gut gemacht hatte, verloren. Dennoch nahm „Pirates Of The Caribbean – Am Ende der Welt“ (Teil 3) immer noch 963 Millionen Dollar ein, was aber schon deutlich weniger war als bei „Pirates Of The Caribbean: Fluch der Karibik 2“, der immerhin 1,066 Milliarden Dollar in die Kassen gespült hatte. Offensichtlich haben die Produzenten diesen Wink mit dem Zaunpfahl verstanden und haben CGI-Effektschlachten deutlich zurück geschraubt und sich auf den ersten Teil besonnen. Wenn auch zu meinem Leidwesen der Großteil des Casts ausgetauscht wurde. Dabei blieben Zugpferd Johnny Depp (The Tourist), Geoffrey Rush (The Kings Speech), Kevin McNally (Mr. Gibbs). Orlando Bloom und Keira Knightley suchten das Weite. Auch ein anderer Regisseur wurde an Bord geholt, Rob Marshall (Memoirs of a Geisha) ersetzte Gore Verbinsky (Rango). Angeblich soll „Fremde Gezeiten“ als Auftakt für die nächste Trilogie dienen.

So lustig wie der erste Teil war auch Teil 4 leider nicht. Depp braucht ausgleichend jemanden, der ihm sagt, wie irre er ist. Sonst wirkt seine Performance einfach nicht ganz so, wie sie eben sein soll. Zu Johnny Depps Performance braucht man eigentlich nicht mehr viel zu sagen, immerhin spielt er in letzter Zeit immer das Gleiche. Sei es als Willy Wonka, der Hutmacher in „Alice im Wunderland“ oder Sweeney Todd, immer spielt er den gleichen leicht wunderlichen, aber liebenswerten Typen. Insofern das gleiche altbekannte Spiel.

Penelope Cruz (Sahara) ersetzte als weiblicher Lead Keira Knightley. Sie schafft es, Jack gehörig Contra zu bieten und wenn sie auf Spanisch zu schimpfen beginnt, kann man gar nicht anders als zu schmunzeln. Als sie Jack imitiert (sehr überzeugend sogar!), sagt sie kurzerhand, er sei wohl der einzige Pirat, den sie auch imitieren könne, ohne aufzufliegen. Erst als sie mit Jack zu kämpfen beginnt, bemerkt man die unterschiedliche Köpersprache. Auch Cruz, die während der Dreharbeiten schwanger war und deshalb von ihrer Schwester Monica Cruz (Jerry Cotton) gedoubelt wurde, scheut vor Selbstironie nicht zurück, so behauptet sie etwa, als Jack sie auf einer Insel zurück lassen will, von ihm im Alkoholrausch geschwängert worden zu sein. „Ich war betrunken, aber so betrunken?“

Geoffrey Rush, als inzwischen einbeiniger Barbossa, wirkt unterhaltsam undurchsichtig und ist einfach nur ein cooler Typ. Als Liebespaar wussten Sam Claflin (Die Säulen der Erde) als eifriger Missionar Philip und die Französin Astrid Bergès-Frisbey (Triff die Elisabeths!) als Meerjungfrau Syrena zu überzeugen. Ihre Geschichte wirkte allerdings leicht deplatziert und passte nicht so recht zur restlichen Handlung. Syrena bedeutet Meerjungfrau auf Spanisch. Meerjungfrauen sind übrigens gar nicht nette Wesen. Sie versuchen unbedarfte Seeleute in die Tiefe zu locken und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. Sie wirken wie ein Hybrid zwischen Piranhas, Spiderman – denn sie schleudern schon mal Algennetze aus den Handgelenken, und Vampiren.

Sicherlich hätte der Film auch positiv davon profitiert, wenn weniger mit CGI gearbeitet worden wäre. Es wurde zwar stark reduziert, aber es fiel doch des öfteren auf. Was mir doch ab und zu negativ aufgefallen ist, ist, dass alles so düster ist, dass man manchmal schon Probleme hatte, am Bildschirm etwas zu erkennen.

Von mir bekommt der Film 7,5/10 verdächtig jugendlichen Empfehlungspunkte.


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