Self/Less – Der Fremde in Mir (Filmkritik)

Damian Hale (Ben Kingsley), ein milliardenschwerer Industrieller, wird an Krebs sterben. Doch er bekommt eine Chance die zu gut um wahr zu sein scheint. Er kann seinen verfallenden Körper gegen einen nagelneuen tauschen. Gegen den Preis von 250 Millionen bekommt er also eine zweite Chance. Dr. Albright (Matthew Goode) macht Hale mit einem „Shedding“ genannten Verfahren vertraut, bei dem sein Geist in den gesunden Körper eines anderen Mannes (Ryan Reynolds) verpflanzt wird. Die Operation gelingt und so genießt Hale sein neues Leben in vollen Zügen und holt so nach, was er sich in seinem vorherigen Leben versagt hatte. Doch plötzlich bekommt er Visionen, die darauf hin deuten, dass dieser Körper nicht gezüchtet wurde, sondern früher einmal jemand anderem gehört hat. Nun kann Damian/Edward nicht anders als auf eigene Faust zu ermitteln….

selfless

Self/Less ist leider vor allem eines – Mittelmäßig. Die Prämisse des Films fand ich extrem interessant, denn wäre es nicht toll, wenn es möglich wäre den eigenen Geist in einen jüngeren Körper verpflanzen wenn der eigene Körper alt wird. Man könnte quasi ewig leben.

In „Self/Less“ ist das schon Realität. Damian Hale bzw sein Körper stirbt an Krebs und so entschließt sich der superreiche Immobilien-Mogul dazu, ein experimentelles Verfahren namens Shedding zu probieren und so dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Tatsächlich wacht er in einem neuen Körper auf und sieht aus wie Ryan Reynolds. Klar, dass er sein Leben anfangs gleich mal in vollen Zügen genießt, aber die Montagen von seinen diversen Frauengeschichten empfand ich als Klischee.

Wo wir gerade bei Montagen sind. Regisseur Tarsem Singh (Mirror Mirror) scheint ein ausgeprägtes Faible dafür zu haben. Wir bekommen zu sehen wie Damian seinen neuen Körper stählt, Frauen aufreißt, sein Leben genießt, wie er Flashbacks hat. Überhaupt ist Singhs Regie in keinster Weise innovativ und ab irgendeinem Punkt hat man das Gefühl, dass er den Film nur machte, weil er Geld brauchte. Von der Optik her ist „Self/Less“ auch nicht gerade ein Reißer und ich hätte mir von dem Mann, der den optisch genialen „The Cell“ drehte besseres erwartet.

Man hat außerdem das Gefühl, dass der Film nicht genau weiß, in welches Genre er nun gehören soll: Drama, Thriller, Action, Romance… Das führt dazu, dass er Anfang noch relativ interessant ist und sich mit der Wissenschaft rund um Shedding und dem Leben des echten Damian beschäftigt. Dann aber wird aus dem Film plötzlich ein Action-Streifen, was irgendwie gar nicht zusammen passte. Mit einigen Themen beschäftigte man sich gar nicht erst. Das Thema Suizid-Gefahr durch Identitätsverlust wird nur gestreift und so ließ man die Chance für einen guten Handlungsstrang einfach sausen.

Die Filmmusik war für mich ein absoluter Störfaktor und lenkte mich einige Mal von der Handlung ab weil sie teilweise sehr aufdringlich wirkte und diktierte wie man die Szene nun wohl gerade finden soll.

Ben Kingsley als alternden Geschäftsmann, dessen Tage gezählt sind, fand ich sehr sympathisch. Der Oscar-Gewinner (Ghandi) hat heutzutage leider kaum Rollen, die seinem Talent gerecht werden, wenngleich er als Trevor Slattery in „Iron Man 3“ einfach nur genial war.

Ryan Reynolds (Woman in Gold) verdient es schön langsam wirklich mal seinen großen Durchbruch zu schaffen. Er ist ein guter Schauspieler und verdient es, mal etwas anspruchsvollere Rollen zu bekommen. Hier kann man allerdings kaum glauben, dass jemand wie Reynolds mal ein kaltschnäuziges Arschloch war, der an andere keinen Gedanken verschwendete. Wie vielen schon bekannt ist spielt er nach langem hin und her „Deadpool“ und wenn der Film hält, was der Trailer verspricht, kann man sich schon mal auf einen guten Film freuen, nicht zuletzt dank Reynolds Performance („He is wearing his brown pants!“).

Matthew Goode (Watchmen) als Dr. Albright hatte den nötigen Flair, um den geheimnisvollen Doktor interessant erscheinen zu lassen. Ich kenne Goode aus „The Good Wife“ wo er einen sehr sympathischen Charakter spielt, ganz im Gegenteil zu der Figur des Dr Albright. Natalie Martinez (Death Race) als Madeline Bitwell war über weite Teile ziemlich anstrengend.

Fazit: Eine potentiell interessantes Grundkonzept macht noch lange keinen guten Film. „Self/Less“ nimmt sich zu ernst um bei dieser irren Handlung Spaß zu machen und so ist „Self/Less“ leider ziemlich fad. Verschenktes Potential!!!!

Dieser Film bekommt von mir 5/10 identitätslose Punkte


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