Die Frau in Gold – Woman in Gold (Filmkritik)

Die Familie von Gustav Bloch und seiner Tochter Maria Altmann (Helen Mirren), wird ebenso wie viele Juden zur NS-Zeit zwangsenteignet. Nach ihrer erfolgreichen Flucht wird Maria in den USA ansässig und gut 50 Jahre später beschließt sie nach langem Überlegen, dass es an der Zeit ist, zurückzuholen, was rechtmäßig ihr Eigentum ist: unter anderem das weltweit berühmte Klimt-Gemälde die „Goldene Adele“. Maria Altmann wendet sich hilfesuchend an den Anwalt Randol Schoenberg (Ryan Reynolds), der sich nach langem Überlegen ihres Falles annimmt und so einen langwierigen Prozess in Gang setzt, denn die Wiener Behörden denken gar nicht daran, das Nazi-Raubgut zurück zu geben…

woman in gold

Für mich als Österreicherin, war es ein Anliegen diesen Film zu sehen, nicht zuletzt, da hier ein Stück Geschichte behandelt wird, von dem man bevorzugen würde, es tot zu schweigen. Nichts desto trotz ist es passiert und in „Woman in Gold“ wird ein kritisches Auge auf eine finstere Zeit geworfen, man behält aber im Auge, dass sich die Zeiten gewandelt haben.

Nichts desto trotz ist Habgier immer zu finden und daher schwand mein Verständnis dafür, dass Österreich trotz der tragischen Vorgeschichte meinte, ein Anrecht auf dieses Gemälde zu haben und Maria Altmann jahrelang zu ignorieren. Inwieweit bei der Handlung in diesem Film Fakt und Fiktion verschwimmen, kann ich natürlich nicht sagen, aber wenn es nur ansatzweise so war wie es der Film darstellt, muss ich von Randy Schönberg und Maria Altmann den Hut ziehen. Vor Schönberg wegen seiner unermüdlichen Ausdauer und vor Altman, weil sie die Dämonen ihrer Vergangenheit besiegte und sich ihr stellte, anstatt sie zu ignorieren.

Die immer großartige Helen Mirren (R.E.D. 2) spielt Maria Altmann. Die reife Schauspielerin schafft es, die zwischen Wut, Resignation und Verzweiflung schwankende Maria lebensecht erscheinen zu lassen. Ihr britischer Akzent ist immer mal durch ihren deutschen Akzent durch zu hören, aber das fällt eigentlich kaum ins Gewicht.

Die ebenso talentierte Tatiana Maslany spielt die junge Maria Altman. Seit ihrer Rolle in „Orphan Black“, in der sie mehrere Klone spielt, bin ich ein großer Fan der kanadischen Schauspielerin. Auch hier überzeugt sie und wirkt, als ob sie in die damalige Zeit gehört. Ihre Wandlung von der glücklich, frisch Vermählten zu einer von dem NS-Reich flüchtenden Frau, ist mitreißend und tragisch anzusehen.

Ryan Reynolds (The Voices) als Randy Schoenberg ist kaum wiederzuerkennen. Schmächtig, mit einer großen Brille, hat er allerdings nur wenig Ähnlichkeit mit der realen Figur auf der seine Rolle basiert. Anfangs hat Schoenberg herzlich wenig Interesse an diesem Fall, doch mit der Zeit verbeißt er sich förmlich darin und gibt einiges auf, um die „Goldene Adele“ ihrer wahren Besitzerin zurück zu geben und dem österreichischen Staat damit ein Schnippchen zu schlagen.

Natürlich stand für Regisseur Randy Curtis (My Week with Marilyn) die Gegenwart im Fokus dieses Films. Hier zeigte er die schönsten Ecken Wiens und machte ordentlich Werbung für die österreichische Hauptstadt. Aber die Rückblenden in die Vergangenheit waren die Szenen die mich wirklich packten und waren der Grund dafür, dass ich mehrmals Tränen in den Augen hatte. Stellenweise musste ich mich fast für die Personen zur NS-Zeit fremdschämen, da sie die Vernichtung der Juden über weite Strecken mit Feuereifer unterstützten und kein Problem damit hatten, ihre Mitbürger an die NS-Soldaten zu verpfeifen, mit der Gewissheit, dass diese ihren Tod finden würden. Dass vor dem Kunstraub, der zu dieser Zeit stattfand, lange Zeit die Augen verschlossen wurde, ist unverständlich und eine wahre Schande.

In der Mitte sind für mich einige Längen und ich dachte schon bei der Ein-Stunden-Marke, dass der Film nun eigentlich nicht mehr lange dauern könne, doch da täuschte ich mich. So wirken einige Fakten überflüssig, so ist für mich zum Beispiel die Geschichte der von Katie Holmes (Miss Meadows) gespielten Frau von Randy komplett uninteressant, auch wenn Holmes charmant spielt.

Was für mich aber dann zu dick aufgetragen war, ist die Schluss-Sequenz, die nicht nur mich an das Ende von „Titanic“ erinnerte (Rose ist gedanklich wieder auf der Titanic und geht Jack entgegen, sieht aus als ob sie zumindest in ihrem Traum als glückliches Paar weiter leben). Maria Altmann streift durch ihre frühere Wohnung und interagiert mit diversen Erinnerungen, die sie an glücklichere Zeiten hat. Darauf hätte ich verzichten können.

Fazit: Dieser Film fasziniert und rollt eine spannende Geschichte ganz von vorne auf. Als Österreicher sollte man „Die Frau in Gold“ fast gesehen haben, da es anschaulich die Vergangenheit aufarbeitet, die nie ganz vergessen werden sollte.

Dieser Film bekommt von mir 7,5/10 goldene Punkte.


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