Die Frau in Schwarz – The Woman In Black (Filmkritik)

Der junge Anwalt Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) ist Alleinerziehender Vater und kämpft noch immer mit dem Tod seiner Frau. Da er auch in der Arbeit stark nachgelassen hat, stellt ihn sein Vorgesetzter ein Ultimatum. Ein wichtiger Auftrag in der kleinen Stadt Cryphin Grifford – er soll die Unterlagen der kürzlich verstorbenen Mrs. Brablow nach wichtigen Dokumenten durchgehen und deren Nachlass verwalten.

Als Kipps in Cryphin Grifford ankommt merkt er allerdings, dass seine Zimmerreserveriung nicht angekommen ist und überhaupt begegnen ihm die meisten Leute mit klarer Vorsicht und teilweise mit unverhohlenem Argwohn. Auffällig ist vor allem, dass die Kinder in Sicherheit gebracht werden, sobald er wo auftaucht.

Nichtsdestotrotz nimmt Kipps seinen Auftrag ernst und fährt zum Anwesen von Mrs. Brablow, das in den Tiefen eines Moores liegt und weit abseits der Stadt. Bald schon merkt Arthur Kipps, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, denn immer wieder sieht er Schatten und hört Stimmen. Und immer scheint es etwas mit einer in Schwarz gekleideten Frau zu tun zu haben …

The Woman In Black Film Daniel Radcliffe

„The Woman In Black“ ist das Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1989, bzw. eine Neuverfilmung des Buches, und genauso wie das Original verlässt man sich in der 2012er Version nicht auf billige Blut- und/oder Goremomente, sondern pflegt einen leichten, wohligen von dunkler Atmosphäre getragenen Aufbau. Der gesamte Film wird sehr langsam und entspannt erzählt, die Farben immer dunkel/düster gehalten, meist ins Grau-Blau gehend, was die Optik an sich bereits sehr gelungen macht. Auch die Ausstattung des Hauses und der „netten“ Ortschaft ist sehr gut geworden.

Den größten Hype gab es wohl um den Hauptdarsteller Daniel „Harry Potter“ Radcliffe, der hier seinen ersten „größeren“ Film neben/nach dem Harry-Potter-Franchise gemacht hat und der – so kann man es durchaus betrachten – beinahe den gesamten Film auf seinen Schultern trägt. Viele der Szenen zeigen allein Radcliffe im Haus von Mrs. Brablow. Ob er dieses Gewicht stemmen kann ist wohl oder übel eine wichtige Frage, die sich allerdings nicht so leicht beantworten lässt, was klarerweise in den üblichen „Radcliffe wirkt hölzern“ bis hin zu „Radcliffe brilliert“-Nachrichten auf diversen Websiten und diversen Kritiken ausgeartet ist.

Für meinen Geschmack macht er seine Sache sehr gut, auch wenn seine Schauspielkunst nicht viel mehr abverlangt als mal mehr, mal weniger stoisch in die Runde zu blicken, hin und wieder ein bisschen Angst und/oder Freude zu zeigen. Die Wirkung des Films beruht weniger auf den Emotionen von Radcliffe als man erwarten würde, denn der „wirkliche“ Hauptdarsteller des Films ist seine Kulisse und seine Farbgebung, die – wie bereits erwähnt – wirklich gut gelungen sind. Allein die Tatsache, dass Hr. Radcliffe einen Witwer spielt (er ist gerade mal 23 Jahre alt) ist anfangs gewöhnungsdürftig, da hängt sein „Harry Potter“-Schatten einfach noch zu sehr über ihm. Immerhin: Wer ihn am Ende des letzten Harry Potter gesehen hat und NICHT lachen musste, ist ein besserer Mensch als ich. Hier schafft man es immerhin (nach ein wenig Eingewöhnungszeit) ihn als Vater und erwachsenen Menschen wahrzunehmen.

Von den anderen Schauspielern gibt sich eigentlich auch niemand eine Blösse, im Gegenteil – Ciarán Hinds (bekannt zB als Aberforth Dumbledore in Harry Potter) als Mr. Bentley hat – wie meist – eine Freude am Spiel und ringt dem Charakter ein paar nette Facetten ab. Seine Frau (gespielt von Janet McTeer) hat ein paar gelungene gruslige Szenen und bringt diese auch angemessen verzweifelt/gespenstig rüber. Vor allem die Übergänge von „nett/normal“ hin zu „irre“ sind ihr wirklich gut gelungen.

Der Film lebt aber zum großen Teil von der trostlosen Stimmung und der immer greifbaren, aber nicht genau zu klärenden, Bedrohung, die über dem Ort und vor allem dem Haus hängt. Action gibt es im Film so gut wie gar nicht, von ein paar Szenen, die dann sehr gut gemacht sind – zB in einem brennendem Haus – mal abgesehen.

Am ehesten kann man „The Woman In Black“ vielleicht mit „The Orphanage – Das Waisenhaus“ vergleichen, da beide ähnliche Zutaten verwenden, sich aber grundsätzlich verschieden anfühlen. Regisseur James Watkins, der mit „Eden Lake“ ja einen famosen Start hingelegt hat und Großteils gute bis überwältigende Kritiken bekommen hat, legt mit diesem Film seine zweite Regiearbeit hin und fast meint man, dass er einen ruhigen, dunklen Gegenpol zu seinem aggressiven Vorgänger machen wollte – und das ist ihm gelungen.

Ebenfalls gut gelungen finde ich das Drehbuch – der Roman von Susan Hill ist mir unbekannt – und auch das Ende hat mich (positiv) überrascht, auch wenn es ein paar Momente gibt, bei denen man bereits ahnt, was passieren wird und manche Szenen ihre Wirkung leider ein wenig verfehlen (eine Szene mit Auto, Moor und Schleppseil hat mich mehr gelangweilt als angespannt).

Alles in allem ist „The Woman In Black“ ein ruhiger Gruselfilm der alten Schule, bei dem sich die mysteriösen Ereignisse wie gewohnt Schritt für Schritt aufbauen und immer mehr Hintergründe ans Tageslicht kommen, bis letztlich das Geheimnis gelüftet wird (oder doch nicht?) und das Finale ließ mich zufrieden zurück. Begeisterung sieht anders aus, aber Enttäuschung auch. Wer Blut, Action und Horror erwartet, wird enttäuscht sein, aber einen guten Gruselfilm – wie dieser hier einer ist – sieht man nicht alle Tage und Fans der „alten Schule“ werden auf ihre Kosten kommen. Immer vorausgesetzt, man kann den „Harry Potter“-Faktor ausblenden.

„The Woman In Black“ bekommt von mir 7/10, das Moor und das alte Haus heimsuchende Gespensterpunkte.


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