Die Frau in Schwarz: Der Engel des Todes – The Woman In Black: Angel Of Death (Filmkritik)

40 Jahre nach den Ereignissen vom ersten Teil ist es wieder an der Zeit in das alte Anwesen zurückzukehren. Allerdings nicht freiwillig. In den Wirren des zweiten Weltkriegs wird eine Gruppe Kinder aus der Gefahrenzone gebracht und weit nach draußen auf das Land verlegt. Die alte Villa ist so abgelegen, dass man sich dort in Sicherheit wähnt. Begleitet werden sie von der jungen Lehrerin Eve Parkins (Phoebe Fox), ihrer Vorgesetzten und auf dem Weg treffen sie Harry Burnstow (Jeremy Irvine), einen Piloten.

Als letzter Passagier kommt Edward (Oaklee Pendergast) hinzu. Seine Eltern wurden beim letzten Bombenangriff getötet. Seitdem spricht er kein Wort mehr sondern kommuniziert nur noch über Zeichnungen. Aber im Haus läuft nicht alles nach rechten Dingen ab und eine seltsame Macht scheint sie zu beobachten. Vor allem hat sie großen Gefallen an Edward und seiner Beziehung zu Eve gefunden …

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Nach dem großen (und unerwarteten) Erfolg von „The Woman In Black“ mit Daniel Radcliffe im Jahr 2012 war es wohl kein großes Wunder, dass die Hammer-Studios einen Nachfolger ins Rennen schicken. Dieser hebt sich angenehm vom Vorgänger ab und spielt mit neuen Mustern und einer (fast) neuen Handlung. Der erste Teil basierte auf einem Buch von Susan Hill – der zweite Teil des Buches wurde von Martyn Waites verfasst. Scheinbar war Susan Hill aber zum Teil bei der Produktion beteiligt (da Charaktere aus dem ersten nicht mehr vorkommen, kann sie ja schlecht nur aufgrund der Charaktere genannt worden sein). Zumindest ist die Geschichte vom „Engel des Todes“ keineswegs eine bloße Kopie vom Vorgänger, sondern erzählt eine eigene kleine Story.

Da ist auch das größte Problem des Films: Er ist interessant. Er ist aber nicht spanennd, nicht gruselig und eigentlich ziemlich beliebig. Der Look ist bewusst auf „alt“ und „farblos“ getrimmt, was darin resultiert, dass braune und graue Farbtöne vorherrschen, die noch dazu ausgebleicht wurden. Ähnlich bleich bleiben auch die Charaktere. So sind abgesehen von Eve, Harry und Edward alle anderen vorkommenden Personen völlig belanglos und einfach nur da, damit eben mehr als drei Personen vorkommen. Das Eve ein Geheimnis mit sich herumträgt und damit vom „Engel des Todes“ zur Zielscheibe auserkoren wurde, ist wohl von Anfang an klar und spätestens nach der ersten Traumsequenz weiß der/die geübte Zuseher/in, was da wohl vor sich geht. Harry hat auch ein Geheimnis, das er aber erst relativ gegen Ende kundtut, was uns als Zuseher wohl überraschen soll, und tatsächlich hat es mich auch überrascht. Es war mir aber auch völlig egal.

Trotz ein paar extrem gut gelungener Szenen (die Parallelmontage als Eve einer Spur und zeitgleich woanders ein Kind dem wortwörtlichen „roten Faden“ folgt ist in seiner Bedeutung absolut großartig gelungen) und einem riesigen Tabubruch (ja, es sterben Kinder in dem Film) bleibt die ganze Sache sehr eindimensional und irgendwie musste ich mich nach gut der Hälfe überwinden den Rest auch noch anzusehen. Der Film wirkt (gewollt) tatsächlich so, als wäre er Anfang der 80iger gemacht worden. Das kann man gut finden, muss man aber nicht. Das bedeutet auch, dass er langsam und nachvollziehbar geschnitten ist und man so (wenn das Bild mal nicht extrem dunkel ist) genau weiß, was gerade passiert.

Das actionreiche Ende und der Schlusstwist (in den letzten paar Filmsekunden) sind in Summe nicht unerwartet, ein paar Jump-Scares braucht man natürlich auch noch (die alle drei bei mir sehr gut funktioniert haben) und alles ist in bester Ordnung.

Tom Harper macht auf dem Regiestuhl eine gute Figur und seine Schauspieler, allen voran Phoebe Fox (mir bis dato unbekannt) und Jeremy Irvine („The Railway Man“) sind gut gelaunt und haben auch ein wenig Chemie zusammen. Oaklee Pendergast hat nicht viel zu tun, außer stumm und betrübt durch die Gegend zu tapsen – was er sehr gut macht – und alle anderen fallen nicht negativ auf.

Zusammengefasst also ein Horrorfilm, der wenig bis gar nichts Neues zu bieten hat, sich dafür aber sein „Oldschool“-Etikett redlich verdient hat. Wenn ich nicht wüsste, dass der Film 2014 produziert worden wäre – ich hätte ihn für viel, viel älter gehalten.

„Die Frau in Schwarz 2: Der Engel des Todes“ bekommt von mir 5 von 10 möglichen, leider keine ordentliche Atmosphäre aufbringende, Punkte.

Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes


von Susan Hill [Concorde Video]
Preis: EUR 5,00

Die Frau in Schwarz 2 - Engel des Todes [Blu-ray]


von Tom Harper [Concorde Video]
Preis: EUR 8,79


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