Die Bestimmung – Insurgent (Filmkritik)

In einer nahen Zukunft ist die Stadt Chicago von der Außenwelt abgeschnitten und die Menschen sind entsprechend ihrer Fähigkeiten in fünf Gruppen eingeteilt: Ferox (die Furchtlosen), Altruan (die Selbstlosen), Candor (die Freimütigen), Ken (die Gelehrten) und Amite (die Friedfertigen). Nach ihrem Konflikt mit der skrupellosen Ken-Anführerin Jeanine Matthews (Kate Winslet) und ihrer Flucht, steht die Unbestimmte Beatrice Prior (Shailene Woodley) mehr denn je zwischen den Fronten.

Sie gehört nicht eindeutig einer der Fraktionen an und wird daher genauso wie ihr ehemaliger Trainingsleiter Four (Theo James), der sie begleitet, als Gefahr betrachtet. Aber genau diese Vielseitigkeit der Unbestimmten braucht Jeanine nun, denn nur sie können eine rätselhafte Box öffnen, in der die skrupellose Anführerin der Gelehrten eine wichtige Geheimbotschaft vermutet. Die Ken verstärken ihre Anstrengungen, Tris und ihresgleichen zu finden.

insurgent

„Insurgent“ ist der 2012 erschienen Nachfolge-Roman von „Divergent“. Mit 520 Seiten ist er ein ziemlicher Wälzer. Da Divergent mit einem Einspielergebnis von 290 Millionen Dollar zumindest ein bescheidener Erfolg war, war es klar, dass es einen zweiten Teil geben würde. Wenn man die „Divergent“-Reihe in direkten Vergleich mit der großen Konkurrenz, der „Hunger Games“ Franchise bringt, sieht man natürlich, dass letzteres um einiges mehr Prestige hat und auch bei den Einspielergebnissen deutlich die Nase vorne hat.

Ich muss auch ehrlich sagen, dass es mir ziemlich egal war, ob es hier einen zweiten Teil gibt oder nicht, denn Suchtfaktor hatte „Divergent“ für mich keinen. Aber offensichtlich gab es genug Fans, die auf eine Fortsetzung warteten und so wurden am Startwochenende 52 Millionen Dollar in die Kino-Kassen gespült.

Optisch kommt „Insurgent“ toll daher. Großartige Effekte und gut gemachte Sets transportieren in eine andere Welt, in der aber die verworrene Story der Fraktionen immer weniger Sinn macht und man den Eindruck hatte, auch der Drehbuch-Autor hätte nicht vollkommen durchgeblickt. Regisseur Robert Schwentke versteht sich dank seiner Vorerfahrung mit Filmen wie „R.E.D.“ und „R.I.P.D.“ darauf, tolle Action zu inszenieren, dennoch wirken die Kampf-Szenen allesamt irgendwie generisch. Die Großaufnahmen von Shailene Woodleys Gesicht, die gefühlt die Hälfte des Films ausmachen, werden mit der Zeit auch langweilig. Ja sie ist hübsch, aber dennoch muss ich nicht ständig darüber informiert werden, welchen Gesichtsausdruck sie gerade macht.

Wie so oft bei den mittleren Büchern von Trilogien passiert hier nicht sehr viel und davon kann auch die Action nicht ablenken (Pistolen-Kämpfe, von Zügen hüpfen, verfolgt werden…). Im Gegensatz zu den „Hunger Games“-Filmen fehlen hier die humorvollen Nebencharaktere, die den ernsten Plot auflockern könnten, um so ein wenig Leben in die Bude zu bringen.

Auslöser für die Handlung ist ein McGuffin – eine blinkende Box, ohne erkennbaren Sinn und Zweck. Aber um sie zu öffnen, braucht man reinrassige Mitglieder jeder Fraktion, vor allem einem 100%-igen Divergent. Das soll ein Stück weit als Ausgangssituation für die Filme über das nächste Buch dienen, dass wie anscheinend bereits Tradition ist, in zwei Teilen verfilmt wird.

Shailene Woodley (Divergent) als Tris wirkt seltsam leblos, ja wie eine Hülle ihrer selbst und nebenbei ist sie stellenweise auch extrem unsympathisch. Ständig mit sich selbst hadernd ging sie mir schnell mal auf die Nerven. Auch mit kurzen Haaren kaufe ich ihr nicht die Kämpferin ab.

Theo James (Underworld: Awakening) als Four, Tris Freund (oder so) hat deutlich mehr Charisma als seine Partnerin und wenn man intime Momente der Beiden beobachtet, kann man sich kaum vorstellen, was er an der Frau mit den toten Augen findet.

Miles Teller (Whiplash) als Peter ist eines der Highlights des Films, denn er ist wohl der einzige Charakter, der natürlich wirkendes Charisma hat. Peter, der öfter die Seiten zwischen Gut und Böse wechselt als man schauen kann, ist zwar schleimig, aber ziemlich amüsant.

Warum sich Oscar-Preisträgerin Kate Winslet (Movie 43) in diese Film-Reise verirrt hat werde ich wohl nie verstehen, aber sie schafft es dem eigentlich recht eindimensionalen Charakter von Bösewicht Jeanine etwas Tiefe zu verleihen.

Fazit: Für mich verlor der Film im Vergleich zum ersten Teil einiges an Qualität und ich überlege ernsthaft, ob ich für die Fortsetzungen noch ins Kino gehen soll.

Dieser Film bekommt von mir 5/10 fraktionslose Punkte.

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