Die Tribute von Panem – The Hunger Games (Filmkritik)

In unbekannter Zukunft entsteht aus den Ruinen des einstigen Nordamerikas die Nation Panem. Während ein Teil der Bevölkerung im sogenannten Capitol im Luxus lebt, fristen die restlichen Menschen in 12 Distrikte unterteilt ihr mehr oder weniger erfreuliches Dasein. Nach nicht erfolgreichen Aufständen der Distrikte, rief das Capitol die sogenannten jährlichen Hungerspiele ins Leben, als Erinnerung an vergangene Ereignisse, als Kontrollorgan und um ständig an die Großzügigkeit des Capitols zu erinnern.

Bei diesen Spielen wählt jeder der 12 je ein Mädchen und einen Jungen zwischen 12 und 18 Jahren aus. Diese treten in einer großangelegten, überall live übertragenen Fernsehshow gegeneinander an und am Ende darf nur mehr einer überleben. Dieser dafür erntet Ruhm und lebt von nun an selbst im Luxus. Als die 16 jährige Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) aus dem wenig geschätzten Distrikt 12 freiwillig den Platz ihrer kleinen Schwester bei den Spielen einnimmt, beginnt die Geschichte einer großen Kämpferin für Freiheit und gegen die Gewalt und Willkür der Führungsmächte. Dass sie diesen Weg einschlagen wird, dass weiß sie aber zunächst selbst noch nicht. Eigentlich will sie nämlich nur wieder nach Hause, weil sie ihrer Schwester versprochen hat, für sie zu gewinnen.

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Dies ist die Verfilmung des ersten Romans der Panem Trilogie aus der Feder der amerikanischen Autorin Suzanne Collins aus dem Jahre 2008. Regie führte Gary Ross, der erste Erfolge mit seinen Arbeiten an „Pleasantville“ und „Seabiscuit“ feiern konnte. Weltweit gibt es zahlreiche Fans dieser sozialkritischen Jugendbücher und sofort wurde von Medien „The Hunger Games“ als legitimer Nachfolger der „Twilight“-Verfilmungen gehypt, storybedingte Dreiecksliebesbeziehung und fanatische Fans inklusive. Für mich völlig unverständlich, da ich das Buch gelesen habe und die Vergleiche mit dem Glitzervampir und dem Muckiwerwolf zum Glück mehr als holprig sind. Da ich eben das Buch kenne und dadurch auch ein paar Vergleiche ziehen kann, werden die folgenden Worte wohl ein paar Spoiler enthalten (für die Leute, die den Roman nicht kennen), die ich nicht extra kennzeichnen werde.

Zu Beginn gleich mal folgendes: Punkt 1: „Die Tribute von Panem“ ist ein Jugendbuch. Sich als Erwachsener die Verfilmung anzusehen und sich dann über die größtenteils jugendfreie Machart und die nur zaghafte Kritik am Staat aufzuregen, hat für mich etwas ziemlich lächerliches. Bitte hier muss man schon wissen was man sieht, sonst sollte man lieber in die reine Erwachsenenunterhaltungssparte wechseln und dort den Film seiner Wahl aussuchen.

Punkt 2: Der Romantikanteil ist wie schon im Buch sehr gering. Der Film dauert 142 Minuten, davon sind ungefähr 15 Minuten romantisch bzw. beschäftigen sich mit Liebe zwischen Mann und Frau. Das war es dann auch schon und das ist gut so. Dies ist eine Geschichte über das nackte Überleben und falls dieses Ziel erreicht ist, geht es um das Heranwachsen einer jungen Dame zur Frau und den Platz, den sie in der Welt einnehmen wird. Und ja, da gehört eben wie bei allen Menschen auch die Liebe dazu.

Erzählt wird die Story rein aus der Sicht von Katniss, die auch die klar alle überragende Figur ist, über die man einiges erfährt, mit der man mitfiebert, die geborene rebellische (Anti)Heldin eben. Zu einem riesigen Teil ruht der Erfolg dieser Verfilmung also auf den Schultern der Hauptdarstellerin. Jennifer Lawrence (X-Men: First Class) erweist sich hierbei als perfekte Wahl. Sie wirkt stark, schlau, mutig, fürsorglich, ist auf eine natürliche Art und Weise schön und agiert oft erwachsener, als es ihr Alter vermuten ließe. Lawrence ist sicherlich eine der besten jungen Darsteller in ihres Alterskategorie, von ihr wird man sicherlich noch einige großartige Leistungen im Laufe ihrer Karriere zu sehen bekommen.

Passend zu ihrer Darstellung ist auch die angenehm unkitschige Grundstimmung des Filmes. In einigen Schlüsselszenen gibt es keine Musik, nur die atmosphärischen Geräusche sind zu hören, was die Ohnmacht von Katniss auf den Zuschauer überträgt, ohne die Möglichkeit sich vom unangenehmen Geschehen zu distanzieren. Auch ein paar mit der Buchautorin beschlossenen Änderungen schmälern den SciFi-Anteil der Story und fördern das hier zelebrierte, realistische/reale Filmgefühl. (Gefallene Spieler werden zum Beispiel nicht wie im Buch von den futuristischen Fliegern abtransportiert und bei den Kampfhunden gegen Ende hin wird in keiner Weise angedeutet, dass es sich bei den Vierbeinern um getötete, transformierte Tribute handeln könnte.

Nun nochmal zur angenehm zurückhaltenden Liebesthematik zurück. Katniss kennt Gale schon ewig, er ist ihr bester Freund. Potential für mehr? Keiner der beiden scheint sich bis jetzt bei diesem Thema sicher zu sein. Dann kommen die Hungerspiele und somit Peeta, der schon ewig heimlich in Katniss verliebt ist. Sie erwidert seine Gefühle zunächst nur weil sie merkt, dass sie es tun muss um die Zuschauer und Sponsoren auf ihre Seite ziehen zu können. So spielt sie das Liebesspiel mit, dass für Peeta natürlich weit mehr ist. Soviel zu den Einzelheiten der Gefühlsebene, die für den Zuschauer und Katniss fast gänzlich nur im Hintergrund ablaufen.

Einen einzigen Minuspunkt bekommt die Inszenierung von mir für die „authentische, nahe am Geschehen Wackelkamera“, an die man sich wie so oft zuerst gewöhnen muss und die dann wieder mal dazu führt, dass man schnell den Überblick verliert. Als DejaVu Erlebnis wegen der Buchleseerfahrung hatte ich auch hier wieder das Gefühl, dass der Film zu kurz ist und nicht alles vorgekommen ist, was ich gerne sehen hätte wollen. Ehrlichgesagt wurde aber nicht wirklich etwas aus dem Buch gestrichen, sondern es wurden lediglich viele Szenen gekürzt bzw. beschleunigt, da der doch sehr präsente innere Monolog/die stetige Beschreibung der Gefühlswelt von Katniss im Film völlig wegfällt. Dass die Figur des Seneca Crane im Film eingeführt wurde, der eigentlich im ersten Buch noch gar nicht vorkommt, ist nicht weiter schlimm, da seine Gespräche mit Präsident Snow dem Zuschauer mehr Einblick in die gefühlskalte, manipulative Welt der Drahtzieher hinter den Spielen erlaubt.

Schauspielerisch überstrahlt Jennifer Lawrence wie gesagt alle anderen Darsteller, was aber nicht heißen soll, dass die nicht auch gut sind. Josh Hutcherson als Peeta ist ehrlich, verletzlich und verliebt, einfach der stinknormale Junge von nebenan. Kein Siegertyp oder Held, das will er aber auch gar nicht sein und vielleicht macht ihn gerade das so sympathisch. Ganz im Gegensatz zu Liam Hemsworth als Gale, der selbstsicher und sich gegen das System auflehnend daherkommt. Woody Harrelson (Bunraku) als Haymitch – früherer Gewinner aus Distrikt 12 – spielt den Dauerbetrunkenen aber das Gesamtbild genau durchschauenden mit sichtlicher Freude und hat die Lacher wie so oft auf seiner Seite. Weiters wissen Elizabeth Banks (The Next Three Days) als überzogene Effie Trinket und Stanley Tucci (Einfach zu haben) als dauergrinsender Moderator Caesar Flickerman zu gefallen.

Als ich das Buch gelesen habe wusste ich bereits, welche Darsteller in der Verfilmung die jeweiligen Rollen übernehmen werden. Meine Vorstellung entspricht daher mehr dem Film, als dies vielleicht bei anderen Lesern der Fall ist. Entschärfte Gewaltszenen für ein PG 13 Rating, das Gefühl dass etwas fehlt durch das schnellere Vorantreiben der Handlung (obwohl der Film über zwei Stunden dauert), die insgesamt zu harmlose Grundatmosphäre der eigentlich schrecklichen Ausgangslage. Das alles kann man sicherlich angreifen und schlecht finden, für mich hat das Gesamtpaket aber gepasst, obwohl ich nicht wirklich zur Zielgruppe gehöre.

Insgesamt also ein Film für Jugendliche, der seinen großen Action-Survivalanteil mit Spuren von Kritik an der realityshowgeilen Gesellschaft würzt und leichte Romantikanteile drüberstreut. Das alles getragen von der reinen Frauenpower von Katniss/Jennifer, erzählt aus ihrer Sicht ohne Anspruch auf Objektivität. Ein lohnendes Erlebnis für mich, echt spannend und professionell gemacht und gefühlsmäßig kann man von verzweifelt traurig bis hin zu herzlich lachend hier alles erleben.

Dir Tribute von Panem bekommt von mir 8,5/10 subjektive, durch Jennifer Lawrence Performance und Präsenz gesteigerte Empfehlungspunkte.


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