Die Tribute von Panem – The Hunger Games: Mockingjay – Part 1 (Filmkritik)

Nach ihrer Rettung aus der Arena der 75sten Hungerspiele, wird Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) in das Lager der Rebellen gebracht, dass sich unter den Ruinen von Distrikt 13 befindet. Die hier herrschende Präsidentin Alma Coin (Julianne Moore) möchte aus Katniss und dem Symbol des Spotttölpels, das Gesicht der Rebellion machen. Da sie völlig kraftlos und niedergeschlagen ist, willigt sie zunächst nicht ein. Unter der Bedingung, dass ihre große Liebe Peeta (Josh Hutcherson) und zwei weitere Freunde zum ehesten Zeitpunkt aus den Klauen des Kapitols befreit werden, stimmt sie schließlich zu.

Doch auch Präsident Snow (Donald Sutherland) hat noch einige Tricks auf Lager und so setzt er den einer Gehirnwäsche unterzogenen Peeta im Fernsehen dazu ein, dem Volk den vorherrschenden falschen Frieden schmackhaft zu machen und sich gegen die Rebellion zu entscheiden. Für Katniss gibt es nun aber kein zurück mehr und schon bald wird klar, dass eine Eskalation und der darauf folgende beinharte Krieg mit ihr an der Spitze, unvermeidlich ist.

The Hunger Games Mockingjay Part 1

Mittlerweile sind wir also beim dritten Teil der Verfilmung der Buchtrilogie von Suzanne Collins angelangt. Wer die Bücher kennt und jetzt noch immer die Filme schaut, der muss ja fast etwas mit ihnen anfangen können und wer sich unvorbelastet auf die Filme eingelassen hat, der ist zum jetzigen Zeitpunkt sicher auch nur mehr dabei, wenn er zum Fan geworden ist. Vergleiche mit dem Buch spare ich mir deshalb gänzlich. Worüber ich doch ein paar Worte verlieren muss, ist die Unart von Hollywood, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat, aus finalen Teilen von verfilmten Büchern, zwei Filme zu machen (wie es etwa auch bei „Harry Potter“ oder „Twilight“ der Fall war.

Einerseits geht es hier klar ums Geld, eiskalt kalkuliert und im Prinzip ziemlich unsympathisch für uns Seher. Andererseits erkenne ich speziell bei diesem Film auch das Potential, dass nun genutzt werden konnte. Mehr Inhalt und Hintergrund neben der Haupthandlung, Sequenzen, die die Charaktere greifbarer und menschlicher machen, noch mehr Tiefe verleihen. Nicht das Gefühl haben, dass da Szenen der Schere zum Opfer gefallen sind, um die Länge kompakter zu gestalten. Einfach noch länger in die geliebte Filmwelt eintauchen und sich ganz der bekanntlich schönsten aller Freuden – der Vorfreude – hingeben, bis es dann ein Jahr später doch endgültig vorbei ist mit dem Franchise.

Sehr viel Anteil daran, dass genau das zur Geltung kommt und nicht der finanzielle Grund als saurer Nachgeschmack dem Zuschauer immer wieder während dem Film hochkommt, hat Regisseur Francis Lawrence (Water for Elephants), der nach dem von Gary Ross inszenierten ersten „Hunger Games„, bereits bei „Catching Fire“ Regie geführt hat und sein Gefühl für diese Filmwelt, die er eindeutig hundert prozentig ernst nimmt und zu schätzen weiß, noch weiter perfektioniert hat. Anders als in den beiden Vorteilen, geht es nicht mehr um die Hungerspiele, sondern um deren Auswirkungen und den daraus resultierenden Folgen. Ein Antikriegsdrama, dass schön auch die manipulative Kraft der Medien präsentiert und für sich einsetzt.

Dass dies eigentlich ein Jugendbuch ist, merkt man höchstens noch an den jungen Hauptfiguren, denn die Liebesgeschichte ist zwar ein starker Beweggrund für Katniss, läuft aber erstens deutlich nur im Hintergrund mit und wirkt zweitens unheimlich ehrlich und in keiner Weise plakativ. Vielleicht auch an der nicht gezeigten Gewalt, obwohl hier einiges direkt neben dem Blickwinkel der Kamera (und doch auch davor) ablauft, dass in seiner Brutalität und seiner Intensität, seine niederschmetternde Wirkung, niemals verfehlt. Massenhaft verkohlte Leichen, Exekutionen als Abschreckung vor großen Mengen von Zuschauern, Bombardierung von Verletzten. Mit einem Wort: Krieg.

Als man die wahre Stärke von Katniss erkennt, nämlich in wahren Situationen und nicht gestellten Szenen mitzureissen, wird sie gemeinsam mit ein paar Soldaten und einem Kamerateam losgeschickt, um verletzten Menschen Hoffnung zu geben und die Verbrechen von Präsident Snow der Öffentlichkeit zu zeigen. Moderne Kriegsführung eben, jeder Massnahme folgt eine Reaktion und dabei kommt das oberflächlich betrachtet, friedlich Medium Fernsehen, gerade recht. Schön auch zu sehen, dass die Propaganda-Videos mit Snow auf sterilen und einschüchternden Perfektionismus hingebügelt sind und erst als Katniss nicht gestellte Videos zu greifen beginnen, Peeta in ähnlicher Form (aber eben erzwungen) präsentiert wird.

Jennifer Lawrence (American Hustle) hat ja in einem Interview gesagt, dass sie froh war, dass der zweite Mockingjay-Teil gleich mit gedreht wurde, da sie so aus dem dunklen Bunker auch öfters hinaus durfte. Diesen Luxus hat man im Kino freilich nicht. Dunkle Farben, lange Korridore aus kaltem Stahl, ein Fest für an Klaustrophobie leidende Menschen ist dieser Schutzbunker der Rebellen. Schöne bzw. versöhnliche Momente liefert hier nur das Wiedersehen mit einigen bekannten Gesichtern aus den ersten beiden Teilen. Über all den starken Figuren ragt natürlich wieder Katniss, die viel zu bald kein Kind mehr sein dufte und Verantwortung zu tragen hat, die sie nie wollte und ihr auch phasenweise zu viel wird.

Lawrence überzeugt wieder in jener Form, in der sie zu Katniss wird und diese nicht nur spielt. Die hier gezeigte Bandbreite der Emotionen geht vom verzweifelten Weinkrampf bis hin zur wütenden Kampfrede und die Natürlichkeit wie sie diese Sachen rüber bekommt, ist schon eine Klasse für sich. Auch sämtliche andere Darsteller präsentieren sich in Hochform und bekommen Momente spendiert, die im Gedächtnis bleiben. Josh Hutcherson (Red Dawn) als Peeta wirkt auf Grund der Behandlung des Kapitols geistig verändert, schaut aber vor allem körperlich zunehmend verfallener aus und darf am Ende des Filmes noch für einen der intensivsten Momente überhaupt sorgen.

Liam Hemsworth (Paranoia) als Gale war mir hier sympathischer als zuvor, er mutiert immer mehr zum Krieger dem klar wird, dass Katniss ihn nie außerhalb der Freundschaft lieben wird. Woody Harrelson (True Detectives) als Haymitch sorgt wieder für die wenigen, bitter nötigen lustigen Momente und Elizabeth Banks (Mädelsabend) als Effie gefällt es so gar nicht in der grauen Unterschlupf-Welt, ihren Biss hat sie aber dennoch nicht verloren. Sam Claflin (Snow White and the Huntsman) als Finnick ist vom strahlenden Helden zum gebrochenen Einzelgänger mutiert, dafür darf Philip Seymour Hoffman (Twister) als einstiger Spielmacher Plutarch, als schlitzohriger Berater und Drahtzieher, mit viel Enthusiasmus an die Sache heran gehen.

Dann wäre da natürlich noch Donald Sutherland (Stolz und Vorurteil) als Präsident Snow, der seine arrogante, menschenverachtende Überheblichkeit diesmal so auf die Spitze treibt, dass ich jedes Mal wütend wurde, wenn ich ihn auf der Leinwand gesehen habe. Von den neuen überzeugt vor allem Juliannne Moore (Non-Stop) als Rebellenführerin Coin, mit ihrer unnahbaren und berechnenden Art. Wie gesagt, auch die restlichen Schauspieler sind stark besetzt, keiner fällt negativ aus dem Rahmen, alle zu nennen würde aber wieder mal den Rahmen sprengen.

Insgesamt also ein Film, bei dem so ziemlich alles innerhalb seiner Welt stimmig ist. Die Regie, die Schauspieler, die Settings, die Kameraführung, die Effekte und sowohl die Film-Musik von James Newton Howard, als auch der eindringliche Titelsong „Yellow Flicker Beat“ von Lorde. Natürlich wird es auch Fans geben, die ein paar Szenen unnötig finden oder mehr Action sehen hätten wollen, doch die hier vorherrschende Spannung hätte dies auch nicht mehr übertreffen können. Objektiv negativ oder auch gemein ist nun nur mehr die Tatsache, dass es wieder ein Jahr dauert, bis Katniss ihrem finalen Kampf entgegen treten wird.

„Die Tribute von Panem: Mockingjay – Part 1“ bekommt von mir 9/10 im Angesicht der Schrecken und der Verluste des Krieges zerbrechende und doch nicht aufgebende Empfehlungspunkte.


2 Gedanken zu „Die Tribute von Panem – The Hunger Games: Mockingjay – Part 1 (Filmkritik)

  1. Also mir persönlich war der Film stellenweise fast zu langatmig.

    Da die Zwei-Teilung garantiert nicht aus Liebe zum Buch entstanden ist, bin ich aber ev mit einem anderen, leicht verstimmten Gefühl ins Kino gegangen (das mich auch beim dritten Hobbit begleiten wird).

    Ich will damit nicht sagen, dass mir der Film nicht gefallen hat, denn das hat er sogar sehr und vor allem der Showdown mit Peeta war der Wahnsinn. Nur zu sehen, wie Katniss sich die ganze Zeit ziert hat in meinen Augen ihre Stärke als Charakter ein wenig untergraben (ist im Buch auch so – aber hier fiels mir halt ins Auge) und man hat sich mit ihrem (Geistes)Wandel gefühlt ewig Zeit gelassen.

  2. Francis Lawrence hat hier einen dermaßen erstklassigen Job gemacht nicht nur die Stimmung einzufangen, sondern auch aus jedem einzelnen Schauspieler das Beste herauszuholen. Ich fand den Film unglaublich gut und kann es kaum erwarten zu sehen wie die Geschichte ausgeht.

    Das einzige wie man ihn im Kontext der Vorteile eventuell noch besser hätte machen können, wäre gewesen alle Bücher auf zwei Filme zu teilen (so stinkt es ein wenig nach der Geldgier des Studios…)!

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