The Guest (Filmkritik)

Die Familie Peterson hat ihren Sohn Caleb in Afghanistan verloren. Eines Tages bekommen sie Besuch von David (Dan Stevens), der sich als Calebs Freund und Kamerad vorstellt. Die Petersons nehmen David mit offenen Armen in ihr Zuhause auf, doch bald beginnen in ihrem Umkreis Menschen auf mysteriöse Art und Weise zu sterben!

The Guest

Regie bei diesem kleinen aber feinen Low-Budget-Film führte Adam Wingard, der das Drehbuch von Simon Barrett verfilmte. Die beiden haben bereits bei mehreren Gelegenheiten zusammengearbeitet, wobei unter anderem Beträge für den Film „The ABCs of Death“ und den beiden V/H/S Filmen zustande kamen.

Bei diesem Projekt war das dynamische Duo anscheinend besonders sowohl motiviert als auch inspiriert und erzählt dabei eine Geschichte die, obwohl sie auf den ersten Blick gewöhnlich wirkt, in jederlei Hinsicht etwas Besonderes ist. Was nun macht man als Filmschaffender, wenn man eine grandiose Idee und ein sehr begrenztes Budget hat?

In diesem Fall hat man sich für eine Inszenierung entschiedenen, die durch und durch an einen Film der achtziger Jahre erinnert. Das fängt beim Soundtrack an, der wahlweise das gezeigte mit Elektrobeats begleitet und später einige tolle Songs aus eben dieser Zeit hervorholt und endet damit, wie man an dieser Stelle seine Geschichte erzählt.

Denn wann gab es beispielsweise das letzte Mal in einem vergleichbaren Film eine Erklärung für die vorangegangenen Ereignisse, die mit einem Satz und geschätzten zehn Wörter auskommt und nicht vollkommen bei den Haaren herbeigezogen scheint. Ganz im Gegenteil wirkt die, nennen wir sie der Einfachheit halber so, Auflösung, dann doch sehr plausibel.

Wenn David zu Beginn des Films bei den Peterson´s vorbeischaut, ist er scheinbar nur auf der Durchreise, doch die Familie besteht darauf ihm in ihrem Haus eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Zu Beginn scheint David ein relativ normaler, netter Mensch zu sein und normalerweise würde man nichts ahnen, wenn nicht die Inszenierung vorab andeuten würde, was da vermutlich noch auf den Zuschauer zukommt.

Subtilität ist entweder nicht Wingards Stärke oder einfach nicht beabsichtigt. Statt dessen nimmt er den Zuschauer scheinbar bei der Hand und zeigt ihm genau das, was er sehen will. Diese Art der Erzählweise hat etwas Eigenwilliges, passt aber ausgezeichnet zur Geschichte. Irgendwann nach vierzig Minuten kommt der erste What-the-f***-Moment, auf den später noch viele weitere folgen werden.

Eine der unglaublichen Stärken des Films ist die Tatsache, dass wichtige Elemente der Handlung nicht vorhersehbar sind, was die Spannung auf ein relativ hohes Niveau schraubt. Selbst als man erfährt, was es denn nun mit David auf sich hat, wird dieses Niveau durch seine Unberechenbarkeit scheinbar mühelos gehalten.

Das Konzept funktioniert dann vor allem durch seinen Protagonisten. Zwar machen alle Schauspieler, obwohl es sich hier weitgehend um die unbekannte B-Liga handelt, gut, aber es ist Dan Stevens (Ruhet in Frieden), der hier deutlich heraussticht. Als David ist er unglaublich gut und sowohl charismatisch als auch unberechenbar und ist dadurch die tragende Kraft des Films.

Alles in allem ist „The Guest“ einer der besten Low-Budget-Filme der letzten Zeit, der neben einer packenden Geschichte und einer schnell inszenierten Action, vor allem durch seinen Protagonisten funktioniert. Aber auch Regisseur Adam Wingard und Drehbuchautor Simon Barrett haben hier erstklassige Arbeit geleistet und ich hoffe, von allen dreien noch einmal etwas in vergleichbarer Qualität zu sehen.

Der Film „The Guest“ bekommt 8,5/10 die eigene Identität beschützende Empfehlungspunkte.


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