Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones (Filmkritik)

Früher war Matt Scudder (Liam Neeson) ein Cop. Heute besucht er regelmäßig die Treffen der anonymen Alkoholiker und arbeitet als Privatdetektiv, jedoch ohne offizielle Lizenz. Nach dem „ein Gefallen für einen Gefallen“ System führt er so sein großteils ruhiges Leben in der Einsamkeit. Sein neuester Auftrag führt ihn auf die Spur von zwei Entführern, die sich auf die Frauen von reichen Drogenhändlern spezialisiert haben und ihre Opfer auch dann töten, wenn sie das eingeforderte Lösegeld erhalten haben.

Bei seinen Recherchen trifft er auf einen obdachlosen Jugendlichen namens TJ (Brian Astro Bradley), der sich schon bald als wertvolle Unterstützung beim Lösen dieses Falles herausstellt. Und Matt kann wirklich jede Hilfe brauchen, die er bekommen kann, denn es wurde schon wieder eine Dame entführt, nur dass es dieses Mal die Teenager-Tochter von Gangster Yuri Landau (Sebastian Roche) erwischt hat. Kann Matt die Täter stoppen, bevor ein weiterer Mensch sein Leben verliert?

A Walk Among the Tombstones

Die Figur des Matthew Scudder tauchte erstmals im Jahre 1976 auf und erlebte in Buchform unter der Feder des amerikanischen Autors Lawrence Block, mittlerweile bereits 17 Abenteuer. „A Walk among the Tombstones“ ist dabei die Verfilmung des gleichnamigen zehnten Romans, bei der Scott Frank (Die Regeln der Gewalt) neben der Regie auch für das Drehbuch verantwortlich war. Als Aushängeschild konnte man Liam Neeson verpflichten, was auf Grund seiner gehäuften Actionrollen in den letzten Jahren im Thriller-Genre, zu einer gewissen Erwartungshaltung führte und so auch die Finanzierung des Projektes erleichterte.

Was man daher gleich wissen sollte, bevor man sich vom Namen des Stars und auch dem schnell geschnittenen Trailer auf falsche Fährten locken lässt, ist dass dies alles andere als ein Actionfilm ist und das auch rein vom Ausgangsmaterial her gar nicht sein will. Eher ist es ein elegischer Thriller geworden, mit starkem Krimi- und Drama-Anteil und kurzen Momenten mit Schießereien und ein paar wenigen brutalen Szenen. Sehr gut gelungen ist es dann auch eine ungemütliche Atmosphäre zu schaffen, das Gefühl einer Abwärts-Spirale in die Dunkelheit mit eigener Sogwirkung ist ständig spürbar in der Luft.

Liam Neeson (Non-Stop) funktioniert wieder mal großartig als Antiheld, der seine persönlichen Dämonen immer mit sich herumträgt, der ein gutes Gespür für Menschen hat und dessen reine Präsenz alleine, in den meisten Fällen schon für einen gewissen Respekt sorgt. Er ist hier nicht die unbesiegbare Kampfmaschine wie in den „Taken“ Filmen, sondern ein gebrochener älterer Mann, der sich auf sein Leben bezogen keine falschen Hoffnungen mehr macht, es aber trotzdem immer wieder mal schafft, das Richtige (was immer das dann auch ist) zu tun.

Auch sonst ist es in dieser tristen Welt schwierig, die Beteiligten klar auf eine Seite zu stellen, der Mangel an Identifikationsfiguren, ist offensichtlich. Die Betroffenen sind ja Drogenhändler, die ihr Geld auf Kosten andere Menschen erworben haben, denen man einen kleinen Denkzettel durchaus vergönnt. Dann aber gleich deren Frauen zu entführen und zu zerstückeln, das ist dann doch etwas übertrieben. So werden zwar Opfer aus ihnen, aber keine netteren Menschen. Der Jugendliche Sidekick des Helden ist viel zu altklug um sympathisch sein zu können und die irren Killer sind leider nicht verrückt genug, ja wirken sogar in einigen Szenen unfreiwillig komisch, was ihnen einiges an Schrecken nimmt.

Wirklich gelungen ist dafür die Kamera, die in dunkeln, kalten und verregneten Bildern die trostlose Stimmung gekonnt einfängt. Die Schnitte und Einstellungen wirken einfach flüssig und ziehen ins Geschehen hinein, genau wie die ungemütliche Anfangssequenz nach der ersten Szene im Film. Besonders in einer Szene, in der die Entführer das Mädchen (ihr nächstes Ziel) zum ersten Mal sehen, ist mir dann auch von der Musikeinbindung und dem Einsatz von Zeitlupe im Gedächtnis geblieben. Gewalt wird hier klar abschreckend und einen kranken Geist voraussetzend inszeniert, was sehr gut passt und nicht gekünstelt wirkt.

Weder Sebastian Roche (Wer) als verzweifelter Vater, noch David Harbour (The Green Hornet) und Adam David Thompson (Plus One) als gestörte Täter können dabei groß aufspielen, was aber im Prinzip egal ist, da dies ja sowieso eine Liam Neeson Show ist. Ohne den Star und die doch etwas zu professionelle Machart wäre dieser Film aber insgesamt sicher als großer Fernweh-Krimi der Woche durchgegangen, toll gespieltes, technisch einwandfreies Entertainment eben, dass bis auf kleine Durchhänger spannend bleibt, jedoch keine echten Höhepunkte zu bieten hat und völlig ohne Überraschungen auskommt.

Insgesamt also ein wirklich guter Film zur einmaligen Sichtung, der nicht zum Wiederansehen einladet. Ich finde es ja sowieso unlogisch, dass wie auch bei „Jack Reacher“ bei den Verfilmungen einer Buchserie nicht am Anfang, sondern mittendrin angefangen wird, sollen die von mir aus lieber zwei Bücher zusammenlegen, wenn die Handlung nicht reichen sollte für einen Film, dann fühlt sich das Erlebnis vielleicht nicht so wie eines von vielen mittendrin an. Aber genug geschimpft, ich habe den Film jedenfalls gerne gesehen und kann ihn Neeson Fans und Krimifreunden, die auf gewohnten Pfaden abgeholt wollen werden, auch ohne Zweifel weiter empfehlen.

„A Walk among the Tombstones“ bekommt von mir 7/10 den Beweisen bis zur endgültigen Bestrafung der Täter folgende Empfehlungspunkte.


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