The Walk (Filmkritik)

Philippe Petit (Joseph Gordon-Levitt) liest bei einem Zahnarzt vom Bau des World Trade Centers und weiß sofort, dass er zwischen diesen Türmen ein Seil spannen will, um darauf laufen zu können. Auf diese Herausforderung hat der französische Akrobat lange gewartet hat. Er entschließt sich, ein Drahtseil zwischen den Twin Towers zu spannen und darauf zu laufen.

Natürlich ist diese Aktion illegal und ihr gehen Vorbereitungen voraus, bei denen Petit Hilfe braucht – von seiner Freundin Annie Allix (Charlotte Le Bon) und seinem Trainer Papa Rudy (Ben Kingsley). Am 7. August 1974 ist es soweit und er verbringt ganze 45 Minuten auf dem Seil…

the walk

Hollywood scheint es sich derzeit vor allem auf eines zu verstehen, dem Publikum alt bekanntes mit neuem Anstrich als Innovation zu verkaufen. So wirkt „The Walk“ erfrischend anders, denn die Geschichte des Hochseilartisten Phillippe Petit und seinem Meisterstück ist so absurd und ich persönlich habe noch keinen Film dieser Art im Kino gesehen.

Anfangs kommt „The Walk“ noch eher wie eine Biografie-Verfilmung daher, wird aber im Laufe des Films mehr zu einem typischen Heist-Film, auch wenn nichts geklaut wird. Minutiös wird der Hochseil-Akt geplant und bleibt dabei seinem leicht albernen Ton treu, sodass ich mich an Filme wie „Ocean’s Eleven“ erinnert fühlte. Doch wie könnte man auch die Geschichte einer Idee, die beinhaltet ein Seil zwischen beiden Türmen des noch nicht fertigen World Trade Centers zu spannen, mit vollem Ernst erzählen? Als Thriller hätte die Geschichte wohl kaum funktioniert und auch so war ich gespannt und konnte stellenweise kaum meine Augen von der Leinwand lösen.

Ich fand ja die Wahl, aus „The Walk“ einen 3D Film zu machen anfangs ein wenig komisch, doch nachdem ich ihn in 3D gesehen habe, muss ich sagen, dass gerade Robert Zemeckis (Flight, Forrest Gump) Bilder vom großen Finale atemberaubend, ja beeindruckend sind und Petits Kunststück zu einem Erlebnis für den Zuseher machen, wenngleich ich sagen muss, dass die CGI Effekte stellenweise zu wünschen übrig ließen und ein Stück weit die Magie des letzten Aktes zerstörten. Im wahren Leben harrte Petit 45 Minuten auf dem Seil aus, ging in 411 Metern Höhe 8 Mal zwischen den Türmen hin und her, tanzte auf dem Seil, legte sich darauf und kniete für seine Zuseher nieder, all das während die Polizei auf beiden Seiten nur darauf wartete, dass er das Seil verließ.

Erzählt wird die Geschichte von einem Phillippe Petit, der auf der Fackel der Freiheitsstatue steht und dort dem Zuseher einige Zaubertricks zeigt, während er seine wahre Geschichte erzählt. Hier fand ich das ein gelungenes Stilmittel, denn nicht immer passt eine solche Erzählweise in einen Film. Petit stellt sich hier selbst als ein Künstler mit großen Träumen vor, der schon immer wusste, was er wollte und dies auch gegen den Widerstand von anderen durchsetzte.

Joseph Gordon Levitt (Looper) trainierte für den Film mit Phillippe Petit persönlich und entpuppte sich als gar kein schlechter Seil-Artist. Levitt schafft es die Figur von Petit sympathisch erscheinen zu lassen, nicht einfach bei einem eigentlich selbstverliebten und arroganten Künstler. Weiters lernte Levitt für die Rolle fließen Französisch zu reden und das hörte sich für meine Ohren durchaus glaubwürdig an, denn man wechselt öfters zwischen Englisch und Französisch hin und her. Englisch wird untereinander mit der Begründung geredet, dass man es ja über müsse, weil man es für den Coup braucht.

Charlotte Le Bon (Yves Saint Laurent) spielt Annie Allix, Petits Komplizin und Gefährtin. Sie steht Petit treu zur Seite, steht aber im seinem Schatten und verlässt ihn schließlich, um ihr eigenes Schicksal finden zu können.

Ben Kingsley (Self/Less) mal wieder in einer guten Rolle mit einer guten Performance zu sehen freute mich wirklich. Zu oft hat man den talentierten Schauspieler in Rollen gesehen, die seiner absolut nicht würdig sind, aber hier spielte er die Artisten-Legende Papa Rudy mit viel Charme und Esprit.

Fazit: Ein Film der durch einen heiteren Erzählton überzeugt, der allerdings nicht immer komplett zur Thematik von „The Walk“ passen will. Joseph Gordon Levitt hat in seine Rolle als Phillippe Petit viel Herzblut investiert und das spürt man auch eindeutig.

Dieser Film bekommt von mir 7,5/10 schwindelerregende Punkte.


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