Things Heard And Seen (Filmkritik)

George (James Norton) zieht mit seiner Frau Catherine (Amanda Seyfried) in eine neue Stadt – er hat einen Job an der Uni bekommen, hauptsächlich, weil ein alter Bekannter und ehemaliger Professor von ihm für ihn gebürgt hat. Relativ rasch findet man, wenn schon keine Freunde, dann zumindest nette Bekannte. Alles scheint okay zu sein.

Was Catherine aber nicht weiß: In ihrem Haus ist ein Mord passiert. Und vermutlich nicht nur einer. Sie sieht Dinge, hört Dinge und manchmal scheinen sich Gegenstände von selbst zu bewegen. Auch findet sie einen alten Ring und glaubt, dass sie mit einer der verstorbenen Bewohner:innen kommunizieren kann.

Und langsam aber sicher scheint sich George mehr und mehr von ihr zu entfernen …

Um eine Sache gleich mal klarzustellen: Das hier ist kein Amanda Seyfried-Film. Es ist ein James Norton-Film. Das klingt im ersten Moment vielleicht wie eine seltsame Info, aber wer sich hier ein Amanda Seyfried-Vehikel erwartet, der oder die wird wohl am Ende ein wenig enttäuscht sein. Wobei … das Ende. Hm. Aber dazu später mehr.

„Things Heard & Seen“ basiert auf einem Buch von Elizabeth Brundage mit dem Titel „All Things Cease To Appear“ – was ich einen weit besseren und tolleren Titel finde als „Things Heard & Seen“, aber okay – das ist wohl Geschmackssache. Jedenfalls kenne ich das Buch nicht und ich werde es wohl auch nicht lesen, auch wenn mich interessieren würde, ob das Ende auch im Buch … naja, ich will nicht spoilern. Aber ich fände es schon spannend, ob die Enden gleich sind. Und ob es im Buch besser funktioniert. Aber das nur am Rande.

Zurück zum Anfang: Der Film ist kein Horrorfilm. Es ist ein Familiendrama und wenn man so will, dann vielleicht sogar ein Stück weit ein Thriller mit übernatürlichen Elementen, die aber eine lange Zeit fast gar keine Rolle spielen und am Ende dann auf einmal aufgrund der Symbolwirkung extrem wichtig werden. Ach. Ich merke, ich komme immer wieder sofort auf das Ende zu sprechen. Na gut, dann halt das Ende.

Das hat mich sehr zwiegespalten zurückgelassen. Einerseits fand ich es unerwartet und wie sich der Konflikt zwischen George und Catherine löst – das habe ich nicht kommen gesehen. Ehrlich nicht. Ich hatte mit etwas völlig anderem gerechnet. Also hier ein Pluspunkt. Man sieht dann auch die Konsequenzen aus dieser Lösung. Auch das hat mir gut gefallen. Aber das Ende, das wirkliche, richtige, „jetzt kommt der Abspann“-Ende – nein. Das fand ich optisch gelungen, aber wie es dazu kam und wie es gemacht wurde – das war zwar nachvollziehbar, aber es war leider völlig unbefriedigend.

Dazu muss man vielleicht anmerken, dass den ganzen Film lang ein Philosoph ein wichtiger Ideengeber ist – nämlich Emanuel Swedenborg. Die Grundidee ist – wenn ich das korrekt verstanden habe – dass es keinen Himmel und keine Hölle per se gibt, sondern zwei Welten. Die echte Welt und die spirituelle Welt. Und die beiden sind permanent miteinander verknüpft. Alles im Hier hat ein Gegentstück im Dort und umgekehrt. Der zweite Ansatz ist, dass nur böse Menschen böse Geister anziehen, während gute Menschen gute Geister anziehen – wenn ich die „Gegenseite“ jetzt einfach mal „Geister“ nennen darf.

Und ja – das Ende hat mit dem Übergang von einer Welt in die andere zu tun und damit, dass Sünden gebüßt werden müssen. Wenn nicht in dieser, dann in der anderen Welt. Da hab ich allerdings das Problem, dass es dazu einen Übergang von A nach B geben muss. Also einen Tod. Und der führt dann von A nach B. Heißt aber im Umkehrschluss: ich kann in Leben A mit allem durchkommen – in Leben B, wenn ich denn dann dort lande, muss ich dafür zahlen, weil ich durch meine Tätigkeiten in der „hier“-Welt ja böses Karma gesammelt habe. Die Idee war, wenn ich das korrekt übersetze, dass Karma einen immer einholt. Auch wenn mir nicht klar ist, was für eine Erleichterung oder Genugtuung es sein soll, wenn ich weiß, dass ein Mensch, der ein Leben lang nur schlimme Sachen macht irgendwann im „Jenseits“ dafür zahlen muss. Außerdem klingt das ohnehin verdächtig nach gefühlt x anderen Philosophien und Religionen auch … aber gut. Ich mach hier einen Punkt. Das würde sonst ausufern.

Der Film jedenfalls hat mich gut drei Viertel lang wirklich gefesselt. Das liegt an der Kamera, der doch kompakten und gut erzählten Story, den kleinen Momenten und vor allem am Spiel von Norton („Flatliners„-Remake) und Seyfried („The Housemaid„). Was hier wie eine Geschichte über eine Entfremdung in einer Beziehung beginnt, bekommt plötzlich durch zwei drei Informationen aus der Vergangenheit einen bedrohlichen Hintergrund und dann entwicklt sich die Geschichte scheinbar in eine Richtung, die man kommen sieht, um dann unerwarteter, aber realistischer, weise scharf abzubiegen.

Da bin ich schon kurz mal sprachlos vor dem TV gesessen – ehrlich. Das hab ich nicht kommen gesehen. Und dann war ich gespannt, wie das weitergeht. Hat mir gefallen. Bis dann das „richtige“ Ende kommt. Also der Punkt an dem Film wirklich aufhört. Da kippt für mich die Sache dann in unnötig verkopft und pseudophilosophisch. Man will vermitteln, dass Karma existiert und alle und jede und jeder seinen Preis zahlen muss – aber das wird einfach nicht gut gemacht. Die Geschichte zwischen George und Catherine ist ohne diesen Hintergrund und ohne die „Meta-Ebene“ eigentlich spannend genug, diesen ganz Hokuspokus braucht man eigentlich nicht.

Naja, es ist wie es ist. Tatsächlich hat der Film mich – vom Ende abgesehen – gut unterhalten. Er war spannend, er war super gespielt und auch die die ganzen Nebenrollen sind super besetzt und alle sind mit dem Herzen dabei. Also – TROTZ des Endes – fand ich den Film wirklich gut. Auch wenn er mich mit einem unguten Gefühl in der Magengegend zurückgelassen hat – obwohl es mir vorkam, als hätte man versucht, den Film mit einer positiven Message zu beenden. Oder als hätte man gedacht, man würde den Film mit einer positiven Message enden lassen. „I will do for you what she did for me“. Mhm. Na dann.

„Things Heard & Seen“ bekommt von mir 6 von 10 möglichen, zur Einmalsichtung taugende und sich leider gegen Ende in seiner Philosophie verlierende, Punkte.


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