Lee Cronin’s The Mummy (Filmkritik)

TV Reporter Charlie Cannon (Jack Reynor) lebt gemeinsam mit seiner schwangeren Frau Larissa (Laia Costa) und den gemeinsamen Kindern Katie und Sebastian in Kairo. Katie hat eine geheime Freundin namens Layla, mit der sie im Garten spielt und eines Tages kommt deren Mutter zu einem ihrer heimlichen Treffen.

Sie entführt Katie und jegliche Versuche der Polizei sie wieder zu finden, bleiben vergeblich. Acht Jahre später stürzt ein Flugzeug ab, das einen Sarkophag transportiert hat. Darin befindet sich ein eingehüllter Mensch, es handelt sich dabei um Katie und sie ist am Leben…

Regisseur Lee Cronin wollte ursprünglich nicht Regie bei einem Mumien Film führen. Da er vom Studio jedoch völlige kreative Freiheit bekommen hat, verarbeitete er mit seinem Drehbuch hierfür laut Interview den Tod seiner Mutter. Dafür hat er dann auch die Regie für einen Nachfolger seines sehr intensiven Evil Dead Rise abgegeben.

Eines war bereits nach den Trailern klar, weiter entfernt von den Mumien Abenteuern mit Brendan Fraser, der im Jahr 2027 einen vierten Teil spendiert bekommen soll, kann Cronin´s Version gar nicht entfernt sein. Eine Mischung aus Mechaniken aus Exorzismus Abenteuern trifft auf die Wucht der Evil Dead Filme gepaart mit etwas Täter-Suche der Marke Seven.

Das ist tonal dann nicht durchgehend stimmig, mit zwei Stunden Spielzeit etwas zu lange geraten und fühlt sich wie einer dieser Filme an, die man entweder total feiert, oder ganz furchtbar findet. Ich befinde mich dabei dann doch irgendwo in der Mitte und habe mir beim Betrachten vor allem eine Frage gestellt: ist unangenehm auch gleichzeitig gruselig bzw. spannend?

Einige Szenen sind einfach nur ekelhaft und das hat nichts mit Gewalt an sich zu tun. Besonders wohl wenn man jüngere Kinder daheim hat, leidet man fast schon selber physisch mit. Vor allem Katies kleine Schwester – ich sag nur Sarg und Zähne – der Moment ist doch so richtig krank geraten. Teilweise ist das wieder so over the top irre, dass ich es gefeiert habe, einige aber wohl völlig aus dem Geschehen werfen wird.

Von den Figuren hat mir Jack Reynor (Sing Street) als Vater am Besten gefallen, denn er wirkt als einziger nicht wie eine nur reagierende Schachfigur auf Cronin´s Spielwiese, sondern er treibt die Handlung mit seiner Suche voran, führt das Finale herbei und verliert dabei nie die Selbstaufopferung eines Vaters für sein Kind aus den Augen.

May Calamawy (Moon Knight) als Detective Dalia ist ebenso sehr intensiv und ihre Skorpion-Szene, wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Überhaupt wirkt der Film vom Ablauf her, als würden sich irritierende Szenen mit den Erholungsphasen für den Zuschauer abwechseln. Das kann dann fesseln, wenn man in den Sog des suchenden Vaters eintaucht.

Es kann aber streckenweise auch lähmen, weil dich der Wahnsinn eben hinaus wirft aus der Immersion und man sich emotional distanzieren muss. Mal ganz abgesehen davon, was mit der Großmutter von Katie passiert. Als Regisseur so den Tod seiner Mutter zu verarbeiten, ist schon sehr speziell, es sei denn er wollte einfach nur den unaussprechlichen Horror ausdrücken, den er durch den Verlust empfunden hat.

Ich habe mich an meine Tante erinnert gefühlt, die nach dem Tod meiner Großmutter meinte, sie wird sie sich mumifizieren lassen und ins Wohnzimmer stellen. Ich sagte damals nur darauf: du bis mit deinem Schmerz/Schock gerade überfordert. Genau auf diese Body Horror-Schockmomente reduziert, ist Cronin´s Vision für mich auch ähnlich daneben wie ein Terrifier, der nur auf Grausamkeiten setzt.

Wie gespielt wird, die Optik von Katie, die Soundeffekte und die immer wieder fesselnde Düster-Atmosphäre sind aber ohne Zweifel großes Horror-Kino und ein paar Augenblicke, vergisst man nicht so schnell. Ich habe den Film in Summe gerne gesehen, doch wem genau ich ihn empfehlen würde, da müsste ich länger darüber nachdenken.

„The Mummy“ bekommt von mir 6,5/10, um geheime Freundinnen im Garten und offene Särge, in Zukunft einen riesigen Bogen machende Empfehlungspunkte.


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