Flatliners (2017 Filmkritik)

Courtney (Ellen Page) will wissen, wie es ist: Das Leben nach dem Tod. Denn sie trägt eine Schuld mit sich herum (den Tod ihrer Schwester) und diese möchte sie gern loswerden. Wenn das Leben nach dem Tod also a) existiert und b) toll ist, dann braucht sie ja keine Bedenken mehr haben und alles ist paletti. Also drängt sie nach und nach ihre sogenannten Freunde (ich würde eher sagen: Menschen, die sie kennt) dazu, bei ihren Experimenten mitzumachen, nämlich: Ihr Herz zu stoppen, bis sie quasi tot ist, dann eine zeitlang zu warten und sie dann wiederzubeleben.

Nach und nach machen die anderen mit und alle erleben verschiedene Dinge. Vor allem nach dem Aufwachen. Und nichts davon wirklich erfreulich. Man könnte jetzt sagen, sie werden von ihren größten Ängsten heimgesucht, aber das stimmt nicht. Viel mehr ist es so, dass Dinge, mit denen sie nicht abgeschlossen haben, sie dazu bringen, genau diese Dinge zu konfrontieren.

Was aber, wenn die eigene Psyche nicht standhält?

Für alle, die sich denken, dass es diesen Film schon gibt: Ihr habt Recht. Es gibt ihn schon. Nämlich mit Kiefer Sutherland, Julia Roberts und Kevin Bacon. Und gleich vorweg: Der Film aus 1990 ist um Welten besser, weil spannender und besser inszeniert.

Ich war ja froh, bzw. habe ich mich gefreut, wieder mal einen Film mit Ellen Page zu sehen, denn abgesehen von der Aufregung, dass Ellie, die Hauptfigur aus „The Last Of Us“ ihr zu ähnlich sehen würde, und die Tatsache, dass einer der Programmierer von Quantic Dream („Detroit: Become Human“) in „Beyond: Two Souls“ ihren kompletten nackten Körper ein wenig zu detailverliebt nachgebaut hat, habe ich in den letzten Jahren (nach dem Hype um sie in den X-Men-Filmen und in „Hard Candy„) nichts mehr von ihr mitbekommen (Hab grad entdeckt, dass sie bei „The Umbrella Academy“ dabei ist – eine aktuelle Serie auf Netflix).

Und dann habe ich sie in diesem Remake wieder entdeckt, hab mich gefreut sie kurz zu sehen und war dann auch gar nicht böse als der Film rasch wieder vorbei war, denn eines ist er mit Sicherheit nicht: Erinnerungswürdig. Die Personen – ich habe mir außer Ellen Page auch niemand im Kopf behalten – sind allesamt ohne größere Tiefe und werden rein durch a) ihre Fachkenntnis und b) ihr Defizit definiert. Da gibt es sonst nichts. Keine Varianz, keine Charaktereigenschaften, nix. Austauschbar sondergleichen.

Drehbuchautor Ben Ripley, der davor eigentlich von den mir bekannten Filmen nur für „Source Code“ (und den fand ich in Summe eher mittelmäßig, auch wenn ich die Idee toll fand) verantwortlich zeichnet, liefert hier ein billiges Plagiat, welches nicht nur auf neue Akzente verzichtet, sondern sogar auf Elemente aus dem Original pfeift, die es allerdings erst dazu gebracht haben, zu funktionieren.

Regisseur Niels Arden Oplev („The Girl With The Dragon Tattoo“ – die Version mit Noomi Rapace) schafft es indes auch nicht, aus dem Stoff irgendwas Neues herauszuholen als die altbekannten „nur ich sehe diese Dinge“-Jump Scares und pseudotiefgründige Momente zu schaffen. Pseudo deshalb, weil einen großen Teil der Zeit einfach nur Sprechblasen abgesondert werden. Sicher, das trifft auf viele Filme zu, aber hier fällt es halt doppelt und dreifach auf, weil es ja um etwas Tieferes gehen sollte.

Wer einen Film über Vergebung und die Irrwege dahin sucht, der zwar weit weniger Budgets, Stars und Spezialeffekte (und damit Action) bietet, die Thematik aber weiter besser beleuchtet (und auch auflöst), der oder die soll sich an „A Dark Song“ versuchen. Das Herz von „Flatliners 2017“ ist eine glatte Flatline.

„Flatliners 2017“ bekommt von mir 5 von 10 möglichen, weil technisch einfwandfreie, Punkte.


One thought on “Flatliners (2017 Filmkritik)

  1. Außer Ellen Page gab es da nix zu sehen was ich gut fand.Die Motivation für das völlig absurde Experiment bleibt eher unklar..( welcher Arzt würde so etwas machen? Wobei so richtige Profis sind sie auch nicht wie man merkt, als sie auf dem Bild gar nicht wissen welcher Teil des Gehirns ,da nun gerade zu sehen ist. Verstehe nicht warum sie als völlig inkompetent dagestellt werden? Soll es das spannender machen?? ) Diego Luna hat mich rausgerissen weil ich ihn kürzlich erst als Drogenboss sah.. Sonst nahm ich nur Ellen Page ab das sie Ärztin war aber die leider als einzige und erste starb
    .. Die ganze Story( schlechtes Gewissen wegen Nacktfotos! Oh Mann ) ist absurd und langweilig. Habe nur wegen der wunderschönen Ellen Page geschaut.. Ein Remake ohne Sinn und Verstand…
    Was war eigentlich die Gefahr? Und warum haben die das gemacht? Das ganze war wie eine schlechte Folge von einer High School Serie . Die Kritik von Dir ist besser als der Film Danke dafür. Besonders lustig… „sogenannten Freund (ich würde eher sagen: Menschen, die sie kennt“ Danke

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