Annabelle 2: Creation (Filmkritik)

Im Jahr 1955 – 12 Jahre nachdem sie ihre kleine Tochter bei einem schrecklichen Unfall verloren haben – nehmen der Puppenmacher Samuel (Anthony LaPaglia) und seine Frau Esther (Miranda Otto), nach der Schließung eines Waisenhauses, Schwester Charlotte und sechs Mädchen bei sich auf. Zunächst ist die Freude bei den jungen Damen groß und sie genießen das Mehr an Platz und Freiraum.

Bald beginnen jedoch seltsame Ereignisse den fröhlichen Alltag zu trüben. Vor allem sind dabei die zwei jüngsten Mädchen Janice (Talitha Eliana Bateman) und Linda (Lulu Wilson) betroffen, die offensichtlich von einem unnatürlichen Wesen verfolgt werden. Dabei spielt offenbar eine gewisse weiß gekleidete Porzellanpuppe eine entscheidende Rolle, da sie immer dort auftaucht, wo unheimliche Dinge geschehen…

Wie macht man eine in sämtlichen Bereichen bessere Fortsetzung von einem mittelmäßigen Original? Nun, erstens erzählt man die Vorgeschichte des Erstlings, zweitens beauftragt man damit einen Regisseur, der das Genre liebt und drittens besetzt man eine der Hauptrollen mit Lulu Wilson. Das hat schon bei Ouija und der Fortsetzung Ursprung des Bösen (von Mike „Gerald´s Game“ Flanagan) funktioniert und so ist es auch hier gelungen im Jahr 2017.

Während Annabelle Mechaniken benutzt hat, ohne dass die Regie wirklich das Genre zu schätzen wusste, hat bei diesem zweiten Teil David F. Sandberg (Lights Out) am Regiestuhl Platz genommen. Was er kann – und das gehört zu den wichtigsten Dingen vor allem in einem Horrorfilm, wo man um die Beteiligten Angst haben soll – ist es die Figuren lebendig, ehrlich und authentisch erscheinen zu lassen (was er zuletzt auch wieder bei Shazam bewiesen hat).

Auf der Blu-Ray des Filmes ist ein Special, bei dem er erklärt wie er Filme dreht. Dort sieht man sehr schön, dass er klare Bilder/Einstellungen im Kopf hat und diese seiner Crew vermittelt, die sich dann an die Arbeit machen, um dies möglichst genau umzusetzen. Auch den Darstellern erklärt er warum die jeweilige Figur was gerade fühlt, da seiner Meinung nach nur so echtes Schauspiel möglich ist.

Warum ich das jetzt so ausgeführt habe, ist ganz einfach. Es beschreibt schön die unsichtbaren Fäden, mit denen hier die ganze Handlung zusammen gehalten wird. Passt das mit der Crew, dann kann man mit der Kamera auch dieses familiäre Gefühl einfangen, dass hier gleich mehrfach aufgegriffen wird. Neben dem Grundthema Verlust und nicht los lassen zu können, ist es vor allem die Freundschaft von Janice und Linda, die im Mittelpunkt steht.

Genau die wird dann natürlich bedroht durch die böse Präsenz. Auch hier schafft es Sandberg mit wenigen Mitteln wohligen Grusel zu erzeugen. Man weiß schon dass jetzt was kommen muss, aber es wirkt nie so vorhersehbar wie beim Erstling. Eher wie ein Strudel, in den man hineingesaugt wird. Un Annabelle? Die sitzt einmal da, dreht einmal dort den Kopf oder ist plötzlich verschwunden. Sie anzusehen erzeugt Unbehagen, auch wenn sie selbst ja „nur“ der Anker für das Dämonische ist.

Talitha Eliana Bateman (Countdown) als Janice ist großartig als ein durch ihre Krankheit gehandicaptes Mädchen, dass nie ihren Lebenswillen aufgegeben hat. Sie ist einfach ein pures Wesen und gerade deshalb ist ihre Seele wohl so reizvoll. Lulu Wilson (Becky) als Linda hat eine (fast) gleichwertige Funktion im Film, denn sie hält immer zu ihrer Freundin, ist ihr nahe und bemerkt Veränderungen, was natürlich auch sie in Gefahr bringt.

Die beiden jungen Damen sind das klare Highlight, doch die ältere Generation erdet das Ganze schön und keinem kann man hier vorwerfen, nicht völlig bei der Sache gewesen zu sein. Hervorheben möchte ich dabei noch Stephanie Sigman (Spectre) als Schwester Charlotte, da sie gekonnt diese liebevolle Menschlichkeit versprüht und Grace Fulton (Vampire Dad) als älteste der Kinder, da sie trotz der teilweise schnippischen Art ihren Schwestern gegenüber, niemals zum unsympathischen (potentiellen) nächsten Opfer mutiert.

Insgesamt also ein Geisterfilm, der in allen Bereichen besser ist als das Original und neben einer starken Atmosphäre, inklusive guten Effekten und effektiven Schockmomenten, sich vor allem auf die Figuren und deren Darsteller verlassen kann. Wohliger Grusel und eine durchgehende Unheimlichkeit, genau das will ich von diesem Horror-Subgenre und habe es auch bekommen. Am Ende gibt es dann übrigens einen Zeitsprung 12 Jahre in die Zukunft, womit man dann nahtlos an den Beginn des ersten Teiles anschließt.

P.S.: Annabelle Comes Home kam zwei Jahre danach heraus und funktioniert für mich aus ganz ähnlichen Gründen.

„Annabelle Creation“ bekommt von mir 7,5/10 das Spiel mit den Puppen nicht hinter sich lassen könnende Empfehlungspunkte.


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