Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel (Filmkritik)

Laine (Olivia Cooke) ist geschockt, ihre beste Freundin Debbie hat Selbstmord begangen, ohne dass es irgendwelche Vorzeichen für diese Tat gegeben hätte. Bei dem Durchsehen ihrer Sachen, findet sie ein altes Hexenbrett. Da sie als Kind gemeinsam mit so einem Brett gespielt haben und Laine Antworten sucht, beschließt sie gemeinsam mit ihren drei Freunden und ihrer Schwester, Kontakt mit dem Geist von Debbie aufzunehmen und zu erfahren, ob sie sich wirklich selbst umgebracht hat.

Was als aufregender Nervenkitzel beginnt, wird schon schnell ernst. Denn Debbie hat mit dem Spiel Geister geweckt und die haben nicht nur ihr das Leben gekostet, sondern sind nun auch auf der Jagd nach Laine und den anderen Mitspielern. Können die Geister aufgehalten werden und wenn ja wie? Viel Zeit bleibt den Teenagern nicht mehr, denn auf ihrer Suche nach einer Lösung, wird die Gruppe der fünf jungen Leute, durch scheinbare Unfälle, ständig weiter dezimiert.

Ouija

Zu Seelenschreibern, Alphabettafeln und den sonstigen Namen unter denen Witchboards bekannt sind, gibt es wie bei allen Dingen, die unterschiedlichsten Meinungen. Unter dem Motto „Red dir nur weiter ein, dass es nur ein Spiel ist“, wurde hier produziert von Michael Bay, der erste Horrorfilm der Spielzeugkette Hasbro geschaffen, die die Rechte am Spielzeug besitzen. Die Bay/Hasbro Kombination ist dabei nach dem Megaerfolg der „Transformers„-Filme wieder aufgegangen, denn „Ouija“ hat bei Produktionskosten von gerade mal 5 Millionen Dollar, allein in Amerika beinahe das fünffache wieder eingespielt.

Eigentlich könnte man nun meinen, dass es naheliegt, hier eine typische Verriss-Kritik schreiben zu können, angesichts der seelenlosen „Bay-Hochglanz-Hitmaschinerie“. Nach Sichtung des Filmes, bin ich nun aber gespalten. Einerseits ist das Gesehene viel weniger gelackt, dumm oder leicht angreifbar als erwartet, andererseits läuft hier alles nach einem klaren Schema ab – sozusagen nach dem Ein mal Eins des Geisterfilms – dass das Erlebnis nicht beliebiger hätte sein können und genau null Überraschungen oder Höhepunkte liefert. Sozusagen ein Film, den man alle paar Jahre wieder machen kann, weil dann wieder eine neue Generation gerade im richtigen Alter ist (vorwiegend wohl auch für Mädchen geeignet), um sich durch einen PG13 Grusler zu kreischen.

Die Geistereffekte sind erwartungsgemäß gut gelungen, am Besten haben mir die Verwandlungen gefallen, wenn einer der Jugendlichen von einem Geist befallen wird und neben weißer Haut und einem zugenähten Mund, auch noch diese fahle „Zombie-Haut“ bekommt. Die Schreckmomente sind großteils von der sogenannten „Jump-Scare“ Natur, also plakativ und laut von der Musik her, klar an den Kameraeinstellungen schon vorher erkennbar, doch weit weniger inflationär eingesetzt, als ich vermutet hätte. Auch der Score hält sich bis auf die eben erwähnten Momente, angenehm im Hintergrund und strapaziert nicht dauernd die Nerven, wie es bei ähnlichen Produktionen öfters der Fall ist.

Ein weiteres großes Plus ist dass die Damen hier nicht als Objekte präsentiert werden (was Bay ja perfektioniert hat mit seinen Filmen), sondern vor allem Laine wie eine echte Person wirkt. Das wiederum nutzt Olivia Cooke (The Signal) aus, die sowohl die Führung übernimmt und die Sache mit der Recherche über die Geister und deren Bekämpfung in die Hand nimmt, als auch auf eine natürliche Art ziemlich sympathisch ist, so dass sie durchaus Beschützerinstinkte beim Zuschauer weckt und man ihr auf keinen Fall wünscht, dass die Sache für sie am Ende schlecht ausgeht. Der Rest des jungen Casts kann da nicht ganz mithalten, erwähnen muss ich bei den Älteren nur noch Lin Shaye (Insidious) in ihrer kleinen aber manischen Nebenrolle, eine weitere Bestätigung für mich dafür, dass es die gute Dame scheinbar gänzlich aufgegeben hat, jemals wieder eine „normale“ Person zu spielen.

Durchaus positive Sachen, die ich hier berichten kann, doch mich in das Geschehen hinein zu ziehen, hat der Film höchstens für kurze Zeit und dann auch nur ansatzweise geschafft. Das falsche Altersgruppe Argument wirkt dabei auch nicht für mich, da ich einigen Horror-Filmen dieser Kategorie, durchaus etwas abgewinnen kann und sie als Abwechslung gerne sehe. Hier fehlen einfach Ecken und Kanten, es gibt keine sofort ins Auge springenden Fehler, man kann hier auch einige Dinge mögen, doch fehlt der Atmosphäre etwas ganz grundlegendes, sie schafft es nämlich nicht, dieses mitten drin statt nur darüber Gefühl zu erzeugen. Vielleicht liegt dies auch am früheren Special Effects – Profi (Jurassic Park 3) Stiles White, der hier sein Regiedebüt abliefert und einfach nichts falsch machen wollte und sich im Gegenzug aber auch nichts getraut hat.

Insgesamt daher ein belangloser Gruselfilm, der wohl am ehesten zu empfehlen ist für junge Leute, die bis jetzt wenig Erfahrung mit dem Genre gemacht haben oder einfach leicht zu erschrecken sind. Technisch stimmt hier alles, vor allem die Hauptdarstellerin ist richtig gut, aber das gewisse Etwas habe ich einfach vermisst. Und ja, ich weiß dass das bei vielen Filmen fehlt, doch die Kunst ist es ja, darüber hinweg zu täuschen bzw. Stärken zu besitzen, die das vergessen machen. Hier fällt es eben stärker auf. Was bleibt ist mein Wunsch, dass die Beteiligten beim nächsten Projekt ein besseres Händchen haben und aus den Erfahrungen gelernt haben, denn Talent ist hier durchaus vorhanden.

„Ouija“ bekommt von mir 5/10 die gerufenen Geister schnell und unspektakulär wieder los werdende Empfehlungspunkte.


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