Shazam (Filmkritik)

Der 14 jährige Billy Batson (Asher Angel) ist ein Waisenjunge, seit er seine Mutter in einer Menschenmenge verloren hat. Doch er hat die Suche nach ihr nie aufgegeben, weshalb er immer wieder von einem möglichen neuen Zu Hause davon läuft. Aktuell hat die Sozialarbeiterin Billy in ein Gruppenzuhause gesteckt, in dem neben den Eltern, fünf weitere Kinder wohnen.

Als Billy seinem „Bruder“ Freddy (Jack Dylan Grazer) gegen zwei stärkere Schüler hilft und daraufhin in eine U-Bahn flüchtet, passiert etwas Unheimliches. Er ist plötzlich alleine und die Bahn hält in einer uralten Höhle. Dort spricht ihn ein sterbender Magier an, der ihm die Worte „Shazam“ aussprechen lässt, woraufhin Billy sich in einen extrem machtvollen, erwachsenen Superhelden (Zachary Levi) verwandelt.

Zuerst mal zwei Sachen drum herum. Erstens mal das Ganze „DC hat nun verstanden, dass ihre düster philosophischen Werke keiner sehen will, mit ihren neueren, fröhlicheren Filmen, haben sie das Ruder herum gerissen“ Gerede, das ist Blödsinn. Als Beispiel ist Batman v Superman im Directors Cut richtig stark und Suicide Squad hat mich perfekt unterhalten. Wonder Woman – die erste des Wandels bei DC – finde ich hingegen überbewertet, mit Aquaman hatte ich dafür viel Freude. So klar früher schlecht jetzt gut, ist die Sache sicher nicht.

Zweitens freut es mich persönlich als Horrorfilm-Fan, dass das Können von Genre-Regisseuren, auch für große Blockbuster-Produktionen genutzt wird, das Genre für mich somit durchaus ernster genommen wird. Das hat auch Marvel mit Scott Derrickson (er drehte Sinister und danach Doktor Strange) gemacht und DC ist nach James Wan (unter anderem Insidious und dann durfte er Aquaman machen) nun für Shazam bei David F. Sandberg (Lights Out) gelandet.

Ein paar meiner Freunde meinten nach den Trailern ja, Shazam kann man getrost auslassen. Das finde ich schade, jedoch nicht mal bezogen auf die in diesem Fall unverbraucht frische, weil noch nie zuvor verfilmte Helden-Genese. Viel mehr geht es um die Art und Weise mit der Sandberg ein mal mehr beweist, dass er seine Charaktere glaubwürdig und ehrlich inszenieren kann. Als Zuschauer wird man so sofort abgeholt, ist emotional in der Geschichte und ist mitten bei einem unglaublich charmanten Abenteuer mit dabei.

Dabei setzt man nicht auf subversiven Erwachsenen-Witz, sondern bringt diesen Kinder/Jugendlichen Humor sehr gekonnt/realistisch herüber, ohne dabei jemals in Richtung Klamauk zu gehen. Das Erwachsen werden und die überwältigenden Superkräfte liefern genug Potential für spaßige Momente, jedoch dienen sie für Billy ja eigentlich nur dazu, seine Trauer zu überwinden. Er will im Prinzip nur seine Mutter wieder finden und einen Platz, an dem er Zu Hause ist mit Menschen, die er Familie nennt.

Seine neue Familie könnte dabei nicht bunter zusammen gewürfelt sein und es ist eine eigene Kunst wie es hier nur mit wenigen Szenen geschafft wird, dass keiner der fünf „Geschwister“ und auch nicht die „Eltern“ von Billy, unwichtig erscheinen oder deren Schicksal egal wäre. Wie ihr nun vielleicht schon gemerkt habt, habe ich noch kein Wort über die Superhelden-Ebene verloren. Das kommt daher, dass ich die Bindung zu den Figuren als Basis hervorheben wollte, damit klar wird, warum das Ganze so gut funktioniert.

Wohlfühlfilme und das Prädikat „für die ganze Familie“ sind normal nicht meine Filme, doch Shazam ist eine echte Ausnahme. Das Testen der Kräfte hat mich dann sogar in angenehm nostalgischer Weise, an den ersten Spider-Man von Sam Raimi erinnert (plus Zeitgeist und Trending im Internet versteht sich). Der Bösewicht selbst ist eine Art Spiegel für Billy, sozusagen eine verbitterte ältere Version von ihm, was aus ihm werden hätte können/werden könnte, wenn er nie seinen Platz findet und Menschen, die er liebt.

Und die „Todsünden“ sind einfach hässliche Monster, die Menschen fressen oder diese auseinander nehmen. Hätte man da nicht ein paar mal in den richtigen Momenten den Blickwinkel geändert, wäre leicht ein richtig brutales Erlebnis daraus geworden, ähnlich wie dies bei „Venom“ ein Leichtes gewesen wäre. Das „Prügeln“ der Superwesen wirkt dann frisch und nicht wie etwa „Man of Steel“ nachgemacht, weil Billy eigentlich ständig auf der Flucht ist und ja gar nicht kämpfen will.

Ist es dann soweit dass er zu seiner Bestimmung steht, setzt die Sache erneut auf Teamwork und Familie, was einfach eine wunderschöne Botschaft ist. Ja, man muss einige Kämpfe im Leben alleine austragen, doch man darf auch nie zu stolz dafür sein, Hilfe von Menschen die einen lieben anzunehmen. Natürlich kennen die sich im Film erst eine Stunde, doch genau das ist ja die Kunst der Inszenierung, dass man die Bindung spürt und die wachsende Sympathie sichtbar wird.

Zachary Levi (Office Upsrising) ist die perfekte Besetzung für Shazam. Diese infantile Freude, der Spieltrieb, die Entdeckungslust, was er sagt und wie er es tut, in beinahe jeder Einstellung ist klar, dass hier ein Kind im Körper eines Erwachsenen steckt. In Jack Dylan Grazer (Es) als Freddy hat er einen genialen Bruder aka Partner, der das mangelnde Wissen von Billy über Superhelden ausgleicht und somit zum unentbehrlichen Sidekick wird. Sympathisch ist seine direkte Art obendrein auch noch.

Asher Angel (Andi Mack) als „normaler“ Billy bringt die verlorene, menschliche Seite ins Spiel, hier genießt er es wohl er selbst zu sein, Shazam ist anfangs eine Flucht vor der Realität, dann wird er eher zum Weg damit umgehen zu können. Von seinen Geschwistern hat jeder seine Momente, vor allem Grace Fulton (hat Regisseur Sandberg von Annabelle 2 mitgebracht) als Mary mochte ich, die versprüht einfach diese Wärme und Beschützerinstinkt auf ihre Geschwister bezogen. Mark Strong (6 Days) muss sich nicht anstrengen, hat aber sichtlich Freude als wütender und überheblicher Bösewicht.

Insgesamt daher eine Comic-Verfilmung, die mehr als die meisten Kollegen, schon rein von den Charakteren (bis zu den Nebenfiguren hin) sehr gut lebt. Der Humor wirkt ehrlich, die Action macht Spaß und die Effekte sind stimmig und optisch ansprechend. Shazam selbst ist für mich (als Comic-Leser) als Held immer ziemlich uninteressant gewesen, doch als Team-Player, ist er für mich nun ganz oben mit dabei. Der zweite Teil ist auf Grund des Erfolges bereits beschlossen und ich freue mich darauf.

„Shazam“ bekommt von mir 8,5/10 trotz unglaublicher Kraft auf charmante Weise und nicht durch Magie alleine gewinnende Empfehlungspunkte.


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