Suspiria (2018 Filmkritik)

Susi (Dakota Johnson) kommt in eine renommierte Tanzschule. Dort sind die besten der Besten, aber irgendetwas geht nicht mit rechten Dingen zu. Auch Tanzlehrerin Madame Blanc (Tilda Swinton) ist ein wenig schräg unterwegs.

Es dauert eine Weile, aber irgendwann dämmert es Susi: Hier ist Hexenkraft am Werk. Dunkles, pures Hexenwerk.

Die Zusammenfassung ist jetzt sehr, sehr kurz geraten und alles andere als aussagekräftig, das ist mir völlig klar. Das liegt daran, dass ich nicht viel verraten will und außerdem, denke ich, haben ohnehin alle, denen der Name „Suspiria“ was sagt, diese neue Interpretation bereits gesehen und vermutlich entweder geliebt oder gehasst.

Vorweg: Ich verstehe, wenn jemand diesen Film als Meistwerwerk empfindet. Ich sehe die Choreografie, die Kameraarbeit, die Belichtung, die narrative Struktur und die vielen, wirklich, wirklich vielen Möglichkeiten zur Interpretation des Geschehens. Und wer abgeholt wird und eintaucht in diese Welt voller Mysterien und (ausgebleichter) Farben und bis zum bitteren blutgetränkten Ende durchhält, der oder die verdient Respekt, denn der Film ist absolut anstrengend anzusehen und definitiv keine leichte „nebenbei gucken“-Kost. Wenn das technisch möglich ist, so passiert nämlich zeitgleich zu viel und viel zu wenig. Das liest sich wie ein Widerspruch, ist aber keiner, denn jemand, der „versteht“, was passiert, kann in so vielen Gesten, Blicken und Perspektiven neue Erkenntnisse über die Message des Films herauslesen, dass selbst in banalen Dingen, wie einem Fußweg von A nach B viel an Symbolkraft drinsteckt.

Für alle, die das nicht verstehen oder „sehen können“ ist es ein farb- und blutleerer Tanzfilm mit übernatürlichen und lächerlichen Momenten, der gerne mehr wäre, aber nur präpotent bzw. großkotzig daherkommt und dann mit einem Ende querschießt, das quasi aus dem Nichts kommt und bar jeder Erklärung rund um sich schlägt.

Und dann gibt es noch jene in der Mitte. Ich verstehe einige der Bilder, ich habe einige Interpretationen von dem, was ich glaube gesehen zu haben bzw. was ich glaube, was gemeint war … aber ich kann damit nicht viel anfangen, weil der Film es mir einfach so schwer macht, weiterzugucken. Ich fand es nach einer Weile einfach nur noch anstrengend mich wach zu halten. Nicht, weil der Film so langweilig wäre, aber der Film hat es tatsächlich geschafft mein Hirn zu ermatten.

Es lag zum einen am langsamen Erzähltempo und zum anderen an der zu großen Mehrdeutigkeit der symbolhaften Bilder, dass mein Hirn einfach irgendwann gesagt hat: „Weißt du was? Ich will es gar nicht mehr wissen. Es juckt mich nicht mehr.“ Ist das jetzt mein Fehler, weil ich den Film nicht verstanden habe oder Fehler des Films, weil er es nicht geschafft hat, mich abzuholen?

Oder liegt die Wahrheit wie meistens viel einfacher: Ich war nicht in der Stimmung für diesen Film. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich eine Stimmung habe – jetzt, wo ich ihn gesehen habe – in welcher ich mir denke: „Das sehe ich mir nochmals an, denn das will ich wissen“. Kann sein, kann nicht sein.

Wer auf bildgewaltige (und die Bilder sind ästhetisch und verstörend zugleich) mit Subtext vollgestopfte Art-House-Filme steht, mit Meta-Ebenen, Symbolen, Frauenrechten, Blutfontänen (aber erst gegen Ende) und Deutschland im Herbst (farblich) was anfangen kann: Das hier ist euer Film.

Ich sehe mir währenddessen „Mother!“ nochmals an. Interessanterweise hat der mich von Minute 1 an mitgerissen. Bei „Suspiria 2018“ wollte einfach irgendwas nicht zünden.

Der Vollständigkeit halber: Dakota Johnson spielt großartig. Hätte ich ihr nach der anderen … Filmreihe, in der sie mitspielt, gar nicht zugetraut.

„Suspiria 2018“ bekommt von mir 7 von 10 möglichen, handwerklich großartige, inhaltlich arg subjektive und von der Zuseher*innenstimmung abhängende, Punkte.


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