Mother! (Filmkritik)

Das Paar lebt abseits von allem in einem alten Herrenhaus. Während Mutter (Jennifer Lawrence) das Haus renoviert versucht er (Javier Bardem) seine Schreibblockade zu überwinden, um wieder Neues zu schaffen. Da ihm das nicht gelingt, wird er zunehmen frustrierter.

Eines Morgens steht plötzlich ein Fremder vor der Tür. Er sei Fan und habe leider keine Unterkunft für die Nacht. Entgegen dem Wunsch von Mutter, nimmt er den Fremden auf. Kurz darauf folgt dessen Frau. Dann die Söhne, die sich streiten und bald fließt das erste Blut.

Es dauert nicht lange und die Spannung(en) zwischen Mutter, ihm und ihren Gästen nimmt überhand. Die Situation eskaliert …

Was für ein Film. Ich finde wirklich nur selten wenig Worte, aber bei Aronofskys „Mother!“ muss ich mich selbst dazu bringen, einfach wenig zu sagen, denn wenn ich anfange mit jemanden zu diskutieren, dann höre ich lange nicht mehr auf. Man liest immer wieder von Filmen, die man liebt oder hasst, die einem aber nicht egal sein können (die meisten davon sind mir – erstaunlicherweise – egal, was angeblich ja gar nicht sein kann) und „Mother!“ wird wohl von den wenigsten mit einem Schulterzucken abgetan werden.

Das liegt zum einen an der breiten Möglichkeit auf Interpretation des Gesehenen (was ich allerdings nicht finde, denn den Film ist meines Erachtens sehr klar, wenn auch symbolisch) und zum anderen auf der schieren Direktheit dessen, was hier innerhalb der Laufzeit passiert.

So ruhig und entspannt der Film anfängt – spätestens nach zwei Drittel fragt man sich, ob es so etwas wie Entspannung und Ruhe überhaupt jemals gab. Ich bin völlig perplex vom Drehbuch und wie mühelos Aronofsky („The Wrestler“, „The Fountain“, „Black Swan„) es schafft die Eskalation in so kleinen Schritten so nachvollziehbar voranzutreiben, dass am Ende – Vorsicht, kleiner Spoiler! -, wenn der (wortwörtliche!) Krieg ausgebrochen ist, sich diese völlig surreale, abnormale und irre Situation als absolut natürlich und organisch entwickelt anfühlt.

Nie habe ich in Zweifel gezogen, dass was hier passiert einfach passieren muss. Gefällt mir alles was ich sehe? Oh nein, nein, nein, nein. Manche Szenen sind einfach auch extrem(!) hart, keine Frage und es passieren fast unaussprechliche Dinge in diesem Film, aber an keinem einzigen Moment fühlt es sich an, als würde eine Szene nicht unweigerlich zur nächsten führen. Ich bin sprachlos. Wow.

Rein technisch, kameratechnisch, inszenatorisch, schauspielerisch stimmt bei diesem Film einfach alles. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass irgendjemand etwas daran schlecht finden kann. Von den Kulissen (das Haus! Der Keller!) über die Effekte (Das Feuer!) bis hin zu den SchauspielerInnen (Jennifer Lawrence ist großartig, Bardem ebenfalls! Michelle Pfeiffer! Ed Harris!) und den Kamerabewegungen – alles großartig.

Was durchaus sein kann – und das ist auch meistens das Problem, welches die Leute mit dem Film haben – ist die Handlung. Was hat man da eigentlich gesehen? Der Film erklärt nichts per se. Die Handlung ist die Handlung und man versteht/interpretiert sie für sich oder nicht. Für mich ist zB völlig klar, worum es in dem Film geht, was er zeigt, welches Kommentar er abgibt und wie ich dazu stehe,hatte aber bereits Gespräche mit Menschen, die mir erklärt haben, sie sehen da was anderes als ich und ihre Argumente waren völlig nachvollziehbar. Das muss ein Film erst einmal schaffen.

Ganz egal, wie man jetzt zu diesem Film steht (und es ist völlig in Ordnung, wenn man ihn gesehen hat und mit einem Schulterzucken quittiert), alleine die Spannungsschraube (die zumindest bei mir perfekt funktioniert hat) ist eine Meisterleistung.

„Mother!“ bekommt von mir 10 von 10 möglichen, einen unglaublichen Ritt darstellende, Punkte.


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