Fahrenheit 451 (2018 Filmkritik)

Guy Montag (Michael B. Jordan) ist Feuerwehrmann. Sein Job ist es, Bücher und Bilder und Schallplatten und überhaupt alle Kunstwerke zu verbrennen. Seit wann das der Job von Feuerwehrleuten ist? Angeblich schon immer. Behaupten zumindest das Internet, die Datenbank und die Nachrichten.

Lesen wird ohnehin überbewertet und sind wir ehrlich: 90% kann man mit Emojis ausdrücken, wozu also Buchstaben und Worte und Sätze. All diese Überzeugungen beginnen aber zu bröckeln als Guy seiner Neugier nicht widerstehen kann und doch ein Buch stiehlt, um es zu lesen.

Und Clarisse (Sofie Boutella) steht ebenfalls zwischen den Fronten, den obwohl sie nicht zum System gehört, arbeitet sie dennoch als Spitzel.

Nein, nein und nochmals Nein. Dass man so mit voller Wucht im Finale gegen die Wand kracht, das darf eigentlich nicht sein. Selbst wenn man mal das Buch und die Intention von Ray Bradbury, der es ja verfasst hat, außer acht lässt, so ist das Finale sogar in der eigenen Logik kompletter Schwachsinn. Der Film ist in sich in meinen Augen nicht stimmig (oder hab ich was verpasst?).

Und das ist schade, weil das Art-Design, die Kamera, der Aufbau der Welt, der Buchstaben- und Wortersatz durch Emojis und alles rundherum super gelungen sind. Da hatte ich das Gefühl, das mit dem Film könnte noch was werden – modernisiertes Update hin und oder her.

Und dann verläuft er sich komplett im Sand. Muss jeder Film auf eine Konfrontation zwischen zwei Personen hinauslaufen? Muss jeder Film einen MacGuffin haben, der – wenn dieser gerettet wird, mehr oder weniger die Welt gerettet ist? Muss das sein? Ich denke nicht.

Man kann von der Verfilmung mit Oscar Werner halten was man will, aber die hatte zumindest den Mumm etwas Anderes zu wagen. Ich bin ja sogar offen für abweichende Interpretationen, immerhin kann da ja was Neues und vielleicht wirklich Interessantes entstehen, aber was hier dann geschieht … schade, richtig schade.

Den Vergleich mit Bradburys Buch brauchen wir hier und jetzt nicht einmal anzufangen. Einerseits weil immer noch gestritten wird, was jetzt die Aussage des Buchs ist (Bradbury selbst ist der Meinung, er hätte über den Überwachungsstaat geschrieben, also genauso wie Orwell, nur sei es bei Bradbury so, dass es „genügt“ die Menschen vom Denken und Träumen abzuhalten – woraufhin ihm in einer Vorlesung die Studenten mitteilten, dass dem überhaupt nicht so sei, im Buch gehe es um etwas völlig anderes, woraufhin Bradbury meinte – er wisse ja doch wohl am besten, worum es darin gehen würde, immerhin habe er es geschrieben und er wisse doch wohl, was er sich dabei gedacht hatte, woraufhin wieder die Studenten meinten, das Werk sei größer als der Autor und sein Inhalt habe sich weiterentwickelt. Was immer das bedeuten mag).

Jedenfalls liebe ich das Buch (inklusive meiner Version worum es darin geht). Den Film finde ich bis zu einem gewissen Punkt interessant, aber dann kippt er völlig ins Sinnfreie (kann auch sein, dass ich die Symbolik nicht verstanden habe … näh). Die Umdeutung und/oder das Weglassen mancher Charaktere hat mich nicht so gestört, zeigt aber auch klar, dass Regisseur Ramin Bahrani einfach von vornherein was anderes im Buch gesehen hat als ich. Meine Version wäre zum Beispiel niemals ohne Montags dauerfernsehender Frau Mildred ausgekommen.

Jordan und Shannon machen das Beste aus ihren Rollen, auch wenn ich Michael Shannon mal wieder in einer anderen Rolle sehen möchte und Jordan … halt einfach Jordan ist. Sofie Boutella ist an sich toll, aber ihre Clarisse ist das Pendant zu Brent Spinners Joker. Brent Spinner wer? Richtig. Zum Vergessen.

Lest lieber das Buch – das wäre ohnehin viel eher in Bradburys Interesse. Und dann schreibt mir, was ihr sagt, was die Kernaussage ist. Warum? Weil Denken toll ist. Solange wir noch können.

„Fahrenheit 451“ bekommt von mir 5,5 von 10 möglichen Punkten für die Optik und das Art-Design.

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