Tomb Raider (2018 Filmkritik)

Lara Croft (Alicia Vikander) ist die Erbin von Richard Croft (Dominic West), Inhaber von Croft Holdings. Der gute Mann ist bei einem seiner Jobs verschwunden und wird seit sieben Jahren vermisst. Seine Lebensgefährtin Ana Miller (Kristin Scott Thomas) findet, dass Lara lange genug getrauert und sich ihres Erbes verwehrt hat – es sei an der Zeit ihre Nachlass anzutreten.

Lara weigert sich, sieht aber ein, dass sie nicht für immer die Augen vor der Wahrheit verschließen kann. Just als sie den letzten Willen unterschreiben will, bekommt sie vom Anwalt eine Box ausgehändigt. In dieser Box hat ihr Vater ein Rätsel versteckt und Lara entdeckt ein Geheimnis, welches ihr Vater jahrelang vor ihr verborgen hat. Also macht sie sich auf, um seinen Spuren und Hinweisen zu folgen.

Nach ein paar Irrungen landet sie auf einer abgelegenen Insel, schlägt sich mit Söldern herum und versucht die Auferstehung der Todesgöttin Himiko zu verhindern, auch wenn sie nicht an Übernatürliches glaubt.

Im Jahr 2001 war zu lesen: „Angelina Jolie spielt Lara Croft nicht – sie IST Lara Croft.“ Das mag stimmen bzw. mag gestimmt haben, gilt aber einerseits für die „alte“ Lara und andererseits macht diese Tatsache noch keinen guten Film aus. Oder im Fall von Jolie, keine zwei guten Filme. Die „Tomb Raider“-Videospielreihe wurde im Jahr 2013 rebootet und die pistolenfuchtelnde Actionbraut ist einer weicheren, jüngeren und *räusper* glaubwürdigeren Lara Croft gewichen.

Dieser Reboot mit dem schlichten Namen „Tomb Raider“ kam (auch bei uns) sehr gut an und auch der Nachfolger „Rise Of The Tomb Raider“ hat so gut wie alles richtig gemacht. Pünktlich zum Filmstart der „Reboot“-Version des 2013 Reboots vom Spiel (und – bereits verwirrt?) kam auch die Ankündigung von „Shadow Of The Tomb Raider“, welches im September 2018 für PS4, XBox One und Co erscheinen soll und ja bereits am Ende des Vorgängers angekündigt wurde.

Also nun zum 2018er „Tomb Raider“-Film, der den „Videospiel-Film-Fluch“ brechen soll (Anmerkung: Es gibt einen Fluch, der verhindert, dass Filme, die auf Videospielen beruhen gut sein können. Angeblich. In meinen Augen sprechen zum Beispiel „Silent Hill“ oder „Assassin’s Creed“ eine andere Sprache).

Zuerst einmal: Alicia Vikander spielt die neue Lara Croft nicht, sie IST die neue Lara Croft. Die Optik, die Bewegung, das freche Mundwerk, die Ausstrahlung von „ich weiß nicht genau wie, aber ich packe das“. Hier passt alles. Die Frau kann das. Regisseur Roar Uthaug (hat zum Beispiel Regie bei einer „Hellfjord„-Folge geführt) scheint das zu wissen und er verlässt sich eigentlich darauf, dass die Gute den Film auf ihren zarten Schultern trägt. Und das macht sie problemlos. Keine falschen Erwartungen: Das ist die Alicia-Vikander-Show. Es dauert keine fünf Minunten und man mag Lara.

Der Film? Der braucht gute 45 Minuten. Dann mochte ich ihn nicht mehr.

Das ist ungefähr fünf Minuten nachdem Lara auf der Insel gelandet ist. Wenn sozusagen die Action beginnt. Denn ab da geht so ziemlich alles in die Brüche, was man davor aufgebaut hat. Ich meine, „Tomb Raider 2018“ ist ja an sich von der Story her schon mal kein besonders innovativer Film. Zumindest hatte ich aber den Eindruck, dass die Leute sich echt bemüht haben, eine 2-Stunden-Story zu bringen, die gut unterhält und aus Lara eine glaubwürdige Person macht. Diesen Teil haben sie (mit ein paar Änderungen der Vorgeschichte) hinbekommen: Lara ist keine Archäologin mehr, sondern Fahrradkurierin (weil sie das Geld vom vermissten Papa nicht nehmen mag), übt sich in Kick-Boxen und ist auch sonst ein schlaues, körperlich fittes Mädel. Es wird auch etabliert, dass sie früher mit ihrem Vater Rätsel gelöst hat und sie ein fotografisches Gedächtnis hat („What I see, I remember“), außerdem war sie Bogenschützin. Dann kommt sie auf die Insel und wenn die Action beginnt, dann wird es lächerlich.

Und das liegt dann an zwei Dingen: Dem sträflich, peinlichen Drehbuch und der streckenweise arg schlechten Regie. Ich will hier wirklich niemanden Unrecht tun, aber anders kann ich es nicht beschreiben. Ich glaube nicht, jemals gesehen zu haben, wie Regie (nicht Schnitt, nicht Effekte, nicht Kameraführung – Regie!) dermaßen danebenhaut.

Krasses Beispiel: Lara schleicht mit Pfeil und Bogen im hellen Sonnenlicht durch ein Lager voller Soldaten. Und zwar dermaßen auffällig, dass mir vorkam, dass sich die Statisten sogar extra wegdrehten, als sie sie kommen gesehen haben, weil sie gemerkt haben, dass man die Frau überhaupt nicht übersehen kann. Dann versteckt sie sich vor einem Wächter unter eine Brücke, die durchsichtig ist, ragt links und rechts daraus hervor und niemand sieht sie. Kaum ist die Person über die Brücke gegangen, schießt sie einem anderen Kerl, der mit dem Rücken zu ihr steht einen Pfeil in den Kopf. Und das alles ist dermaßen peinlich gemacht, dass ich mich bereits beim Zusehen fremdgeschämt habe.

Die Szene mag einem bekannt vorkommen. Aus anderen Filmen. Aus den Spielen. Man muss das allerdings sehen, um zu glauben, wie peinlich das gemacht ist. Ab da fing ich an den Kopf zu schütteln und mich zu wunden, weil es hört einfach nicht mehr auf.

Lara tötet einen(!) Wachmann und alle Gefangenen fliehen. Das ging vorher nicht? Musste Lara das machen? Was ist, als ihr Kumpel Lu (Daniel Wu) einen Wärter ausknipst? Da kann nur Lara fliehen? Aber wenn Lara einen umhaut, dann können alle abhauen? Überhaupt: Lu! Sympathisch, aber völlig verschenkt.

Und Laras Flucht? Echt jetzt? Mussten die Macher wirklich Szenen aus 15 Stunden-Spiel (die episch waren!) in 15 Minuten packen? War denen nicht klar wie lächerlich das ist? Ach … da ist so viel schief gegangen. Und dann erst die Weiterführung der Story … konnte man nicht bei der vom Spiel bleiben?

SPOILER SPOILER SPOILER
Natürlich muss der Papa nochmals auftauchen. Natürlich muss er am Schluss sterben. Natürlich gibt es Fallen, die kein Mensch damals gebaut haben kann. Natürlich sind alle außer Lara zu blöd, um die Rätsel zu lösen. Natürlich braucht sie nur fünf Minuten. Natürlich muss der Vater sich fürs Töchterlein opfern. Natürlich gibt es am Ende einen Zweikampf. Natürlich wird die Lara in aller-allerletzter Sekunde gerettet. Natürlich macht sie fünf Sekunden später einen Witz. Natürlich kauft sie am Schluss zwei Pistolen (wozu?).
SPOILER ENDE SPOILER ENDE SPOILER ENDE

Gegen Ende gibt es dann eine Sequenz (relativ lang), die ich persönlich „Indiana Jones 0,5“ nenne. Weil man weiß, wie es gemeint war. Weil man weiß, warum sie es gemacht haben. Und weil es einfach nicht funktioniert. Nicht in diesem Film. Nicht in dieser Art. Nicht mit diesen Figuren. Nicht so inszeniert. Tut mir leid.

Ich wollte den Film wirklich, wirklich mögen. Ich mag auch die Figur von Lara, so wie sie hier interpretiert wird. Ich mag auch Alicia Vikander in dieser Rolle. Sie ist es auch, die den Film ansehbar macht. Aber nichtmal sie kann verhindern, dass ich in der zweiten Hälfte mehrmals a) gegähnt und b) ungläubig den Kopf geschüttelt habe. Nicht, weil das was passiert so unglaubwürdig war, sondern weil ich nicht glauben konnte, das sie wirklich Klischee um Klischee um Klischee einbauen müssen.

Das Finale im Spiel war episch. Das Finale im Film habe ich schon 1000e Male davor in genau der gleichen Inszenierung mit genau dem gleichen Timing und genau den gleichen Vorkommnissen und genau den gleichen Kameraausschnitten gesehen. Schade. Wirklich schade.

„Tomb Raider“ bekommt von mir 5,5 von 10 möglichen, leider kläglich versagende und nur von Vikander und den Spiel-Referenzen lebende, Punkte.

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