Tomb Raider (2001 Filmkritik)

Ihr Vater (Jon Voight) ist lange verschwunden und Lara Croft (Angelina Jolie) ist immer noch nicht ganz darüber hinweg. Nachdem sie aber reich ist kompensiert sie ihre Trauer mit großen Knarren, teuren Spielzeugen und einen gewissen Hang zur Archäologie. Eines Tages hört sie in ihrer riesigen Villa ein das Ticken einer versteckten Uhr und rasch findet sie heraus, dass sich hinter dieser Uhr ein großes Geheimnis verbirgt.

Aber nicht nur Lara ist dieser Sache auf der Spur. Auch der Bund der Erleuchteten will das, was sich hinter der Uhr versteckt in die Finger bekommen, denn eine nur alle 5000 Jahre stattfindende Sternenkonstellation birgt das Potential zur Weltherrschaft.

Lara Croft muss man wohl nicht wirklich vorstellen und ich gehe auch von einem großen Bekanntheitsgrad der Marke „Tomb Raider“ aus. Wer wirklich nicht weiß, wer oder was das ist – bitte nutzt Google. Ich möchte nicht mehr als 20 Jahre Popkultur wiederkäuen müssen, hier nur die Kurzversion: Tomb Raider ist ein Phänomen aus der Spielebranche. Das erste Spiel hat für damalige Verhältnisse spektakuläre Grafik gehabt, ein super Leveldesign (heute würden die Leute dran verzweifeln) und eine unglaublich beliebte Protagonistin, nämlich – genau – Lara Croft. Eine Engländerin mit Herrenhaus und unzerstörbaren Butler. Und zwei Pistolen, einer liebe für knappe Shorts und einer Oberweite (damals Pyramiden, weil Polygone und so) die es einer realen Version von ihr unmöglich gemacht hätte aufrecht zu gehen.

Klar – die Spiele wurden (nicht nur, aber auch wegen Lara) ein Hit und nach mehreren Teilen (und Gastauftritten, wie zB im Die Ärzte Video „Männer sind Schweine“) war dann doch die Luft raus. Nach einem kastrophal schlechten Teil wurden die Entwickler ausgetauscht und mit „Tomb Raider: Legend“ die Reihe wieder auf Kurs gebracht, wenn auch auf gewohnten. Das war 2006.

Davor gab es allerdings zwei Kinofilme und „Lara Croft: Tomb Raider“ ist der erste davon, der 2001 in die Kinos kam und mit seiner hanebüchernen Story nicht unbedingt so richtig überzeugen konnte. Das war damals aber tatsächlich völlig egal und der Film hatte immerhin 2001 das 9beste Einspielergebnis am Startwochenende. Bei einem Budget von ca. 115 Millionen Dollar kamen in Summe bis heute 274 Millionen weltweit (137 in Amerika) wieder retour, was den Fim übrigens den Titel „finanziell erfolgreichste Videospielverfilmung in Amerika“ einbringt.

So erfolgreich, dass es dann 2003 einen weiteren Teil mit dem Titel „Die Wiege des Lebens“ auf die Leinwand schaffte.

Warum war Tomb Raider nun so erfolgreich? Lag es an der Popularität der Spielreihe? An der Qualität des Films? Am genialen Drehbuch? Wohl kaum. Ich lehne mich jetzt aus dem Fenster und behaupte, dass Angelina Jolie und vor allem ihre Oberweite einen großen Einfluss auf die damals wohl gerade stark pubertierende Zuschauermenge hatte. Selten habe ich einen Film gesehen, der so dermaßen um eine Person bzw. um bestimmte Regionen einer Person gestrickt war, wie dieser hier.

Ich meine, man ist es ja gewohnt, dass ein Teil der Stirn in Filmen bei Nahaufnahmen abgeschnitten ist, aber fast die Augen wegschneiden, damit man das Dekolleté im Bildausschnitt behalten kann, das ist dann doch halbwegs übertrieben. Zumal es mehrmals passiert, dass Angelina Jolie in Kleidung gesteckt wird, die mit den Spielen nichts(!) zu tun hat und diese Kleidung dann (sogar der Schlafanzug) mehr Dekolleté zeigt als manches Abendkleid. Das ist dann schon dermaßen auffällig, da ist die Bier-Werbung in Skyfall ja fast subtil im Vergleich (und das will was heißen).

Ansonsten hat der Film außer viel Action (die teilweise gut gemacht ist, teilweise lächerlich aussieht) und hohlen Dialogen, die manchmal sogar wehtun nicht allzu viel zu bieten. Eine Herzschmerz-Story (Lara vermisst ihren Papa) und eine Weltuntergang-durch-kosmische-Kräfte-Story (völlig an den Haaren herbeigezogen) vereinen sich zu einem Mischmasch, der unterhaltsam ist aufgrund von kleinen Details (der Butler, der sich in aller Ruhe seine Schutzwesten und Co anzieht und sich erst dann völlig entspannt in ein Feuergefecht stürzt) und netten Witzen (Daniel Craig – richtig: James Bond seit „Casino Royale„, der nach einer Begegnung mit Lara meint, er hofft, dass die Dusche kalt genug sei) die man mögen kann, aber nicht muss.

Die Story kann man getrost vergessen. Geheimbünde, Artefakte, Planetenkonstellationen, Verräter und Freunde, Helden, Bösewichte und Getreue, die selbst die Macht wollen. Das alles in eine Filmhandlung gepresst, die zwar gleichzeitig episch und emotional sein will, aber tatsächlich nicht so richtig funktioniert. Selbst die Interpretation von Lara Croft ist … schräg. Die Dame ist ein James Bond mit ein mehr als einer Prise Batman reingemischt.

Trotzdem funktioniert das Ganze auf einer sehr, sehr primitiven Ebene. Der Film macht Spaß, wird nie langweilig und verdammt nochmal – wenn Angeline Jolie nicht zu 100% wie Lara Croft aussieht, dann weiß ich auch nicht. Dass sie für den Dreh ihre Brüste „hochpolstern“ musste, passt dann irgendwie auch ins Bild. Wenngleich manche Aufnahmen (siehe oben) durch diese „Aufpolsterung“ tatsächlich wirken als hätte Lara Pyramiden statt Brüsten. Trotzdem bleibe ich dabei: Es funktioniert als guilty pleasure wirklich gut. Man darf nur das Hirn nicht einschalten und über manche Dialogzeile oder sogar Actionsequenz sollte man wohlwollend hinwegsehen können.

Simon West, der Regisseur des Films, weiß grundsätzlich was er macht, so geht auch „Con Air“ auf seine Kappe. Und der „zweite Expendables“ ist ebenfalls unter seiner Regie entstanden. Das heißt man weiß, dass er das es kann, aber bei den Drehbuchautoren Patrick Massett und John Zinman, die beide ihr erstes Drehbuch mit diesem Film abliefern, bin ich mir nicht so sicher.

„Lara Croft: Tomb Raider“ bekommt von mir 5,5 von 10 möglichen, sinnfreie, aber actionreiche, Punkte.


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