Shadow Of The Tomb Raider (Game-Review)

Lara Croft ist mit Sicherheit eines: Stur. Das führt in diesem Fall dazu, dass sie der Organisation „Trinity“ zuvorkommen will einen Dolch zu finden, der … dann die Apokalypse auslöst. Die Zeit läuft also und gemeinsam mit ihrem Freund Jonah macht sie sich auf die Suche nach einer sagenumwobenen Box, denn nur jene kann die Apokalypse stoppen.

Und im Zuge dieses Wettlaufs findet sie eine alte, vergesseen Zivilisation, Prophezeiungen, alte Gegner, neue Freunde und – den Mut sich einzugestehen wer und was sie ist.

Ich weiß. Schreibe ich jetzt wieder „Ich war skeptisch“, dann wird das langsam zum Muster. Trotzdem – die Trailer und alles an Werbematerial sahen für mich verdammt nach einem komplett durchschnittlichen Open-World-Abenteuer aus und ich habe mich lange Zeit geweigert „Shadow Of The Tomb Raider“ eine Chance zu geben. Als ich es dann doch getan habe, war ich ziemlich begeistert, denn „Shadow“ ist die konsequente Fortsetzung der Reihe und ein gelungener Abschluss der „Reboot-Trilogie“ (falls kein Teil 4 kommt).

Ja, das Setting ist ausgelutscht und ich weiß nicht wie oft man noch im Dschungel unterwegs sein und die immer gleichen Dinge tun kann (Sachen suchen, Sammelkram finden, XP bekommen, Aufleveln, Gegner überfallen oder vorbeischleichen, klettern und kleinere Rätsel lösen), ohne dass sich das alles irgendwann mal so richtig abnutzt.

Was man braucht ist eine starke Geschichte und Charaktere die man mag. Und mit „stark“ meine ich nicht zwingend „logisch nachvollziehbar“ oder so, sondern einfach „stark“. Gut inszeniert und spannend gehalten. Und das macht „Shadow“ richtig gut. Wenn ich an die coolsten Momente denke, die ich den drei Reboot-Teilen hatte, dann kommen die meisten davon ganz klar in diesem Teil hier vor (abgesehen vom Blut-Bad in der Höhle aus Teil 1. Das bleibt immer der Spitzenreiter, weil ich das einfach nicht kommen gesehen habe).

Die Mechaniken wurden nochmals verfeinert, das Schleichen ist wichtiger als davor und die Tatsache, dass sich Lara jetzt mit Schlamm beschmieren und aufrecht stehend im Blätterwald verstecken kann – das macht schon was her. Man fühlt sich teilweise wie der „Predator“, der seinen Opfern auflauert. Gleichzeitig finde ich, dass dieses Mal die Balance aus Rätseln und Erkunden und Kämpfen weit besser getroffen wurde als bei den ersten beiden Teilen.

Ein Manko gibt es allerdings (Das kann jedoch auch an mir liegen): Es fiel mir anfangs teilweise wirklich nicht leicht die Umgebung zu lesen. Da gibt es Stellen, an denen ein kleines Kind eine Wand hochklettern könnte, aber das Spiel sagt dir: „Nein, sorry. Das geht hier nicht.“ Aber drei Meter weiter geht es dann. Das hat mich anfangs echt – gerade bei den Rätselgräbern – teilweise ein wenig frustig gemacht. Mit der Zeit ging es dann, weil man ja irgendwann die Logik hinter der Kulisse durchschaut, aber irgendwie war das in den anderen Teilen besser gelöst.

Wirklich, wirklich gut gefallen hat mir die Story mit ihren Figuren, Wendungen und dem – grandios inszenierten – Finale. Ich habe öfter gelesen, dass sich das Spiel das alte Klischee des „White Saviour“ auf die Fahnen heftet und ihm so Rassismus innewohnt. Kann sein, kann ich nicht beurteilen. Ich denke mir allerdings, dass bei einem Charakter, der so etabliert, dass sie immer etwas „Besonderes“ ist und „die Heldin aller Heldinnen“ darstellt, es schwierig gewesen wäre eine andere Story zu erzählen. Das mag mit einer neuen IP funktionieren, kann sein, aber für Lara erschien mir diese Story hier durchaus passend.

Und inszeniert ist das Gesamtpaket durch die Bank hervorragend.

„Shadow Of The Tomb Raider“ bekommt von mir 9,5 von 10 möglichen, auch im Dschungel eine gute Figur machende, Punkte.


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