Tomb Raider (Game-Review)

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Die junge Studentin Lara Croft begibt sich auf Forschungsreise. Ihr „Mentor“ ist auf der Suche nach einem sagenumwobenen Schatz und einem längst untergegangenem Königreich. Allerdings sucht er Laras Meinung nach an den falschen Stellen im weiten Meer. Sie hat eine Vermutung, wo die Insel liegen könnte, also entscheidet man, der Intution der jungen Frau zu folgen. Kurz darauf kommt es zum Schiffbruch und Lara wird an den Strand einer Insel gespült.

Frierend, erschöpft und hungernd bahnt sie sich den Weg ins Innere der Insel auf der Suche nach ihren Freunden – und entdeckt, dass die Insel von Piraten bevölkert wird, die einer seltsamen Gottheit zu dienen scheinen. Um ihre Freunde und sich selbst zu retten, muss Lara über sich selbst hinauswachsen und vom grauen Mäuschen zu einer Überlebenskünstlerin werden.

Der Reboot der „Tomb Raider“-Serie hat ja nicht gerade eine Menge an positiver Vorfreude verbreitet – die Fans der „alten“ Serie waren skeptisch, ob Crystal Dynamics es drauf hat, das Spielgefühl der alten Teile auch einzufangen. Hand aufs Herz – das haben sie nicht.

Die alten Teile waren primär dreidimensionale Jump N Run-Spiele mit Actioneinlagen (mal mehr, mal weniger), die auf Erkundung setzten (in den titelgebenden Gräbern) und hin und wieder auch Ballereinlagen boten (was in späteren Teilen immer mehr wurde). Vor allem aber war Tomb Raider immer eines: Lara Croft. Die Archäologin mit der übergroßen Oberweite, Hot-Pants, Haarzopf und zwei Ballermännern an die Oberschenkel geschnallt.

„Tomb Raider“ in der neuen Version ist anders. War es früher völlig normal, das Lara herumgeturnt ist wie eine Mischung aus Spiderman und Indiana Jones, so ist sie im neuen Teil anfangs etwas völlig anderes – ein wehrloses, verängstigtes, junges Ding, das mit der Situation absolut überfordert ist.

Gerade die ersten Stunden des Spiels vermitteln das Gefühl des „gestrandet seins“ und ums Überleben kämpfen müssen sehr gut – Lara lernt Feuer zu machen, sich zu verarzten, findet einen Bogen, lernt das Jagen und noch ein paar andere Dinge – bis sie letztlich gefangen genommen wird und es zu einer extremen Situation kommt, die bereits im Vorfeld bei einigen Präsentationen (siehe Traile) für viel Wirbel gesorgt hat. Einer der Piraten hat eindeutige Absichten die junge, hübsche – und gefesselte – Frau betreffend. Ein Wendepunkt im Leben von Lara Croft (und auch im Gameplay) – sie erschießt den Mann in Notwehr und bricht völlig fertig, zitternd und den Tränen nahe, zusammen.

Bis hierhin ist „Tomb Raider“ genau das gelungen, was die Macher immer betont haben – sie wollten den Charakter von Lara Croft rebooten, aus der Superpower-Überdrüber-Frau eine „normale Person“ machen. Aber nach der oben erwähnten Szene kommt alles ganz anders.

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Das junge, verletzliche Ding wird nämlich plötzlich zur Killermaschine. Der Weg dahin war ja irgendwie klar, aber das es so abrupt geht, war dann doch irgendwie seltsam (bei mir wurden Erinnerungen an die abrupte Verwandlung von Anakin Skywalker zu Darth Vader wach. In einem Moment von Zweifel geplagt, im nächste bringt er skrupellos Kinder um).

So bringt sie in den nächsten Stunden unzählige Piraten um die Ecke und das alles andere als zimperlich – da werden durchaus hinterücks Pfeile in Hälse gebohrt, mit Steigäxten Köpfe augespießt, mit Schusswaffen wie ein Profi hantiert und so etwas wie emotionale Skrupel gibt es nach der oben erwähnten Szene eigentlich nicht mehr. Wozu auch? Das Spiel führt einem auch ziemlich deutlich vor, was passiert, wenn Lara damit zögert zuerst zuzuschlagen – und die Sterbesequenzen sind teilweise sehr heftig geraten.

Gameplaytechnisch kann ich nur sagen, dass sich das Spiel super steuern lässt (PS3-Version) und es jede Menge Spaß macht, sich mit Lara durch die (beinahe) frei erkundbare Insel zu bewegen. Abseits der Hauptmissionen gibt es Sammelquests, ein paar Gräber/Tunnelsysteme, die man aufspüren und in denen man Minirätsel lösen kann, genauso wie die Jagd nach Tieren, Relikte sammeln, GPS-Marker samllen – alles ist dabei.

Das klingt nach einer Mischung aus „Uncharted“ – und tatsächlich hat Nathan Drake es in vielerlei Hinsicht vorgemacht und es bringt Crystal Dynamics nichts, leugnen zu wollen, wo die Hauptinspiration das neue „Tomb Raider“ herkommt. Dazu mischt man eine ganz große Prise „Far Cry 3“ (ohne die Egoansicht) und schon hat man das neue Tomb Raider. Grafisch spielt das Teil in der oberen Liga mit, da gibt es nicht großartig viel zu bekritteln. Das große Plus bei „Tomb Raider“ ist aber – und das war meiner Meinung nach bei den alten Teilen (von „Legend“ und „Underworld“ abgesehen) immer der große Schwachpunkt – die Hauptstory. Hier bietet Crystal Dynamics alles, was ihnen eingefallen ist und ich gestehe offen, dass mir bei ein paar Szenen glatt die Kinnlade runtergefallen ist – die Story-Quests sind perfekt inszeniert. Die Schauplätze cool, abwechslungsreich und immer schön anzusehen (auch wenn man ob der viele Kämpfe nicht immer viel Zeit dazu hat) und die Story selbst – aus der Feder von Terry Pratchetts Tochter Rihanna (nicht mit der Sängerin verwandt) – kippt von „Robinson Cruso“ immer mehr in Richtung „Lost“ und mischt am Weg dorthin ein paar Anleihen (auch optisch, siehe Bild unten) vom Horroschocker „The Descent“ (der ja auch irgendwie von Tomb Raider inspiriert wurde, denke ich) ins Spiel.

Wirklich super fand ich, wie sich Crystal Dynamics vor den alten Teilen der Serie verbeugen und in den Dialgen immer wieder nette Seitenhiebe auf die alten Teile einbauen („I really hate tombs“), oder als Lara später ihre beiden „Markenzeichen“-Pistolen erhält, gibt es einen netten Wink und damit einen Anschluss an die alten, zeitlich aber später folgenden, Teile. Storytechnisch wurde hier alles richtig gemacht, auch wenn die Klasse von „Uncharted“ nicht ganz erreicht wird – aber das hat hoffentich ohnehin niemand erwartet. Immerhin ist die Spielwelt in „Tomb Raider“ offener und erforschbarer, als Nathan Drakes 100%ige Geradlinigkeit.

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Wenn man dem Spiel etwas vorwerfen kann, dann, dass es sein Konzept der Reflektion bzw. des „normalen Mädchens, dass lernt in der Wildnis zu überleben“ aus Gameplaygründen relativ rasch über den Haufen wirft und das „normale Mädchen“ ziemlich flott zur brutalen Killermaschine wird. Was schade ist, da der Anfang so vielversprechend ist und auch wirklich extrem stimmig wirkt. Das bedeutet jetzt nicht, dass das Spiel keinen Spaß macht oder die Gameplaymechaniken nicht perfekt funktionieren würden – es ist halt einfach schade. Das wäre vermutlich besser gegangen, vor allem, da Crystal Dynamics damit ja doch vor Veröffentlichung des Reboots damit ziemlich viel Werbung gemacht hat. Nichtsdestotrotz ist das neue „Tomb Raider“ für mich das beste Tomb Raider bis dato – zumal (und das mag jetzt einigen Missfallen, ich finde es super) Lara jetzt auch optisch endlich aussieht, wie eine normale Frau und nicht mehr mit einer Oberweite herumlaufen muss, die es physikalisch unmöglich machen würde, auf zwei Beinen zu gehen (übertrieben formuliert).

Was Tomb Raider (2013) ist, das ist ein beinahe perfekter Actionfilm, der sich vor vielen aktuellen Blockbustern im Kino nicht zu verstecken braucht – das bedeutet viel Action, Kawumm und teils heftige Momente, dafür Abstriche bei den wenigen (optionalen) Rätseln und so gut wie keine „Tombs“ mehr – dafür aber eine filmreife Handlung/Inszenierung und einer Hauptdarstellerin, die noch nie so menschlich und verletzlich war, wie hier – und auch noch nie so sympathisch. Was Crystal Dynamics (mit Square Enix gemeinsam) geschafft haben, ist die Marke Tomb Raider wieder frisch zu machen, eine spannende Geschichte zu erzählen und ein paar Zugeständnisse an die alten Fans einzbauen. Mich hat es fasziniert und absolut Spaß gemacht – das erste Spiel, bei dem ich doch tatsächlich 100% aller Achievements und Co gespielt habe. Und das mag was heißen.

Ich habe übrigens am Anfang mal versucht in deutscher Sprache zu spielen, aber Nora Tschirner (die ich als Schauspielerin doch gerne mag) als Lara Croft – das funktioniert für mich absolut nicht, tut mir leid. Vor allem, da die englische Vertonung mit den britischen Akzents doch einfach cooler ist. Vor kurzem wurde übrigens bekannt, dass es eine Fortsetzung geben wird (da das Spiel hinter den Verkaufserwartungen zurückblieb, war das lange Zeit nicht sicher) – ich freu mich drauf!

„Tomb Raider“ (2013) bekommt von mir 9 von 10 möglichen, die Serie neu belebende und filmisch inszenierende Abenteuerpunkte


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