The Amazing Spider-Man (Filmkritik)

Peter Parker (Andrew Garfield) ist ein typischer Nerd: dem Lernziel ist er in so gut wie jedem Fach voraus, dafür wird er ständig von der Sportskanone Flash Thompson (Chris Zylka) gehänselt und ist heimlich in seine Mitschülerin Gwen Stacy (Emma Stone) verliebt. Als Peter eines Tages eine alte Aktentasche seines Vaters wiederfindet, erwacht in ihm der Ehrgeiz, mehr über das mysteriöse Verschwinden seiner Eltern und den damit verbundenen Flugzeugabsturz herauszufinden. Sein Weg führt ihn zu Dr. Curt Connors (Rhys Ifans), einem früheren Partner seines Vaters.

Peters Einmischung bzw. Hilfe bei der Arbeit des Doktors führt schon bald dazu, dass dieser einen großen medizinischen Durchbruch erlangt. Nach einem verzweifelten Selbstversuch, da ihm wegen zu langsamen Forschungsergebnissen das Geld abgedreht werden soll, verwandelt sich Connors jedoch in eine blutrünstige Echse. Gut dass Peter auch noch ein paar Tricks auf Lager hat, denn nach dem Biss einer genetisch veränderten Spinne aus Connors Labor, entwickelt er ungeahnte Fähigkeiten die ihm die Macht geben, Böses in jeder Erscheinungsform in der Welt zu bekämpfen.

The Amazing Spider Man Film Mask

Es gab eine Zeit in der Micky Maus und seine Freunde an Reiz verloren hatten und ein neuer (zeitloser) Held auf die Bildfläche trat: Spiderman. Seit jenem Zeitpunkt (sehr lange her, jaja) bin ich Fan des Netzschwingers, das Spider- vor meinem Agent kommt ja auch nicht von ungefähr. Als im Jahre 2002 Sam Raimi mit Tobey Maguire und Kirsten Dunst seine Spiderman-Trilogie gestartet hatte, hatte ich anfangs so meine Probleme mit dieser Adaption, doch nach einer mehr oder weniger kurzen Phase, habe ich mich dann doch mit den drei Filmen angefreundet (trotzdem, Maguire ist für meinen Geschmack etwas zuviel Weichei gewesen in dieser Rolle).

Für einige nicht klar deklarierte Spiderman Freunde sicherlich zu bald kommt nun zehn Jahre später das in Hollywood schon seit längerer Zeit gerne zelebrierte Phänomen des Reboots zum Einsatz, dass Peter Parkers bisher unerzählte Entstehungsgeschichte erstmals auf die große Leinwand bringt. Angesiedelt im „Ultimativen Universum“ – dass für jüngere Comicfans im Jahr 2000 entwickelt wurde, um einer neuen Generation die Storys von Spiderman, den X-Men und den Avengers von Beginn an näherzubringen – liegt der Schwerpunkt der Ereignisse im Film nun auf Peter Parkers Suche nach den Geheimnissen seiner Eltern und seiner wachsenden Beziehung zu seiner ersten großen Liebe Gwen Stacy (Mary Jane, sein Love Interest aus den vorigen drei Teilen, kommt gar nicht erst vor).

Regisseur Marc Webb (500 Days of Summer) erweist sich nicht nur vom Namen her als perfekter Mann für den Job: er drückt dem Film nicht seine eigene Handschrift auf, er ordnet sich lieber seinem Protagonisten unter. Richtig gehört. Dies ist der Film, der durchgehend ein wohlbekanntes Spiderfeeling vermittelt, bei dem ich mich sofort abegholt gefühlt habe. Ständig dachte ich: ja, genau der Spruch passt zu ihm, genau so bewegt sich Spidey, genau so ein Mensch ist Peter Parker. Meine gesamte jahrelange Erlebenswelt im Spinnenuniversum (in Comic- und Zeichentrickform), wurde hier in einem Film vereint.

Auch von den Effekten her kann ich nur sagen: beeindruckend! So locker und dynamisch und gleichzeitig mitreissend hat sich unser Held in einer Realverfilmung noch nie über die große Leinwand geschwungen. Der 3D-Effekt ist zwar meiner Meinung nach wie so oft nicht unbedingt nötig, doch ich muss zugeben, dass man in diesem Fall als Zuschauer doch noch mehr hineingesaugt wird in die Handlung, da Webb hier optisch alles so perfekt hinbekommen hat. Gelungen ist auch die Filmmusik von James Horner, die die Größe aber gleichzeitig auch immer vorhandene Intimität der Story gekonnt einfängt.

Andrew Garfield ist Peter Parker. Das kann man so stehen lassen. Ich mag ja Tobey Maguire als Schauspieler, doch Garfield ist für mich der „echte“ Spidey. Er bringt sowohl sein nerdiges Highschoolleben als auch sein ganzes Wesen als sich frei durch die Lüfte schwingender „Spinner“ zur Geltung, Spiderman sein sozusagen als Therapie zum sonstigen Alltag. Rhys Ifans (Anonymus) ist Doktor Curt Connors – der wegen seiner Verbissenheit mit der er einen Weg finden will seinen Arm wieder nachwachsen lassen zu können – immer mehr droht seine Menschlichkeit zu verlieren, besonders natürlich wenn er im weiteren Verlauf als Warmblüter hassende Echse durch die Gegend stapft. Sehr überzeugend gespielt und mit der nötigen Ambivalenz versehen, was ihn zu einem interessanten Schurken macht.

Über Emma Stone (Paper Man) muss ich ja sowieso nicht mehr viel sagen, hab ich übrigens schon erwähnt, dass sie großartg ist? Da sie und Garfield nach den Dreharbeiten auch im wahren Leben ein Paar geworden sind ist klar, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt. Sie bekommt zwar weit weniger zu tun als ihr Herzblatt, doch ihre Gwen Stacy ist klug, herzlich und liebenswert, was ihre gesamte Screentime zu einer Freude für ihre Fans macht. Zusätzlich gibt es auch noch ein paar echt sympathisch/peinlich/lustige Szenen mit Gwen und Peter, besonders bei der Planung ihres ersten gemeinsamen Dates.

Für mich also klar der Spiderman Film, auf den ich gewartet habe und in dieser Darreichungsform ein nahezu fehlerfreies Comic-Erlebnis. Effekte, Musik, Schauspieler (bis in die kleinsten Nebenrollen), Story, Inszenierung, ich habe mich ganzheitlich perfekt abgeholt gefühlt und kann nur hoffen, dass den geplanten weiteren Teilen der neuen Trilogie, finanziell nichts mehr im Wege steht. Es ist einfach schön zu sehen, dass es noch mehr Spinner wie mich da draußen gibt.

The Amazing Spider-Man bekommt von mir 9/10 seine Fans mit Netz und Charme in bestechender Optik und dem Herz am rechten Fleck einwickelnde Empfehlungspunkte. P.S.: Für alle die jetzt schon wissen wollen wie die Abenteuer von Spidey weitergehen (vor dem zweiten Teil), denen kann man nur das neue Spiel wärmstens empfehlen.


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