John Carter (Filmkritik)

Als Edgar vom Tod seines Onkels John erfährt und dessen Erbe übernehmen soll, bekommt er neben einem riesigenen Schloss und jeder Menge Geld auch noch dessen Tagebuch überreicht, das nur für ihn bestimmt ist. Und Als Edgar zu lesen beginnt, offenbart sein Onkel John Cater ihm eine unglaubliche Geschichte:

John Carter (Taylor Kitsch) ist am Ende des 19 Jahrhunderts nach dem Krieg heimgekehrt und ziemlich traumatisiert. Er hat seine Frau verloren und – wie es scheint – auch seinen Verstand und seine Menschlichkeit. Mittlerweile ist er besessen davon eine bestimmte Goldmine zu finden, da er denkt, das Geld könnte sein Leben wieder gerade richten. Falsch gedacht. Nach einer Verkettung von blöden Umständen, welche Soldaten, eine Bar, Indianer, sowie einen Kerl mit scheinbar magischen Fähigkeiten beinhalten, findet sich John allein mitten in einer Wüste wieder.

Kurz darauf begegnet er den ersten Einwohnern, erkennt, dass er nicht mehr auf der Erde ist und wird in einen Kampf um die Vorherrschaft des Planeten Mars hineingezogen, der eigentlich nicht der seine ist …

John Carter Film

Die Geschichte von „John Carter“ feiert 2012 ein Jubiläum: nämlich ihr 100jähriges Bestehen. 1912 hat der „Tarzan“-Erfinder Edgar Rice Burrough die Bücher geschrieben und sie sind bis dato interessanterweise nicht verfilmt worden. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, was sie alles beinhalten.

Wer sich John Carter ansieht und still bei sich denkt, dass Teile davon irgendwie schon mal so ähnlich in anderen Filmen vorgekommen sind, hat grundsätzlich recht. Mit dem Wissen, dass John Carter VOR den großen Sci-Fi-Filmen unserer Zeit entstanden ist, kann man getrost behaupten, dass die Inspirationsquellen so mancher Weltraum-Saga klar erkennbar ist, was aber – und das ist das tolle daran – in keiner Weise zu keiner Zeit stört.

Natürlich wird es immer wieder Leute geben, die behaupten werden, dass Szene A oder B von irgendeinem anderen Film geklaut ist (zB aus Avatar, Star Wars, Aliens, etc), aber – und das fasziniert mich an dem Film – die Macher schaffen es trotz der teilweise bekannten Elemente den Film frisch und unverbraucht wirken zu lassen und man fühlt sie nie wie in einer schlechten Kopier von anderen bekannteren Filmen. Ich würde sogar behaupten: Eher im Gegenteil.

Denn Andrew Stanton (von Pixar, Regisseur von „Findet Nemo“, „Wall-E“ und eben auch „John Carter“) hat hier seinen ersten Nicht-Animationsfilm gemacht und wenn ich bei John Carter eines gelernt habe, dann, dass Andrew Stanton es einfach draufhat. Warum? Zum einen hat die Geschichte das Herz am richtigen Fleck, soll heißen, der Film kümmert sich um seine Charaktere, den Helden und seine Mitstreiter, um die Gefühle und Beweggründer der handlungstragenden Personen.

Und andererseits ist auch Action dabei, die noch dazu super gemacht ist. Es kracht und rummst streckenweise so richtig, aber – im Gegensatz zu „Avatar“ oder „Episode II – Angriff der Klonkrieger“ ist die Action bei John Carter nie unnötig in die Länge gezogen, sondern Mittel zum Zweck. Sogar eine Schlacht, in der John Carter hunderte Aliens niedermetzelt, wird dazu genutzt, die Beweggründe des Titelhelden und den Schmerz, den er mit sich herumträgt näher zu erklären, ohne sich in großen dramatischen, Schlachtbildern zu verlieren, die man ohnehin schon x Mal gesehen hätte.

Was sich noch als äußerst toll erweist, ist das Casting – keine Person wirkt fehl am Platz, die Chemie zwischen allen stimmt (Taylor Kitsch, Willem Dafoe, Mark Strong, James Purfoy, Samantha Morton, Lynn Collins, etc) und auch der Humor findet genug Platz (z.B. in Form eines Alien-Hundes, der … tja, lasst euch überraschen), manchmal sogar in sehr unerwarteterweise, zum Beispiel, als … nein, das kann ich jetzt nicht verraten, aber allein diese Szene ist es schon wert, den Film gesehen zu haben.

Mein einziger Kritikpunkt: Ich habe nicht verstanden, warum eine Hochzeit den ganzen Planeten in Gefahr bringt, aber gut – das hab ich vermutlich überhört und letzten Endes war es eigentlich für die Hanldung auch nicht wichtig „warum“ sondern einfach „das“.

Völlig klar: John Carter ist Popcorn-Kino. ABER mit tollem Art-Design, Effekten auf höchstem Niveau, glaubwürdigen und sympathischen Charakteren, passenden Darstellern, guter Musik und der richtigen Dosierung und Mischung aus Action und Humor – und glaubt mir: Ich habe alle guten Sci-Fi-Filme der letzten Jahre genauso oft gesehen wie ihr: John Carter ist trotzdem einen Blick wert.

„John Carter“ bekommt von mir 9/10 auf dem Mars erwachten und von vierarmigen Aliens in einen Bürgerkrieg abgeschleppt werdende Punkte.


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