The Suicide Squad (Filmkritik)

Eine Gruppe von Verbrechern bekommt von Amanda Waller (Viola Davis) einen speziellen Auftrag. Sie werden nach Südamerika geschickt und sollen dort das geheime Projekt namens „Starfish“ und alle Hinweise darauf auslöschen. Was das Team rund um Harley Quinn (Margot Robbie), Bloodsport (Idirs Elba) und Peacemaker (John Cena) dann erlebt, übersteigt jedoch schnell selbst die verrücktesten Vorstellungen.

Neben dem örtlichen Militär, den Rebellen, Streitigkeiten innerhalb des Teams und einem verrückten Professor, ist es dann das Projekt selbst, dass sich als unüberwindbarer Gegner herausstellt. Doch sie müssen ihren Auftrag erfüllen, sonst detoniert Waller die Sprengsätze in den Köpfen ihres Teams…andererseits würden sie so ihrem Namen, mehr als gerecht werden…

Für mich als Freund von Fantasy und schrägem Humor, gibt es gleich mehrere Gründe, warum James Gunn (Slither, Super, Guardians of the Galaxy Volume 1 und Volume 2) einer meiner Lieblingsregisseure ist. Dass er kurzzeitig wegen alten Tweets von Disney entlassen wurde und so beim Konkurrenten Warner bzw. DC landete, bezeichne ich dabei klar als Glücksfall, denn laut eigenen Aussagen konnte er hier wirklich ohne Einschränkungen seine Vision seiner Story präsentieren.

Ich erkenne zwar die Schwächen, dennoch hatte ich mit der ersten Realverfilmung des Suicide Squad aus dem Jahr 2016 ziemlich viel Spaß. Trotzdem ist diese weitere Inkarnation des Squads, eine Steigerung in so gut wie jedem Bereich. Dabei kommen klar die oben erwähnten Stärken von Mister Gunn ins Spiel. Zunächst mal hat er ein sehr intimes, präzises Gefühl dafür, wer seine Figuren sind. Mehr oder weniger kleine Spoiler folgen ab nun.

Klar meine ich dabei die Hauptfiguren, doch das sind nicht gerade wenig. Besonders faszinierend ist seine Fähigkeit, Sonderlinge und Außenseiter so zu inszenieren, dass man sie ins Herz schließt und ihnen zujubelt, ja sie sogar besser findet als klassische Helden. Das wiederum hat auch mit seinem Gespür für Schauspieler zu tun und wie er (wohl weil sich laut Interviews Darsteller unter seiner Führung sehr wohl und wertgeschätzt fühlen) die bestmöglichen Performances aus ihnen heraus holt.

Funktioniert das dann auf finanzieller Ebene? Trotz Kritikerlob ist das Einspiel bisher hinter den Erwartungen. Schade finde ich das nur aus der Sicht, dass es schwieriger wird, weitere Abenteuer zu finanzieren. Doch aus meiner Nerd-Sicht Ebene gefällt es mir auch irgendwie, dass die breite Masse einen bekannten Darsteller wie Will Smith oder eine populäre Figur wie den Joker braucht (beide waren beim Erstling dabei), um Interesse für eine Comic-Verfilmung zu entwickeln.

Harley Quinn ist als bekanntester Charakter hier scheinbar zu schräg und zu wenig massentauglich. Ich bin jetzt kurz abgeschweift aber ihr wisst glaube ich, was ich damit meine, wer dafür empfänglich ist, der wird diesen Film lieben, viele andere werden wohl einen großen Bogen um ihn machen. Wer von diesen beiden Gruppen glaubt ihr sind für mich die interessanteren Menschlein da draußen? Sorry, das war es nun wirklich von dieser Ebene.

Warum ich das Bild von Daniela Melchior für den Beitrag gewählt habe, die außerhalb ihres Heimatlandes Portugal wohl vor diesem Film Niemand gekannt hat (dort ist sie für hunderte Auftritte in diversen Serien bekannt), möchte ich euch als nächstes erzählen. Nun sie ist ein Charakter, der Ratcatcher 2 heißt und Ratten kontrollieren kann. Das klingt nun schräg, uninteressant oder gar abstossend? Oder inspiriert es euch, wieder mal A Plague Tale zu spielen?

Nun ich muss euch sagen, dass sie hier eine wundervolle Performance abliefert und klar das Herz des Filmes darstellt. Einerseits ist sie ein extrem zartes Wesen, ständig müde, in ihrer liebevollen Art auch naiv, andererseits ist sie durch ihre Armee von Ratten, die mächtigste Figur überhaupt. Und bitte, sie bittet King Shark (der keine Freunde hat) und sie vorher fressen wollte, die Freundschaft an, denn Freunde isst man nicht, wenn ich so einen Charakter nicht lieben kann, wen dann?

Und wenn wir schon bei King Shark sind kommt eine weitere Fähigkeit von Gunn zum Einsatz, nämlich dass man CGI-Figuren als echte (in dem Fall) Mutanten wahr nimmt und nicht als Gimmick aus der Effekt-Abteilung. Herrlich tumb, animalisch und dennoch zum Knuddeln ist er und wird von Sylvester Stallone so gesprochen, dass man ihm trotz seiner blutrünstigen Aktionen, schon bald zujubelt.

Nachdem aufgesetzter Feminismus etwas die Freude bei Birds of Prey gebremst hat, ist Margot Robbie (Terminal) hier eine richtig schön unberechenbare Version einer Harley Quinn. Überhaupt steht ihre Art, typische Szenen, bei denen man einen bestimmten Ablauf erwartet, mit völlig unpassenden oder die Stimmung störenden Sprüchen zu stören, stellvertretend für den Grundtenor des Filmes. Ja, sie weiß auch noch immer nicht, wann sie aufhören sollte zu reden.

Idris Elba (Hobbs and Shaw) als Bloodsport liefert ebenfalls eine seiner überzeugendsten Darstellungen überhaupt ab, als resignierter und sich innerlich aufgegeben habender Killer, der vor allem mit Ratcatcher 2, eine echt schöne Vater/Tochter Beziehung entwickelt. Wer den „Längeren“ hat, darum geht es dann ständig zwischen ihm und dem von John Cena (Bumblebee) gespielten Peacemaker, der nächstes Jahr auch eine bereits abgedrehte, eigene Serie spendiert bekommen hat und ein stumpfsinniger Kerl ist, der die Mission über alles stellt (besonders über die Moral).

Das waren schauspielerisch meine Highlights, doch es gäbe noch einige mehr, die man lobenswert erwähnen sollte, jeder gibt hier einfach sein/ihr Bestes und noch etwas mehr. Bis zum bitteren Ende zumindest und da muss man schon sagen, dass das hier eindeutig der blutigste Film von DC überhaupt ist. Ich meine dabei nicht mal nur die abgetrennten Gliedmaßen und zerschossenen Köpfe, aber wie viele Unschuldige hier auf Grund ihrer Assimilation durch das außerirdische Kaju sterben, ist sowieso ein Wahnsinn.

Ist bei der Handhabung der Situation Kritik an den USA mit dabei? Und ob, aber lassen wir nun einfach noch einmal wirken, dass hier ein riesiger extraterrestrischer Seestern der Hauptfeind ist, der im Godzilla-Style die Stadt platt macht…und was ist noch einmal die Kunst dabei? Richtig, man steht da nicht geistig drüber und denkt sich nur „was soll das jetzt sein“ und man sieht eben keine Action-Szenen, bei denen dir das Schicksal der Figuren egal ist.

Der Killer, das Rattenmädchen, die Verrückte und der Hai-Gott (super wie seine Herkunft locker erklärt wird) müssen einfach die Welt retten und dabei selbst überleben und wir fiebern mit. Und wenn dabei der traumatisierte Polka-Dot Man im Geiste seine Mutter zerlegt, dann bin ich endgültig angekommen in dieser Welt, von der man gerne noch viel mehr sehen möchte. Die hier Überlebenden vom Squad als Dream-Team, oh yeah, here we go!

Weiter jubeln könnte ich noch viel länger und über die Cinematographie, den Humor oder die Setups rund um einige „Crowd Pleaser“ Momente schwärmen, doch ich schließe lieber mit einem Vergleich, bei dem sich Film-Nerds auskennen müssten. Wieviel Gunn hier drinnen steckt und was er machen durfte, ist vergleichbar mit der Verwirklichung der Vision, die Zack Snyder bei Sucker Punch hinbekommen hat (dabei sind sich die Filme sonst nicht ähnlich). Man liebt das hier eben einfach, oder man hasst es. For me it´s all about love (and rats).

„The Suicide Squad“ bekommt von mir 10/10 die Grenzen zwischen Schwach und Stark, ständig verschwimmen lassende Empfehlungspunkte.


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