Guardians of the Galaxy (Filmkritik)

Vor 26 Jahren wurde Peter Quill (Chris Pratt) als junger Erdbewohner vom Außerirdischen Yondu (Michael Rooker) und seiner Truppe von Outlaws entführt. Mittlerweile ist er zu einem gewitzten Schatzjäger namens Starlord geworden, der gerade auf dem Planeten Xandar seine neueste Beute, eine geheimnisvolle Kugel, an den Mann bringen will.

Blöd nur, dass ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wurde und der genetisch manipulierte Waschbär Rocket (gesprochen von Bradley Cooper) und das Baumwesen Groot (gesprochen von Vin Diesel) das Geld für ihn kassieren wollen. Das Chaos ist perfekt, als sich auch noch die Killerin Gamora (Zoe Saldana) in den Konflikt einmischt. Eigentlich egal, denn bald wird klar, dass die gesamte Galaxie in Gefahr ist und sofortige Rettung bedarf, wer könnten für diesen Job, wohl die richtigen Kandidaten sein?

Guardians of the Galaxy A - Marvel Universe Film

  • Film
  • Blu-Ray

  • James Gunn hat es endlich geschafft! Nachdem seine beiden vorherigen Filme „Slither“ und „Super“ zwar aus meiner Sicht beide auf ihre Art großartig waren, blieb ihm der kommerzielle Erfolg bisher leider verwehrt. Mit Marvel´s Guardians ist ihm nun nicht nur der in Amerika erfolgreichste Film des Jahres 2014 gelungen, sondern auch Fans und Kritiker sind von seinem neuesten Streich begeistert.

    Dabei war der Film im Vorfeld ein gewisses Risikoprojekt, denn außer Comicfans kannte beinahe keiner die schrägen Weltraumhelden und wer Gunn kennt der weiß, dass er sich massentauglichen Hollywood-Regeln sicherlich niemals völlig unterwerfen würde, sondern immer irgendwie sein eigenes Ding durchziehen würde. Den Film, der seinen Vorstellungen entsprach machen zu dürfen, dafür hat er sich mittlerweile mehrmals bedankt, sowohl bei Marvel als auch bei „Avengers“ Regisseur Joss Whedon, der angeblich einen ersten Drehbuchentwurf von Gunn mit den Worten „More James Gunn“ wieder an ihn zurückgegeben haben soll.

    In der hier erschaffenen Welt fühlt man sich als Zuschauer wie zu Hause, wobei es von großem Vorteil ist, wenn man ein Fan der Materie bzw. Nerd ist und die kindliche Entdeckungslust nicht verloren hat. Dabei leugnen die Guardians zu keinem Zeitpunkt ihre Herkunft, sie zelebrieren sie sogar und streuen immer wieder Sprüche und Szenen ein, die der Metaebene entstammen und aussagen: „Wir wissen wo wir herkommen, was wir sind und wir lieben es!“.

    Rein schon vom Setting her hat man sich hier mehr getraut als bei anderen Marvel Filmen, denn die Handlung spielt fast ausschließlich im Weltraum, auf Raumschiffen und fremden Planeten. Die Settings haben dabei eine Bandbreite von futuristisch und clean bis hin zu dreckig und bedrohlich, die „guten“ Außerirdischen sind bunt und schrullig, was perfekt zum Grundton passt. Selbst die Actionszenen haben eine erfrischend eigenständig/kreative Dynamik, dauern nie zu lange, mit den Schnitten an den richtigen Stellen und laufen so nie Gefahr, zum Selbstzweck zu verkommen.

    Musikalisch ist das ganze geprägt von Starlords Liebe zu der Musik der 70er und 80er Jahre und somit seiner Musikkassette, seiner letzten Erinnerung an seine frühere Heimat, die Erde. Tyler Bates (Sucker Punch) liefert den dazu passenden Score, der gekonnt die Stimmung einer „Weltraumoper“ vermittelt. Dieses unglaublich stimmige Gesamtpaket aus Drehbuch, Setdesgin und Musik, wird ergänzt durch Darsteller, die ihren Job auf verschiedene Art und Weise so machen, dass ich mir keine besseren in ihren Rollen vorstellen könnte.

    Zuerst mal zu Rocket und Groot, dem „Onscreen“ Duo des Jahres. Dass man schon nach wenigen Minuten zwei CGI-Charaktere – einen sprechenden Waschbären und einen Baum“ – als vollwertige Personen aus Fleisch und Blut (oder eben aus lebenden Holz oder so) wahrnimmt und akzeptiert, liegt sicher an mehreren Faktoren (Drehbuch, Effekte, Inszenierung, Dialoge usw.).

    Großen Anteil daran hat auf jeden Fall Bradley Cooper (American Hustle), der als Rocket perfekt den Charakter des Waffen liebenden Waschbären einfängt, der nicht nur die besten Sprüche auf Lager hat, sondern auch eine tragische Hintergrundgeschichte, die hier mehrere Figuren haben, was sie zwar geformt hat in ihrer Entwicklung, doch nie in plakativer „Seelenstriptease-Form“ dargeboten wird.

    Guardians of the Galaxy B  - Marvel Universe Film

    Groot ist gewiss der liebenswerteste der Guardians, gleichzeitig aber auch der unberechenbarste. Er hat eine kindliche Herangehensweise an Dinge, ist dennoch sicherlich der, der Feinde am effektivsten rein mit seinem Körper beseitigen kann. Vin Diesel (Riddick) verleiht den drei Worten, die er sprechen kann – „I am Groot“ – eine gewisse Würde und Weisheit und die Tatsache, dass Rocket immer zu verstehen scheint was der Baum gerade sagt, bringt einige lustige Szenen.

    Was mich zu Chris Pratt (The Lego Movie) bringt, der so natürlich und mit viel Charme den Leading Man gibt, dass ich keine Ahnung habe warum Hollywood so lange gebraucht hat, ihn zu entdecken. Peter Quill ist ein Draufgänger mit einem schnellen Mundwerk, er sucht Ruhm und das schnelle Geld, entscheidet sich in kritischen Situationen nach einigem hin und her aber schließlich doch dazu, das Richtige zu tun. Und zwar mit Stil versteht sich und einem doofen Oneliner kommentiert, der jeden kitschigen Moment jegliche Kraft nimmt.

    Über Gamora Zoe Saldana (Avatar) erfährt man noch am Wenigsten, vielleicht bringt ein weitere Teil mehr Licht in ihre Vergangenheit, dass man ihr die schwer besiegbare Kampfmaschine abnimmt und sie auch in ruhigen Momenten überzeugt, hat sie aber schon in einigen anderen Rollen bewiesen. Dave Bautista (The Man with the Iron Fists) ist als Drax der letzte der Guardians und seine körperliche Überlegenheit, gleicht er mehr als gekonnt mit der Einfachheit seines Geistes wieder aus. Bautista kenn ich ja nur aus Actionrollen, hier schafft er es aber auch die Nuancen der feineren und humorvollen Seiten seiner Figur auszudrücken.

    Bei den Bösen hat Lee Pace (Der Hobbit) als Ronan vor allem stimmlich und von der Körpergröße her eine starke Präsenz während Karen Gillan (Oculus) als Nebula hauptsächlich durch ihre eiskalten Augen besticht. Beide sind aber unter viel MakeUp versteckt, was ihre Leistung nicht schlechter machen soll, nur sie zu erkennen ist nicht so leicht. Michael Rooker (The Marine 2) als Yondu hingegen erkennt man gleich, er hat sichtlich seinen Spaß und ein paar coole Szenen auf seiner Seite. Es gibt noch einige weiter Figuren und deren Schauspieler, die das Herz erfreuen, aber sie zu entdecken, überlasse ich um nicht den Rahmen zu sprengen, euch Filmfreunden.

    Als abschließende Worte noch ein paar Gedanken, auf die ich bei Gesprächen mit Comicfreunden gekommen bin. Die „Guardians“ sind kein perfekter Film, so etwas gibt es meiner Meinung nach auch nicht, sondern ein Film, bei dem man lange suchen muss um was zu finden, was störend gewirkt hat. Hat man dann was gefunden, verstärkt das nur noch den Charme, weil es den Außenseiter-Charakteren entspricht und Perfektion ja irgendwie auch was gefühlskaltes hat. Der Humor steht hier klar an erster Stelle und wer nur DC Verfilmungen wie die letzte „Batman“ Trilogie liebt, die ja ihre Comic-Herkunft am Liebsten leugnen würde oder „Man of Steel“, der doch auch den Anspruch hat, philosophisch-moralische Fragen aufzuwerfen, der wird mit den Guardians wohl nichts anfangen können.

    Wer aber Fantasy, SciFi, Comics und Marvel liebt, ein gewitztes Drehbuch voller Eigenheiten und Figuren, die echt wirken, dem Regisseur am Herzen liegen und von 100 prozentig spielfreudigen Darstellern zum Leben erweckt worden sind, zu schätzen weiß, der ist hier genau richtig. Neben den „Avengers“ und „Captain America 2“ haben die Guardians nun einen fixen Platz in meinen Top 3 des Marvel Cinematic Universe Filme eingenommen, sorry an „Iron Man 3“, der nun auf dem undankbaren vierten Platz hängen geblieben ist.

    Guardians 2 im Jahre 2017 wieder von James Gunn? Ich kann es kaum erwarten, denn diesen Antihelden, steht in ihrer Freiheit Abenteuer zu erleben, wahrlich die gesamte Galaxie offen. Bleiben eigentlich nur mehr drei kleine Wörter, die ich loswerden muss. We are Groot! Noch Fragen?

    „Guardians oft the Galaxy“ bekommt von mir 9,5/10 mit einer starken Brise Situationskomik das eigene Ding gegen alle widrigen Umstände durchziehende Empfehlungspunkte und ist ab dem 8. Jänner 2015 nun auch auf 3D Blu-Ray, Blu-Ray und DVD erhältlich.

    (Szenenbilder: © Marvel Studios)

    Guardians of the Galaxy ( + Blu-ray)


    von James Gunn [Walt Disney]
    Preis: EUR 16,99

    Guardians of the Galaxy [Blu-ray]


    von James Gunn [Walt Disney]
    Preis: EUR 10,99

    Guardians of the Galaxy


    von Gene Colan [Walt Disney]
    Preis: EUR 7,99

  • Mein Highlight bei den Features ist der Audiokommentar von Regisseur James Gunn, der ihn genau als den liebenswerten Nerd präsentiert, für den ich ihn nach dem Genuss seines Filmes gehalten habe. Interessante Featurettes führen noch weiter in die faszinierende Welt der Guardians und die Pannen beim Dreh beweisen, dass der Spaß am Set auch hinter den Kulissen immer allgegenwärtig gewesen sein musste. Zu guter Letzt gibt es auch noch ein paar zusätzliche und erweiterte Szenen, die beim Kinorelease der Schere zum Opfer gefallen sind.

    Über den bombastischen Sound und die makellos scharfe Optik muss man bei Marvel/Disney Blu-Rays eigentlich sowieso kein Wort mehr verlieren, aber sogar der von mir weniger geschätzte 3D-Effekt, wird hier in bestechender Weise eingesetzt. Irgendwie passt dieses „Mittendrin-Gefühl“ einfach zum Chaos-Charme der Guardians, wobei die Effekte niemals plakativ oder aufgesetzt wirken und sogar in dunklen Szenen die Übersicht immer erhalten bleibt. Passt also perfekt zum Gesamtpaket, an dem ich selbst wenn ich wollte, nichts aussetzen könnte.

    Guardians of the Galaxy Cover


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