Slither (Filmkritik)

Es ist ja nun leider nicht so, dass es das erste Mal wäre, dass seine Frau Starla (Elizabeth Banks) wieder mal nicht in Stimmung ist für ein paar schöne Momente zu zweit. Womit Grant (Michael Rooker) aber nicht gerechnet hat ist die Tatsache, dass er nach einem Lokalbesuch mit einer anderen Dame im Wald landet. Was aber fast noch überraschender daher kommt, ist die Nadel, die aus dem Kokon springt, der wiederum aus einem auf die Erde gestürzten Meteoriten aus dem All herausgeschlüpft ist und sich nun tief in Grants Brust gebohrt hat.

Bald hat der örtliche Polizeichef Bill Pardy (Nathan Fillion) alle Hände voll zu tun, denn Grant wird von nun an von dem außerirdischen Organismus gesteuert und abgesehen von seinem unstillbaren Hunger nach rohen Fleisch, treibt ihn aktuell vor allem eines an: möglichst viele andere Menschen zu infizieren und zu seinen Sklaven zu machen. Nur die Liebe zu Starla könnte für den immer weiter mutierenden Grant ein letzter Hoffnungsschimmer sein, aber ist es dafür nicht schon lange zu spät?

Slither

Autor und Regisseur James Gunn (Super) feiert gerade mit Marvels „Guardians of the Galaxy“ im Kino seinen kommerziell bisher größten Erfolg. Im Jahre 2006 sah die Zukunft für seine berufliche Karriere aber weit weniger rosig aus. Ihm wurde vorgeworfen, seine Regiedebut „Slither“ sei eine dreiste Kopie der 1986 entstandenen Horrorkomödie „Night of the Creeps“. Das Studio distanzierte sich schließlich trotz aller Erklärungsversuche des Regisseurs von dem Film und es wurde am Ende ein finanzieller Flop daraus. Anfang Juli, circa ein Monat vor dem Start von „Guardians“, kommt er nun doch endlich auch auf Blu-Ray heraus, die vergangene Kontroverse scheint also längst vergessen und das ist sehr gut so.

Gunn ist ja für mich klar ein Mensch, der ein Fan ist von dem was er tut, was ihn von vielen anderen Regisseuren unterscheidet. Ich meine jetzt nicht seinen Job an sich, sondern das Material aus story-technischer Sicht, mit dem er gerne arbeitet. Seinen Karrierestart feierte er bei der Trash-Kult-Firma Troma. Er mag japanische Mangas und ihre Tentakelmonster. Er ist mit Filmen von Cronenberg und Carpenter aufgewachsen. All das macht ihn aus und er hat es mit sehr viel Liebe und Feingefühl (ja, das kann man auch angesichts der Grundthematik so nennen) umgesetzt.

Clever gewählt erscheinen mir eindeutig die Hauptakteure. Grant ist zu Beginn der typische Außenseiter. Nicht besonders intelligent, nicht besonders schön. Im Gegensatz zu seiner Frau Starla, die er ständig im Auge behalten muss, damit sich andere Männer nicht an sie heran machen. Gerade der Kerl wird dann von einem die Welt unterwerfenden Wurmmonster infiziert. Der perfekte Kandidat für den Job, da er eh nie ein Zugehörigkeitsgefühl hatte? Genau, wäre da nicht die Liebe zu seiner Frau, der letzte Anker seiner verschütteten Menschlichkeit.

Egal ob es nun die Settings, die gekonnt gewählten Musikstücke oder die Mimik und Gestik der Darsteller sind, hier wird auf eine sehr schrullige und sympathische Art und Weise die Beziehung von Grant und Starla gezeigt. Und dann beweist Gunn wieder, wie er es auch später bei „Super“ so gut hinbekommen hat, wie sehr man Genres mixen kann und diese dennoch großartig zusammen passen. Noch schnell zwischendurch mit den Wurmtentakeln aus der Brust eine Dame schwängern (man beachte den Schnitt und die Musik in dieser Szene) und nachdem die lieben kleinen geschlüpft sind, ist das Chaos dann perfekt. Köpfe platzen, Körper werden geteilt und mutierte Menschen verfallen in die unbändige Fresslust nach rohem Fleisch.

Das alles hat natürlich einen trashig-humorigen Unterton, wobei es ein oder zwei Szenen gibt, die auch psychisch wirklich gruselig sind und zeigen, dass Gunn durchaus auch anders könnte, wenn er wollen würde. Die Wurmeffekte sind dabei großteils handgemacht und erst gegen Ende kommen dann billige aber passende und klar als solche erkennbare CGI-Effekte zum Einsatz. Warum „Slither“ auch so gut funktioniert sind die Darsteller, denn Gunn sind seine (Haupt)Figuren wichtig und um das auch rüber zu bringen, braucht man Leute mit Talent.

Nathan Fillion (Percy Jackson 2) ist ja seit Serenity-Zeiten sowieso einer meiner Helden und da passt es ja sehr gut, dass er und Gunn privat Freunde sind und er sowohl in „Super“ als auch den „Guardians“ einen Gastauftritt bekommen hat. Fillion ist die Art von Held, der sich für die Dame opfern würde, wird er aber von ihr gerettet, dann macht er ihr klar, dass er diese Geschichte der Öffentlichkeit später genau andersrum erzählen muss. Ihn mag man einfach, auch oder gerade weil er im Prinzip mit der aktuellen Lage völlig überfordert ist.

Michael Rooker (The Marine 2), übrigens auch ein Kumpel des Regisseurs, ist das eigentliche (von ein paar Würmern befallene) Herz des Filmes und er macht seine Sache wirklich toll. Dieses Verlangen in seinen Augen nach Fleisch und Macht, wird nur durch die Sehnsucht übertroffen, die er ausstrahlt, wenn er seine Frau ansieht. Die wiederum wird zunächst sehr bieder und brav von Elizabeth Banks („Mädelsabend„, „The Hunger Games„) gespielt, im Laufe der Handlung entwickelt sie aber immer mehr Kampfgeist und trennt sich klar von ihrem anfänglichen „Frau in Not“ Image.

Insgesamt ein wilder und liebevoller Genremix und eine Hommage an alles, was James Gunn Freude bereitet. Sicherlich nicht ein Film für jedermann, aber das will er auch gar nicht sein. Ich fand vor allem dieses allgegenwärtig spürbare Grundgefühl, dass dies das Gegenteil einer heruntergekurbelten Auftragsarbeit ist, sehr erfrischend und auch die Tatsache, dass hier wer sein Ding durchzieht ohne sich Verbiegen zu lassen oder übermäßig anpasst, muss und kann ich leicht und auch gerne richtig gut finden. Eine gewisse Freude an Kunstblut, witzig/ekligen Szenen und sehr speziell schrägem Humor, sollte man aber als Grundvoraussetzung um hier Spass zu haben, schon mit bringen.

„Slither“ bekommt von mir 8/10 mit dem frühen Wurm den Vogel fangende Empfehlungspunkte.

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