Zoo (2018 Filmkritik)

Sie waren einmal so glücklich miteinander, doch diese Zeit ist vorbei. Wenn John (Ed Speleers) von der Arbeit nach Hause kommt, sieht ihn seine Frau Karen (Zoe Tapper) kaum an, sie reden wenn überhaupt nur über belanglose Dinge und gehen nicht gemeinsam ins Bett. Karen will die Scheidung, doch hat sie noch nicht die Kraft gefunden, dies auch auszusprechen.

Als eines Tages jedoch ein Virus ausbricht, der Leute in nach Menschenfleisch verlangende Zombies verwandelt, müssen John und Karen wieder als Team zusammen arbeiten. Vielleicht, ja vielleicht beginnen die beiden ja sogar wieder zu sprechen miteinander und besinnen sich wieder darauf, warum sie sich so unsterblich ineinander verliebt haben…

Antonio Tublen (LFO) ist ein schwedischer Filmemacher, der bei seinem zweiten Film neben der Regie auch die Arbeit am Schnitt, der Musik und dem Drehbuch übernommen hat. Der Film hat klar ein minimales Budget, konzentriert sich über weite Strecken nur auf zwei Darsteller und spielt fast zur Gänze nur in den diversen Zimmern einer Wohnung. Was dies nicht ist („danke“ an das massentaugliche Marketing – siehe Trailer), ist ein Zombie-Film.

Dies ist ein Beziehungsdrama, klar ein Film für Erwachsene, bei dem die Handlungen der Hauptfiguren durch die immer präsenter werdende Endzeitstimmung (ja, das ist dann der Virus aka Zombies) beeinflusst werden. Ich muss ja sagen ich mag Zombie-Filme als Horror-Subgenre gerne und schätze Filme, bei denen man ein Happy-End zumindest für möglich hält. Beides ist auf „Zoo“ nicht wirklich anwendbar und dennoch habe ich ihn sehr gerne gesehen.

Warum? Nun ich finde es schrecklich und schön zugleich wie hier gezeigt wird, wie Liebe zwar verschüttet werden kann, doch niemals verschwunden ist und wieder ausgegraben werden kann, wenn die beteiligten Menschen dazu bereit sind. Ich rede nicht von der egoistischen Liebe, so nach dem narzistischen Motto „geht es mir gut, kann es nicht falsch sein“. Es geht hier schon um „dein Wohl vor meinem Wohl“ und „für dich würde ich sterben“.

Wer das mal gefunden hat kann mir nicht erzählen, dass die Liebe dann eines Tages einfach erloschen ist. Umso spannender ist dann der Beginn des Filmes, wo zwei Menschen – physisch auf engstem Raum – emotional in zwei getrennten Welten leben. Er geht immer wieder einen Schritt auf sie zu, doch sie blockt ab, weicht aus, will weg von ihm (warum erfährt man später und nein, keiner der zwei hat Schuld oder ist der/die Gute oder Böse).

Was sie dann so anstellen um zu überleben, ist moralisch bedenklich, brutal ebenso, doch vom Gedanken her immer nachvollziehbar. Auch der Humor auf Grund der Absurdität von manchen Situationen, kommt nicht zu kurz. Das Leben hält eben nie nur eine Stimmungslage parat für uns. Natürlich ist das Makeup der Infizierten schwach und wenig glaubwürdig, doch das ist wie man hoffentlich schon lesen konnte, nicht der Schwerpunkt hier.

Richtig gut und extrem glaubwürdig, sind dann die beiden Hauptdarsteller. Zoe Tapper (Liar) als Karen wandelt sich von der stoisch zurückhaltenden Dame hin zur aufrecht und kämpferischen, zeigt von Angst, über Hass, Freude, Liebe, Hoffnung und Verzweiflung so ziemlich alles, was man an menschlichen Gefühlen so empfinden kann. Ed Speleers (Howl) als John ist der Anker, der ruhigere Gegenpol, der durch die Liebe zu ihr immer wieder über sich hinaus wächst und sie auch erden kann, wenn sie sich in ihrem Chaos verlieren sollte.

Insgesamt also ein interessanter Film über die Beziehung von zwei Menschen, die durch einen Ausnahmezustand wieder zusammen finden. Mit der oben erwähnten, falschen Erwartungshaltung wird man sich unglaublich langweilen, man verpasst dafür ein richtig intensives Filmerlebnis. Hier gibt es dann auch keine Helden, nur zwei Menschen, die ihren gemeinsamen Weg im Leben wieder finden, egal wie kurz das dann auch sein mag.

„Zoo“ bekommt von mir 7/10 den negativen Gefühlen die Kontrolle über den eigenen Körper langsam wieder entziehende Empfehlungspunkte.


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