Halloween (2018 Filmkritik)

Lange ist es her, dass Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) den Angriffen des Michael Myers (Nick Castle, James Jude Courtney) entkommen ist. Seitdem hat sie eine Familie gegründet und sogar bereits eine Enkeltochter (Andi Matichack). Trotzdem lässt diese Nacht sie nicht los, denn Laurie ist überzeugt, dass Michael irgendwann zurückkommen und sie holen wird.

Das hat zu Spannungen mit ihrer Tochter Karen (Judy Greer) geführt, denn diese hatte die Schnauze voll von all den Waffenübungen und dem Training. Für sie ist und war Michael nie Thema. Bis heute, denn zwei Podcaster (Rhian Rees, Jefferson Hall) wollen einen Podcast über Michael Myers machen, besuchen ihn im Gefängnis und überzeugen seinen behandelnden Arzt (Haluk Bilginner) sogar, ihm seine Maske zu bringen …

Ich weiß nicht mehr, wann ich den allerersten Halloween zum ersten Mal und auch zum letzten Mal gesehen habe. Es ist schon eine Weile her, soviel ist sicher. Trotzdem habe ich erkannt, was die Macher mit diesem Teil hier (der witzigerweise Halloween heißt und nicht Halloween 2) vorhatten. Es ist der direkte Nachfolger zum allerersten Halloweenfilm von 1978. Alle Filme dazwischen (der eine gute Film und die anderen schlechten, inklusive der Rob Zombie-Remakes) werden vollumfänglich ignoriert.

Was ich gut finde: Jamie Lee Curtis. Die ist einfach super. Auch, bzw. gerade, in der Rolle der Laurie, die sich ihr Leben lang auf eine finale Konfrontation mit Michael vorbereitet hat. Curtis, die den Film auch mitproduziert hat, spielt die – soweit ich weiß – älteste Version von sich, die sie je in einem Film gespielt hat. Sie ist nervlich am Ende, hat Probleme mit ihrer Tochter und ist doch halbwegs verbraucht. Gezeichnet vom Leben. Und sie ist großartig.

Was sie nicht ist: Einzigartig. Denn diese Figur gibt es schon und sie heißt Sarah Connor („Terminator 2„). Aber gut, das soll uns jetzt nicht weiter beschäftigen, denn Laurie in Halloween 2018 ist die logische Weiterentwicklung der Laurie von 1978. Es passt einfach. Wie hätte sie sich auch sonst entwickeln sollen?

Was ist mit den anderen Figuren? Nun, die Tochter (Judy Greer) hält die Mutter für verrückt und will sie von ihrer eigenen Tochter fernhalten (auch, weil Mama Laurie ein kleines Alkoholproblem hat/te). Diese jedoch findet Oma ganz okay, wenn auch ein wenig schräg. Das war es auch soweit. Der Rest ist bekannt. Manche Figuren (zB die Babysitter-Freundin von Allyson) mochte ich bereits nach zwei Szenen, während ich mit anderen Figuren überhaupt nicht warm wurde. Aber gut, das kommt vor.

Was extrem auffallend ist: Der Film spiegelt den ersten Film in allen möglichen Szenen und Momenten. Ob es nun um eine Gruppe von Jugendlichen geht, welche die Straße entlang marschieren, bis hin zu einem Fenstersturz (im Original war es Michael) und dem darauffolgenden Blick nach unten, nur um festzustellen, dass die „Leiche“ weg ist. Viele Szenen/Perspektiven/Drehbuchmomente werden aufgegriffen und auf den Kopf gestellt – Laurie ist die Jägerin, Michael ist der Gejagte.

Bis es allerdings soweit kommt, muss man ein wenig Durchhaltevermögen beweisen. Der Spannungsaufbau ist genauso klassisch wie altbekannt. Neu für mich war, das man Michael sieht, wie er tatsächlich ein Kind(!) umbringt. Ein paar der Morde (und es gibt einige im Film) sind ziemlich brutal geraten, andere werden nur in ihrem Ergebnis gezeigt. Nicht falsch verstehen: Das stört mich nicht. Ich hätte auch die „gezeigten“ Morde nicht gebraucht, weil der Film auch so spannend ist.

Alles in allem ist „Halloween 2018“ vor allem eines: Ein Frauenpower-Film. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Ich für meinen Teil habe kein Problem damit. Ich mag starke Frauenfiguren (und starke Frauen, auch im echten Leben) weshalb ich zB eine Szene extrem toll fand. Vorsicht – kleiner Spoiler: Judy Greer, die jammert, dass sie es nicht schafft abzudrücken, nur um dann in ein „Got you!“ umzuspringen. Großartig! Genauso wie die Musik übrigens, die ich super finde. Es gibt trotzdem ein paar Momente, in denen ich sie zu aufdringlich fand.

Was ich nicht mochte: Ein paar der Morde sind mir einfach zu brutal (und zu realistisch). Auch das Ende (Zoom auf ein Messer) mit seiner implizierten Bedeutung hätte ich so nicht gebraucht, weil ich die Figur sympathisch fand. Auf einer Meta-Ebene ist mir das Sinnbild klar: Die Frau hat ihren Albtraum (Mann) besiegt, weshalb die neue, größte Gefahr nun von wem ausgeht? Richtig – von einer anderen Frau.

Vielleicht interpretiere ich auch zu viel hinein. Alles in allem war „Halloween 2018“ zumindest ein Horrorfilm, den ich ernstnehmen kann und der nicht versucht sich mit Ironie oder billigen Sprüchen an den Zeitgeist anzubiedern. Vielleicht werde ich alt, aber mir hätte der Film noch mehr gefallen, wenn er weniger brutal gewesen wäre.

„Halloween (2018)“ bekommt 7 von 10 möglichen, den ersten Teil spiegelden, Punkte.


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