Mute (Filmkritik)

Leo (Alexander Skarsgard) arbeitet im Jahr 2035 als Barmann in einem Strip-Club in Neo-Berlin. Seit einem Bootsunfall in seiner Kindheit ist er wegen einer Verletzung an seinem Hals stumm. Doch er ist zufrieden, er braucht keine Worte um ein gutes Leben mit der Kellnerin Naadirah (Seyneb Saleh) zu führen. Sie verheimlicht ihm jedoch Dinge aus ihrer Vergangenheit, ebenso wie ihre Geldprobleme.

Eines Tages ist Naadirah dann plötzlich verschwunden und so begibt sich Leo auf eine gefährliche Odyssee quer durch die Unterwelt von Berlin, um seine große Liebe wieder zu finden. Dabei kreuzen sich seine Wege immer wieder mit einem Chirurgen bekannt unter dem Namen Cactus Bill (Paul Rudd), der mehr mit der Sache zu tun hat, als Leo zunächst bewusst ist…

Ich muss zugeben, ich bin kein Fan von Duncan Jones (Warcraft: The Beginning). Ich habe auch nur Source Code von ihm gesehen. Sein aktueller Film, der Februar 2018 auf Netflix erschienen ist, bezeichnet er selbst als spirituellen Nachfolger seines Erstlingswerks Moon. Kritiker hatten nur wenig Freude damit, es wurden der Plot, die Erzähl-Geschwindigkeit und die Handhabung einiger Themen bemängelt und Vergleiche zu Blade Runner gezogen, wobei Mute hier nur verlieren konnte.

Im Prinzip ist dies ein Krimi, im Laufe der Handlung rückt dann neben dem Rache-Plot, auch der Selbstfindungs-Trip immer mehr in den Mittelpunkt. Neo-Berlin präsentiert sich dabei als Welt, die abstossend und faszinierend zugleich ist. Blickt man dann hinter die Fassade, schlurfen hinter dem ganzen High Tech und den grellen Farben genau dieselben verlorenen Seelen umher, wie überall sonst auch.

In Zeiten der Reizüberflutung ist ein Stummer natürlich ein klarer Fremdkörper. Dieses Element finde ich sehr gelungen. Ich glaube ja, dass das Problem der Kritiker auf die Story bezogen die Tatsache ist, dass einer der Figuren, Kinder etwas zu gerne hat. Das wird nur angedeutet und bestätigt sich, man muss dabei auch nichts sehen, um Gänsehaut zu bekommen. Das könnte man auch als verharmlosend ansehen. Wichtiger hier ist für mich aber eine ganz andere Tatsache.

Hast du zwei Freunde, bei denen einer offensiv zu Gewalt neigt, der zweite zwar immer Ruhe bewahrt jedoch überall dabei ist, wer entpuppt sich dann wohl am Ende als der Gefährliche von den beiden? Wer ist innerlich viel kranker, obwohl ihn das Umfeld als ruhigen Typen kennt? Das mag ein Klischee sein, doch habe ich schon länger keinen Film gesehen bei dem eben diese Mechanik, genau so ansprechend heraus gearbeitet wurde.

Lässt man sich also erst mal ein auf die Suche der Figuren nach ihrem persönlichen Glück, dann entdeckt man durchaus Schönes, doch eben auch einige Abgründe. Langsam ist das Ganze und auch nur mit wenig Action versehen, doch langweilig ist mir zu keinem Zeitpunkt geworden. Etwas straffen wäre sicher möglich gewesen und ein paar Szenen sind sicher unnötig, aber dass dies der klaren Vision eines Mannes entsprungen ist, der hier ein Wunschprojekt verwirklicht hat, ist offensichtlich.

Alexander Skarsgard (Hidden) ist genau diese Art von Typ, der als Außenseiter gehänselt wird und Andere sich überlegen vorkommen, doch wehe er kämpft für eine Sache die er liebt. Da haben seine Gegner dann nichts zu lachen. Man mag ihn eben genau weil er sich nicht aalglatt ohne aufzufallen, durch sein Leben schleichen kann. Paul Rudd (Ant-Man) kenne ich eigentlich nur als netten Kerl aus Komödien, der kann aber auch ein richtiger Arsch sein.

Als Cactus Bill drängt er allen sein Weltbild auf und auch wenn er hin und wieder auch richtig liegt, so ist er doch ein rein egoistischer, moralisch extrem ambivalenter Bastard. Justin Theroux (Girl on the Train) als sein Kumpel Duck ist der Gegenpol zu dem lauten Bill, sie sind Freunde, doch es ist klar wer das Sagen hat. Seyneb Saleh (Dogs of Berlin) schließlich als Naadirah umgibt diese mysteriöse Aura, man will einfach mehr von ihr wissen und versteht, warum sie Leo unbedingt wieder finden will.

Insgesamt daher für mich ein guter Film, um in eine verzerrte Version unserer Welt einzutauchen. Auch ich sehe ein paar Probleme und die Fahrt ist manchmal holprig und bleibt auch zu oft stehen, die Optik, die Atmosphäre und die Darsteller ziehen den Zuschauer jedoch in den Bann und die Vision des Machers, scheint immer wieder durch. Ein Film nach dem Motto: ich verstehe, wenn du den furchtbar findest, aber für mich hatte der schon was.

„Mute bekommt von mir 7/10 stumm mehr als so manche Quasselstrippe aussagende Empfehlungspunkte.


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