Halloween Haunt (Filmkritik)

Ein Roadtrip nach einer Halloween-Feier, der Abend ist noch jung. Harper (Katie Stevens) leidet unter ihrem gewalttägigen Freund und deshalb tut ihr diese Ablenkung gut. Gemeinsam mit drei Freundinnen und mit zwei gerade kennen gelernten, netten Jungs im Schlepptau, entdecken sie plötzlich ein Schild zu einem verwunschenen Haus.

Schnell wird klar dass das genau das Event ist, nach dem die jungen Leute als Höhepunkt dieser Halloween-Nacht gesucht haben. Sie geben ihre Handys ab und die Tour im Geisterhaus beginnt. Was zunächst harmlos anfängt, wird schon bald zur tödlichen Falle für die sechs Freunde, denn die Veranstalter haben nicht die Absicht, dass irgendjemand diese Nacht lebendig übersteht.

Scott Beck und Bryan Woods hatten ihren Durchbruch als Drehbuchautoren im Jahr 2018 mit „A Quiet Place„, wovon sie auch die Fortsetzung geschrieben haben, die gerade gedreht wurde. Bei „Haunt“, der bereits vor ihrem Durchbruch Ende 2017 gedreht wurde und es schließlich zu Halloween 2019 in unsere Kinos geschafft hat, haben sie nun auch wieder mal die Regie selbst übernommen.

Ich mag ja Slasher-Filme als Horror-Subgenre sehr gerne und schau dem Final Girl gerne zu, wie sie am Ende dann zurück schlagen darf. Wer das hier ist, ist von der ersten Sekunde an klar, doch es gibt als Bonus auch einen Final Boy (ob der das Finale auch überlebt, das wird natürlich nicht verraten). Konsequent finde ich dann vor allem die Art und Weise, was von den Hintergründen hier offenbart wird.

Man weiß nämlich genau nichts darüber, warum die Bewohner dieses Hauses sich entschlossen haben, ihre Mitmenschen zu jagen und zu töten. Machen die das nur einmal im Jahr zu Halloween? Sind die ein Kult oder einfach nur krank? Verwandt oder befreundet oder Sektenmitglieder? Obwohl man auch das Fehlen einer Erklärung billig finden kann, finde ich das Geschehen so viel Bedrohlicher, da Ungewissheit und Unwissenheit als Unsicherheitsfaktoren hinzu kommen.

Es ist ab des Betretens des Hauses sowieso klar, dass man hier nicht so leicht wieder weg kommt. Was ich ebenfalls als ungemütlich erlebt habe, ist die bunte, beinahe „schöne“ Optik, die als Kontrast zu den „schmutzigen“ Geschehnissen funktioniert. Nach dem „gemeinsam einsam“ Prinzip wirkt hier alles wie auf den perfekten Spaß für eine gruselige Feier ausgelegt, nur dass es dann eben genau das Gegenteil von lustig ist.

Über die jungen Leute weiß man relativ wenig, dafür wirkt zumindest keiner wie ein wandelndes Klischee sondern jeder hat verschiedene Seiten, zeigt sowohl dummes Verhalten, als auch intelligentes. Katie Stevens (Polaroid) als Harper sticht heraus, denn sie wird von Beginn an durch ihren brutalen Freund in die Opferrolle gedrängt und man wartet ungeduldig darauf, dass sie endlich kippt, sich wehrt und zurück schlägt.

Harper ist dabei so gewöhnlich (das meine ich in diesem Fall sehr positiv), dass sie näher an dem perfekten Prototypen eines Final Girls nicht sein könnte. Will Brittain (Kong: Skull Island) als Nathan lebt dieses „der Kerl ist doch viel zu nett um wahr zu sein, da muss doch irgendwo ein Haken sein“ Prinzip perfekt und man überlegt ständig im Hinterkopf, ob nicht im weiteren Verlauf, noch seine unsympathische Seite zum Vorschein kommt.

Insgesamt daher ein gut gemachter, modern aussehender und nach klassischen Regeln spielender Slasher-Thriller, bei dem wieder mal (fast) alle bis auf das Final Girl, nur als Kanonenfutter dienen und dennoch keiner dabei ist, dem man den Tod direkt wünscht. Gut gespielt, beunruhigend was die Stimmung betrifft und mit gut gesetzten Schockmomenten. Alles andere als neu, aber zu Halloween erwarte ich mir eh genau so etwas. Der Schlussgag dafür ist echt gelungen (was oft nicht der Fall ist im Genre), da musste ich richtig grinsen.

„Haunt“ bekommt von mir 7/10 die wahren Monster hinter Masken versteckende Empfehlungspunkte.


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