In The Tall Grass (Filmkritik)

Becky (Laysla De Oliveira) ist schwanger und mit ihrem Bruder Cal (Avery Whitted) unterwegs in eine andere Stadt. Als sie kurz mitten im Nirgendwo neben einer Kirche anhalten, hören sie einen kleinen Jungen um Hilfe rufen. Tobin (Will Bui Jr.), so sein Name, hat sich im Maisfeld verlaufen und findet nicht mehr nach draußen. Entgegen aller Instinkte betreten die beiden das Feld und suchen ihn.

Kurze Zeit später trifft Travis (Harrison Gilbertson), der Vater von Beckys Kind ein und sieht ihren verlassenen Wagen bei der Kirche stehen. Auch er betritt das Maisfeld. Und es ist nicht klar, ob irgendjemand jemals wieder rauskommt, denn „etwas“ passiert in dem Feld und es scheint nicht irdischen Ursprungs zu sein …

2019 war ja mehr oder weniger das Jahr der Stephen King-Verfilmungen und auch „In The Tall Grass“, von Netflix produziert, ist eine davon. Oder besser: Es ist die Verfilmung einer Novelle, die King mit seinem Sohn Joe Hill verfasst hat und die Story hat alle klassischen King-Elemente in sich vereint.

Vorweg: Ich habe die Novelle nicht gelesen, bin aber an sich ein großer Fan von King und es gibt immer wieder mal Verfilmungen seiner Bücher, die wirklich großartig geraten sind. „The Mist“ als Beispiel. Oder „Gerald’s Game„.

Ob man „In The Tall Grass“ dazu zählen kann, nun, da werden sich die Geister scheiden. Ich fand den Film spannend genug, dass ich bis zum Ende dabei geblieben bin, auch wenn es schon wirklich fast bis zur Hälfte des Films dauert, bis die Handlung so richtig anzieht und man eine Ahnung bekommt, was eigentlich los ist. Und die ganze Sache ist dann noch dazu ziemlich antiklimatisch. Zumindest, wenn man die Meta-Ebene bzw. den Symbolismus bei all den Dingen im Film außer Acht lässt, denn „In The Tall Grass“ ist ein extrem religiöses Werk, was man im Vorbeigehen allerdings leicht übersehen kann, denn die Querverweise auf das Fegefeuer/Limbo und die Konstellation der Figuren und ähnliche Dinge, werden nie erklärt. Wer also nicht richtig Bibelfest ist wird diese Ebene vermutlich nicht wirklich mitbekommen.

Was an sich ja nichts macht, denn ein Horrorfilm sollte ja auch ohne Meta-Ebene funktionieren und das tut „In The Tall Grass“ über weite Strecken zwar, aber halt nur im Form von altbekannten Mustern und Klischees. Streicht man den ganzen Symbolismus weg, dann bleibt ein netter Horrorfilm für zwischendurch an den man sich vermutlich keine 30 Minuten nachdem man ihn gesehen hat noch irgendwie erinnert. Von dem einen Gedanken „Von der coolen Grundidee hätte ich mir mehr erwartet“ vermutlich abgesehen.

Schauspielerisch geben sich alle Mühe und es machen auch alle einen guten Job. Wirklich heraus sticht allerdings nur Patrick Wilson, weil der einfach den Spaß seines Lebens zu haben scheint. Oh – all jene, die – so wie ich – es nicht mögen, wenn Babys in Filmen etwas passiert, nun, macht einen Bogen um diesen Film. Einen weiten Bogen.

„In The Tall Grass“ bekommt von mir 5,5 von 10 möglichen, aus der tollen Prämisse und dem stimmungsvollen Setting leider – ohne Meta-Ebene – nur Durchschnittsware herausholende, Punkte.

Den Film gibt es auf Netflix.


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