X-Men: Zukunft ist Vergangenheit – Days of Future Past (Filmkritik)

In einer düsteren Zukunft werden die Mutanten von Maschinen, den so genannten Sentinels, gejagt und getötet. Um die Geschichte zu verändern senden die X-Men Wolverine (Hugh Jackman) in seinen jüngeren Körper zurück, um die Geschehnisse zu verhindern, die in weiterer Folge das Ende der Mutanten bedeuten könnten.

X-Men Days of Future Past Movie Film Poster

Auf zwei Dinge muss ich an dieser Stelle vorab hinweisen. Erstens werden die folgenden Zeilen den einen oder anderen Spoiler enthalten und zweitens handelt es sich hierbei ausschließlich um meine Meinung. Bryan Singer hat es geschafft mit dem Film „X-Men“ im Jahre 2000 Superhelden, so wie wir sie heute kennen und ihnen zuschauen wie sie in regelmäßigen Abständen die Welt retten, perfekt auf die Leinwand zu transportieren.

Auf das erste Abenteuer der X-Men folgte „X2“, woraufhin Singer sich mehr oder weniger erfolgreich anderen Projekten wie „Superman Returns“ oder „Jack the Giant Slayer“ zuwandte. Doch die Welt der Mutanten drehte sich weiter und bescherte uns neben Brett Ratners (Aushilfsgangster) „X-Men: The Last Stand“ auch den sehr gelungenen „X-Men: First Class“ unter der Regie von Matthew Vaughn.

Nun ist es Zeit für den Meister nach Hause zu kehren. Interessanterweise erhält Singer dabei die Unterstützung seines Vorgängers, da Vaughn mit am Drehbuch beteiligt war. Vorab wurde großes erwartet. Der Film soll in einer epischen Geschichte den alten und neuen Cast vereinen und dabei das Beste sein, was man jemals aus dem X-Men-Universum zu sehen bekommen hat. Dabei hat der Film ein ernst zu nehmendes Problem und das ist die Erwartungshaltung des Zuschauers.

Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Comic, an das der Film inhaltlich angepasst wurde. Die grundlegende Handlung wurde in ähnlicher Form in der äußerst gelungenen und empfehlenswerten Animationsserie „Wolverine and the X-Men“ aufgegriffen. Auch wenn „Days of Future Past“ versucht einige Kritikpunkte seiner Vorteile, und hier sei besonders „The Last Stand“ erwähnt, auszubügeln, stellt sich doch die Frage, wie die Geschichte ins Gesamtbild passt.

Beispielsweise angenommen es hätte in den 70ern bereits funktionierende Sentinels gegeben, wieso hat die Regierung diese (abgesehen vom Budget der jeweiligen Filme) später offenbar nie im Kampf gegen zum Teil übermächtige Mutanten eingesetzt? Der Film selbst beginnt in der düsten Zukunft mit der derzeit am Besten inszenierten Actionsequenz, in der die verbleibenden X-Men zeigen können, was in ihnen steckt.

Professor Xavier (Patrick Stewart) ersinnt den Plan jemanden in die Vergangenheit zu schicken, um die Zukunft zu verändern und die Wahl fällt auf Wolverine. Interessant dabei ist, dass nur eine Verbindung in die Vergangenheit hergestellt wird, die eine gewisse emotionale Stabilität von Seiten der gesendeten Person erfordert.

Nun ist Wolverine nicht gerade für seine emotionale Ausgeglichenheit bekannt, doch was ein möglicherweise spannendes Handlungselement sein könnte, kommt hier deutlich zu kurz. Wolverine sucht in der Vergangenheit den jungen Xavier (James McAvoy) auf und bittet ihn um seine Hilfe. Doch Xavier hat seine eigenen Probleme.

Nach den Ereignissen in Kuba kann dieser nur dank seines Serums von Beast (Nicholas Hoult) wieder laufen, muss dafür aber auf seine Kräfte verzichten und verbringt den Tag am Liebsten mit hochprozentigen Alkohol. Diese Umstände bringen eines mit sich, wobei einiges gut funktioniert und einiges weniger gut.

Ich für meinen Teil sehe Wolverine am Liebsten wenn er mehr oder weniger schlecht gelaunt den bösen Jungs in den Hintern tritt. Zwar ist es prinzipiell eine gute Idee ihn als Mentor einzusetzen und es ist auch ein wenig ironisch, dass er hier Xavier unter die Arme greift, aber es macht doch irgendwie weniger Spaß ihn in dieser Rolle zu sehen.

Auf der anderen Seite erlebt Xavier hier den Tiefpunkt seines Lebens. Dennoch tut es weh, dass er hier zu Beginn beinahe wie ein Junkie dargestellt wird, der von Beast seinen Stoff bekommt. Selbstverständlich wird am Ende auch für ihn alles gut, wobei auch sein älteres Ich eine Rolle spielt. Das selbstverständlich-wird-alles-gut-Gefühl gibt es leider auch generell gegen Ende, was trotz eindrucksvoller Inszenierung etwas die Spannung drückt.

Was die Optik betrifft stechen vor allem die in der Zukunft angelegten Sequenzen, auch dank der perfekten Inszenierung, heraus. Hier hätte man auch gerne mehr gesehen, doch dürfte trotz eines überragenden Budgets von geschätzten 250!! Millionen Dollar hier wohl die Grenze des machbaren erreicht worden sein.

Zurück in der Vergangenheit nimmt Singer die zeitlose Optik von „First Class“ und tauscht sie gegen die der 70er Jahre ein – hier ist optisch und wie die Szenen wirken zu jedem Zeitpunkt klar, wo und wann man sich derzeit befindet. Für alle X-Men Fans gibt es während des Films eine Menge Anspielungen auf bereits Geschehenes und auch Dinge, die möglicherweise noch kommen. Dabei hat man, sollte man den Credits glauben schenken, Bild und/oder Tonmaterial sämtlicher Vorteile verwendet.

Was den Fanservice betrifft hat man sich dementsprechend sehr viel Mühe gegeben, um möglichst viel unter zu bringen. Das funktioniert meistens gut, dennoch hat man es auch da übertrieben und so manche Szene wirkt ein wenig deplatziert. Ein großer Pluspunkt ist dafür der Cast und hier hat man es geschafft, das Beste unter einen Hut zu bringen, was X-Men zu bieten hat.

Einerseits hat man hier die Schauspieler und Charaktere wie Xavier (Patrick Stewart – Erzähler in „Ted„), Magneto (Ian McKellen – „Der Hobbit„) und Storm (Halle Berry – „Cloud Atlas„), mit denen alles begonnen hat und es ist schön sie immerhin acht Jahre nach „X-Men: The Last Stand“ noch einmal sehen zu können. Auf der anderen Seite hat man in der Vergangenheit Xavier (James McAvoy – „Filth„), Magneto (Michael Fassbender – „Prometheus„) und Beast (Nicholas Hoult – „Warm Bodies„) und dazwischen Wolverine (Hugh Jackman – „Wolverine: Wege eines Kriegers„), der beide Welten verbindet.

Ein besonders Highlight, vor allem da es sehr unerwartet war, ist jedoch der von Evan Peters (Kick-Ass) verkörperte Quicksilver. Als Bösewicht gibt Peter Dinklage (Knights of Badassdom) als Dr. Trask sein Bestes, schafft es aber nicht viel aus seiner leider recht flach gehaltenen Rolle heraus zu holen.

Alles in allem ist „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ ein durchaus gelungener All-Star Film, der versucht das Alte mit dem Neuen zu verbinden. Nach immerhin elf Jahren macht Singer hier das was er am Besten kann und bringt die Mutanten rund um Professor X auf die Leinwand zurück.

Der Film „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ bekommt von mir 8/10 die Zukunft in der Vergangenheit rettende Empfehlungspunkte. Nach den Credits gibt es eine Szene mit einem kurzen Ausblick auf den 2016 kommenden „X-Men: Apocalypse“ – sitzen bleiben zahlt sich aus!


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